Freitag, 23. März 2018

3 Tote bei Geiselnahme in Südfrankreich: IS-Terrorakt

Ein mutmaßlicher Terrorist hat bei Attacken und einer Geiselnahme in Südfrankreich drei Menschen getötet und weitere verletzt. Die Polizei erschoss den Täter, der sich am Freitag in einem Supermarkt in dem kleinen Ort Trebes östlich von Carcassonne verschanzt hatte.

Die Polizei erschoss den Täter, der sich am Freitag in einem Supermarkt in dem kleinen Ort Trebes östlich von Carcassonne verschanzt hatte.
Die Polizei erschoss den Täter, der sich am Freitag in einem Supermarkt in dem kleinen Ort Trebes östlich von Carcassonne verschanzt hatte. - Foto: © APA/AFP

„Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen Terroranschlag handelt“, sagte Präsident Emmanuel Macron vor Journalisten beim EU-Gipfel in Brüssel. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich. Auch der 26-jährige Angreifer selbst hatte sich auf den IS bezogen, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft von Carcassonne meldete.

Vor der Geiselnahme brachte der Täter nach Angaben von Innenminister Gerard Collomb ein Auto in seine Gewalt. Einer der Insassen sei getötet, der andere schwer verletzt worden. Dann sei er Bereitschaftspolizisten begegnet, die gerade vom Joggen zurück gekommen seien – und eröffnete das Feuer. Ein Beamter wurde an der Schulter verletzt. Danach sei der Angreifer nach Trebes gefahren, habe den Supermarkt betreten, sofort geschossen und zwei weitere Menschen getötet.

Collomb sagte, der Mann habe allein gehandelt. Es handle sich um Redouane Lakdim, der wegen Drogenbesitzes und -handels polizeibekannt war. „Wir haben ihn beobachtet. Wir dachten, dass es keine Radikalisierung gibt. Er ist plötzlich zur Tat geschritten, obwohl er schon überwacht wurde.“ Der Sender Franceinfo berichtete, dass der Mann in einer Datenbank mit Hinweisen zur Vorbeugung von Radikalisierung verzeichnet gewesen sei. Das wurde aber zunächst nicht offiziell bestätigt.

Spezialkräfte rückten an

Die Geiselnahme hatte gegen 11 Uhr begonnen. Die Polizei riegelte das Gelände ab, Spezialkräfte rückten an. Ein Polizist ließ sich freiwillig gegen eine Geisel austauschen – und wurde beim Zugriff schwer verletzt. Innenminister Collomb sprach von einer Heldentat. Der Beamte habe sein Telefon mit einer offenen Verbindung auf einem Tisch liegen lassen, sagte Collomb. So hätten die Einsatzkräfte hören können, was sich im Supermarkt abspielte. Als Schüsse fielen, seien sie eingeschritten.

Ob der Mann zuvor noch weitere Personen in seiner Gewalt hatte, blieb zunächst unklar. Eine Reihe von Menschen konnte nach Zeugenaussagen aus dem Supermarkt fliehen. Das Innenministerium hatte während der Geiselnahme auf Twitter dazu aufgerufen, den Bereich um den Supermarkt „Super U“ in dem 5.500-Einwohner-Ort zu meiden. Das Gebiet wurde abgeriegelt. Weil zunächst unklar war, ob der Mann allein handelte, mussten Schüler in Trebes und Carcassonne zunächst in ihren Schulen bleiben.

Soldat des Islamischen Staates

Der Angreifer sei ein „Soldat des Islamischen Staates“, meldete das IS-Sprachrohr Amaq. Er habe damit auf Aufrufe reagiert, die „Staaten der Koalition“ anzugreifen. Damit ist das internationale Bündnis gemeint, das unter US-Führung in Syrien und im Irak den IS bekämpft. Die Echtheit der Mitteilung ließ sich zunächst nicht bestätigen. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle der Terrormiliz verbreitet.

Der Geiselnehmer soll laut Medienberichten die Freilassung des Terrorverdächtigen Salah Abdeslam gefordert haben. Das meldeten die Sender BFMTV und France 2 ohne Angabe einer klaren Quelle. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Der französische Staatsbürger Abdeslam soll zu einer Zelle der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gehören, die die schweren Anschläge in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 verübte. Er sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft.

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge. Vor allem die schweren Attacken von Paris 2015 und Nizza 2016 hatten das Land schwer erschüttert. Zuletzt hatte im vergangenen Oktober ein Angreifer in Marseille zwei Frauen erstochen, auch hier hatte der IS die Tat für sich reklamiert. Die Behörden sprechen regelmäßig von einer weiterhin hohen Gefahr.

apa/dpa/afp

 

Einen Moment Bitte - das Video wird geladen

stol