Donnerstag, 09. Juni 2016

4 Tote bei Anschlag in Tel Aviv – 2 Attentäter gefasst

Zwei palästinensische Attentäter haben am Mittwochabend in einem belebten Freizeitpark im Zentrum Tel Avivs vier Israelis erschossen. Sechs weitere Besucher des ehemaligen deutschen Templerdorfs Sarona wurden bei dem Anschlag verletzt. Regierungschef Netanjahu will in einer Dringlichkeitssitzung über Israels Reaktion beraten.

Mitten in einem beliebten Stadtteil von Tel Aviv haben die beiden Täter wahllos um sich geschossen.
Mitten in einem beliebten Stadtteil von Tel Aviv haben die beiden Täter wahllos um sich geschossen. - Foto: © APA/AFP

Zunächst berichteten die Behörden von drei Tote, am späten Abend starb eine Frau im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen. Sicherheitskräfte fassten die Attentäter, einer davon wurde dabei verletzt.

Die Attentäter eröffneten nach Polizeiangaben am Abend im Sarona-Park plötzlich das Feuer und schossen wahllos auf Passanten und Cafébesucher. Diese hätten panisch die Flucht ergriffen.

Das ehemalige deutsche Templerdorf liegt direkt gegenüber von Israels Militärhauptquartier und Verteidigungsministerium. Es ist ein beliebtes Ausgehziel, das auch von vielen Touristen besucht wird.

Augenzeugen berichteten, die Attentäter seien elegant gekleidet gewesen, hätten weiße Hemden und schwarze Hosen getragen. Erste Angaben, die Männer hätten sich als ultra-orthodoxe Juden verkleidet, wurden dementiert. „Wir saßen in einem Straßencafé, wir feierten mit unserem Kind Geburtstag“, erzählte Augenzeugin Meital Sassi dem israelischen Fernsehen. „Ein Attentäter fing plötzlich neben uns an zu schießen. Wir rannten wie die Verrückten weg, er war erst hinter uns, dann bog er in eine Nebenstraße.“ Der Mann habe im Laufen immer weiter auf Menschen geschossen.

Ein Polizeisprecher teilte anschließend mit, beide Attentäter seien gefasst. Einer von ihnen sei verletzt und werde im Krankenhaus behandelt. Zu Jahresbeginn waren bei einem ähnlichen Anschlag in Tel Aviv drei Menschen getötet worden.

Ein Führer der im Gazastreifen herrschenden Hamas lobte den tödlichen Anschlag. „Ruhm und Glückwünsche den Einwohnern Hebrons“, schrieb Ismail Hanija bei Twitter. Nach dem Satz fügte er ein Siegeszeichen ein. Nach Polizeiangaben stammten die Attentäter aus einem Dorf bei Hebron im südlichen Westjordanland. Es handele sich um Cousins. Sie hätten sich ohne Genehmigung in Israel aufgehalten. Nach Medienberichten trugen sie auch Taschen mit Messern bei sich.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wollte am Donnerstag nach seiner Rückkehr aus Moskau eine Dringlichkeitssitzung seines Sicherheitskabinetts abhalten. Dabei sollte über das weitere Vorgehen nach dem Attentat entschieden werden. Es war der erste tödliche Anschlag in Israel seit der Ernennung des ultrarechten Avigdor Lieberman zum Verteidigungsminister.

Als mögliche Motivation für den neuen Anschlag in Tel Aviv wurde der Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan genannt.

dpa

stol