Mittwoch, 29. April 2015

250 Kilometer durch die Wüste

Eisacktaler schaffen 30. Sultan Marathon des Sables –

Lino Tonon
Badge Local
Lino Tonon

Aus den 23 Teilnehmern beim Debüt 1986 sind heuer bei der 30. Ausgabe fast 1400 aus 49 Nationen geworden, darunter 40 Italiener, davon die 4 Eisacktaler: Daniele Maddaloni, Lino Tonon, Fabio Covre und Alessandro Andreetto – alle vier haben das Ziel erreicht und konnten die Medaillen entgegen nehmen.   Ca. 200 Athleten sind ausgeschieden.

Die 6 Tagesetappen dieser Ausgabe waren aufgeteilt: 36 – 31 – 36 – 92 – 42 – 12 Kilometer.

Lange Strecken zu laufen, wie es in Afrika seit Ewigkeiten zum Leben gehörte, ist auch im modernen Europa normal geworden. Aber für diese Nomaden der Moderne ist Dauerlauf nicht mehr Teil des Broterwerbs, sondern das Gegenteil davon - Inhalt der Freizeit, Ausdruck des Bedürfnisses in der digitalen Gesellschaft, sich lebendig zu fühlen und zugleich die Grenzen der Lebendigkeit immer weiter hinauszuschieben. Aber jedem, der sie liest, wird rasch klar, dass dieses Rennen nichts für Feierabendläufer ist.

Lust am Leiden ist nicht erst beim Laufen nötig, schon beim Studieren der Ratschläge derer, die es schon mal überstanden haben. Zum Beispiel der, die Schuhe besser zwei Nummern größer zu tragen - weil die Füße, oft mit blutigen Blasen, verformten Zehen, wunden Fußsohlen, in der brütenden Hitze anschwellen. Sandkörner, die in Augen und Schuhe dringen, werden zum Folterinstrument. Und dann die steilen Dünen und kargen Felsen und der zermürbende Anschein der Unendlichkeit der größten Wüste der Welt.

Selbst die Besten erliegen manchmal dieser Läufer-Fata-Morgana, „in dieser ewig langen Ebene, man sieht kein Ziel, irgendwann wird man mürbe“. Und verliert im schlimmsten Fall die Orientierung. Untertags Temperaturen von 38-51 Grad, in der Nacht bis zu 2-3 Grad – und windig.

Auch der Seriensieger, der sagt, „in der Wüste kenne ich mich aus“, hat sich einmal verlaufen. So wurden aus zwölf Kilometern bis zum Ziel 26, was die Einteilung der lebenswichtigen Wasserration gefährlich durcheinanderbrachte. Aber er fand das Ziel, anders als 1994 der Italiener Mauro Prosperi, der in einem Sandsturm die Orientierung verlor.

Er irrte umher, trank in einer Höhle das Blut von Fledermäusen, um nicht zu verdursten, verzweifelte dann, weil Suchflugzeuge ihn übersahen, und versuchte, sich das Leben zu nehmen - was misslang, weil sein Blut zu dick geworden war, um aus den zerschnittenen Pulsadern zu quellen. Zehn Tage später, um fünfzehn Kilo abgemagert, wurde Prosperi zweihundert Kilometer entfernt in Algerien gefunden. Er lief den „Marathon des Sables“ weitere sechs Mal.

Wasser ist, neben offenen Zelten fürs Nachtlager an den Etappenzielen, das Einzige, was die Läufer, von denen die meisten abwechselnd laufen und gehen, nicht selbst transportieren müssen. Sie erhalten pro Tag zwischen zehn und zwölf Liter, wovon man, wie Daniele Maddaloni weiß, keinen Tropfen zum Waschen verschwenden darf. Man benötigt es auch zum Zubereiten des Abendessens.

stol