Montag, 18. April 2016

50. KFS-Landesversammlung in Nals

„Familie ist zunächst dort, wo Leben stattfindet, man einander hilft und miteinander auskommt“ betonte Landeshauptmann Arno Kompatscher anlässlich der 50. Landesversammlung des Katholischen Familienverbandes Südtirol (KFS) am 16. April im Haus der Vereine in Nals.

Strahlende Gesichter bei der Jubiläumsausgabe der KFS-Landesversammlung: Landesrätin Waltraud Deeg (von links), KFS-Präsidentin Angelika Mitterrutzner, Landeshauptmann Arno Kompatscher und Bezirksleiterin Gerlinde Haller.
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Strahlende Gesichter bei der Jubiläumsausgabe der KFS-Landesversammlung: Landesrätin Waltraud Deeg (von links), KFS-Präsidentin Angelika Mitterrutzner, Landeshauptmann Arno Kompatscher und Bezirksleiterin Gerlinde Haller.

Es habe sich beim Thema Familie sicher vieles verändert, gleich geblieben sei aber die Tatsache, dass Familie Unterstützung braucht. Politik könne Rahmenbedingungen mitschaffen, dies aber nur, wenn die Gesellschaft es auch zulasse, „und wir leben derzeit nicht in einer familienfreundlichen Gesellschaft“, bedauerte der Landeshauptmann. Schon alleine der Bau eines Kinderspielplatzes sei oft mit massiven Hürden verbunden, dass man meinen könne, es ginge um die Errichtung eines Atommeilers.

Neben dem Landeshauptmann konnte KFS-Präsidentin Angelika Mitterrutzner auch die Landesrätinnen Waltraud Deeg und Martha Stocker, den Landtagsabgeordneten Dieter Steger, die Kammerabgeordnete Renate Gebhard,den Vorsitzenden der Arbeitnehmer in der SVP Helmuth Renzler sowie den Generalvikar Hw. Josef Matzneller begrüßen. Auch Mitterrutzner betonte im Rückblick auf 50 Jahre Katholischer Familienverband, dass Familie mehr denn je starke Fürsprecher brauche.

„Für 72 Prozent der jungen Männer und 80 Prozent der jungen Frauen in Südtirol gehört die Familie unmittelbar zur Verwirklichung eines glücklichen Lebens“, zitierte die Präsidentin die ASTAT Jugendstudie. Trotzdem sinke die Geburtenrate weiter. „Wir müssen uns fragen, wie solche Diskrepanzen zustande kommen und wie wir als Verband gemeinsam mit Politik und Gesellschaft die Weichen dafür stellen können, dass jungen Menschen ihr Lebenstraum Familie ermöglicht werden kann.“ In Bezug auf die Angleichung der Tarife in der Kleinkindbetreuung betonte die Präsidentin in erster Linie die Qualitätssicherung: „Qualität darf und soll ihren Preis haben, Aufgabe der Politik ist es jedoch, dafür zu sorgen, dass sie für alle leistbar bleibt.“

„Wie Papst Franziskus in seinem apostolischen Schreiben Amoris laetitia - über die Liebe in der Familie betont, geht es darum, auf die Menschen und Familien zuzugehen und dabei jeden Fall für sich zu betrachten“, erklärte Generalvikar Joseph Matzneller in seinen Grußworten. Er forderte den KFS auf, weiter auf den Schutz der Familie und des Lebens zu pochen. „Bleibt weiterhin Lobbyisten für Familie, auch lästige Lobbyisten“, rief Kompatscher die Anwesenden auf.

Im Zentrum der Landesversammlung stand wie jedes Jahr ein themenrelevanter Vortrag. Was kann und soll Familie in unserer heutigen Gesellschaft leisten? Diese durchaus brisante Frage, versuchte die deutsche Soziologin und emeritierte Professorin an der Universität Göttingen, Ilona Ostner zu beantworten. Die, aus dem Vortrag ablesbaren wissenschaftlichen Prognosen lassen aufhorchen.

Familie als Ressource

Kinder und ihre Eltern würden demnach hauptsächlich als Kostenfaktoren und Ressourcen verstanden, „als Kosten, die verringert und als Ressourcen, die genutzt werden müssen“, erklärte die Vortragende. Angesprochen wurde ein zunehmendes Misstrauen gegenüber Vätern aber vor allem Müttern. kindzentrierten Wohlfahrtsstaates.

Familie als Bertreuungsinstanz für hilfsbedürftige Angehörige

Wenn nicht Erziehungsleistung, so werde von Familien heute vor allem die Betreuung  pflegebedürftiger Angehöriger erwartet. Ob sich Kinder jedoch um ihre hilfsbedürftigen Eltern kümmern, wenn sie hohe Steuern an den Wohlfahrtsstaat zahlen und die meiste Zeit ihrer Kindheit in Institutionen jenseits von Familie verbracht haben, bleibe zu bezweifeln, äußerte sich Ostner skeptisch.

Familie als 1:1 Betreuung

Ostner betonte, dass gerade bei der Betreuung von Kindern zu Hause das „Miteinbeziehen“ in den Alltag - z.B. wenn Kinder ihre Eltern bei Tätigkeiten in Haus oder Garten begleiten - und „Mitmachen“ sowie das „Mit-dem-Kind-Sprechen“ besonders wertvoll für die Entwicklung sei. Eine solche 1:1 Betreuung könne eben keine KiTa leisten. Nachdem sich auch Expertenmeinungen immer wieder widersprechen, rief die Vortragende die anwesenden Eltern vor allem zu Gelassenheit auf und dazu, sich nicht verunsichern zu lassen und auf ihr Wissen vom eigenen Kind zu vertrauen, denn: „kein Experte kennt Ihr Kind so gut wie Sie!“

Film: "Wir sind Familie - 50 jahre KFS"

Ein zweiter Höhepunkt anlässlich des Jubiläumsjahres war die Präsentation der neuen TV-Dokumentation "Wir sind Familie - 50 Jahre KFS", welche durch die Rai Südtirol möglich gemacht wurde und die Geschichte des Katholischen Familienverbandes sowie seine tragenden Säulen zeigt. Offiziell ausgestrahlt wird die Dokumentation voraussichtlich am 27. Mai, dem Gründungstag des Katholischen Familienverbandes, im Abendprogramm auf Rai Südtirol im Anschluss an die Tagesschau.

Zur Landesversammlung waren über 200 ehrenamtliche Mitglieder aus den 114 Zweigstellen des KFS aller Landesteile gekommen. Gastgeber war der Bezirk Burggrafenamt mit Bezirksleiterin Gerlinde Haller. Viele fleißige Helfer aus dem Bezirk und vor allem aus Nals kümmerten sich um die Verköstigung im Haus der Vereine.

Katholischer Familienverband Südtirol, Nals

stol