Donnerstag, 06. August 2015

70 Jahre Hiroshima: Hitler hätte die Bombe als erster haben können

Dem deutschen Chemiker Otto Hahn gelang im Dezember 1938 in seinem Labor im Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin etwas, das er ursprünglich gar nicht gewollt hatte.

Foto: © APA/EPA

Beim Versuch, mit Neutronen auf Uran zu schießen, entstand – statt wie von ihm erhofft – kein schweres „Transuran“, sondern Barium – nur halb so schwer wie Uran. Damit hatte Hahn als erster einen Atomkern gespalten.

Das ihm seltsam erscheinende Ergebnis seines Experiments teilte er seiner vor den Nationalsozialisten nach Schweden geflohenen Forscherkollegin, der österreichischen Physikerin Lise Meitner, in einem Brief mit.

Diese erkannte sofort die Brisanz von Hahns Entdeckung. Die Spaltung von Atomkernen setzt ungeheure Energien frei. Sollten die Nazis diese Kraft beherrschen, hätten sie eine Vernichtungswaffe in der Hand, mit der sie die ganze Welt bezwingen könnten.

Einstein informiert US-Präsidenten

Als die Nachricht von Hahns Kernspaltungs-Experiment die Exil-Wissenschaftergemeinde in den USA erreichte, schrillten dort die Alarmglocken. Albert Einstein informierte im August 1939 US-Präsident Franklin D. Roosevelt in einem Brief über die Möglichkeit, Uran als mögliche Energiequelle sowie für den Bau neuartiger Waffen zu verwenden.

Diesen Brief sollte Einstein später als „Fehler“ bezeichnen. Die US-Regierung hatte nämlich umgehend beschlossen, selbst mit Hochdruck an einer Atombombe zu arbeiten.

Nazis ermordeten kluge Köpfe

Dass dagegen die Nazis nicht in den Besitz dieser Waffe gelangten, lag unter anderem an der Tatsache, dass sie zahlreiche der besten deutschen Wissenschafter – von denen viele Juden waren – umgebracht oder ins Exil getrieben hatten.

Außerdem hegten die braunen „Herrenmenschen“ eine tiefe Abneigung gegen die „krankhaften Fantastereien“ des Juden Einstein. Relativitätstheorie, Raum-Zeit-Krümmung, Umwandlung von Materie und Energie – dafür hatten Hitler und Co. kein Verständnis.

Hätten die deutschen Waffenkonstrukteure Einsteins Formel „E=mc2“ für ihre praktische Arbeit zur Anwendung gebracht, hätten sie deren unermessliches Potenzial für die Kriegsführung erschließen können.

Hahn bekam übrigens für die Entdeckung der Kernspaltung 1944 den Chemie-Nobelpreis. Seine österreichische Kollegin Meitner, die seine Messungen korrekt interpretiert und erst so verständlich gemacht hatte, ging dagegen leer aus.

apa

stol