Dienstag, 14. April 2015

70 Jahre Kriegsende – Italien feiert „Tag der Befreiung“ groß

Italien gedenkt des Endes des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren mit einer Reihe von Demonstrationen, Veranstaltungen und Gedenkfeiern.

Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Foto: Getty Image
Vor 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Foto: Getty Image

In Italien endete der Krieg offiziell bereits am 25. April 1945, als die faschistische Rumpfrepublik, die Benito Mussolini im Schutz der Nazi-Besatzung errichtet hatte, ein Ende nahm. Große Feierlichkeiten sind zum „Tag der Befreiung“ heuer in ganz Italien geplant.

„Jeder stirbt, wie es seinem Charakter entspricht“

Am selben Tag wird der Kapitulation der Deutschen und des Sieges der Alliierten gedacht, die mithilfe der Partisanen Nord- und Mittelitalien befreiten. Drei Tage danach wurden der Diktator Benito Mussolini und seine Geliebte Claretta Petacci auf der Flucht in die Schweiz von Partisanen festgenommen und erschossen. Anschließend wurden die Leichen, an den Füßen aufgehängt, auf einem Platz in Mailand öffentlich zur Schau gestellt. „Jeder stirbt, wie es seinem Charakter entspricht“, hatte Mussolini auf dem Höhepunkt seiner Macht einmal gesagt.

Bis 1943 hielt der Duce trotz Misserfolgen und bitterer Niederlagen wie in Äthiopien, Albanien, Griechenland und Nordafrika das Zepter fest in der Hand. Als der Krieg verloren war, wurde er vom Führungsgremium seiner Partei, dem Faschistischen Großrat, entmachtet und festgenommen. Zwar wurde er zunächst noch einmal von den Deutschen aus der Festung Gran Sasso in den Abruzzen befreit und als Führer des Marionettenregimes der „Italienischen Sozialrepublik“ (Republik von Salo) eingesetzt, aber sein Schicksal war besiegelt: Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit den Partisanen musste Mussolini aus Italien fliehen.

Mit einer Wehrmachtsuniform getarnt, versteckte er sich auf einem deutschen Lastwagen, der ihn über die Schweiz nach Deutschland bringen sollte. Am Comer See wurde er jedoch von Partisanen erkannt, gefangen genommen und einen Tag später, am 28. April 1945, ohne Gerichtsverfahren zusammen mit Claretta Petacci erschossen.

Große Feiern am 25. April

Große Gedenkfeiern sind vor allem in Mailand zum „Tag der Befreiung“ am 25. April geplant.

In der lombardischen Hauptstadt werden Zehntausende durch die Straßen der Innenstadt ziehen. Kundgebungen sind unter anderem in den Ortschaften vorgesehen, in denen die deutschen Nazi-Truppen vor der Kapitulation ihre blutigsten Massaker verübt hatten, wie im toskanischen Sant ´Anna di Stazzema. Hier wurde am 12. August 1944 eines der grausamsten Gemetzel der deutschen Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg begangen. Angehörige der 16. SS-Panzergrenadierdivision brachten dort 560 Menschen um, darunter viele Frauen, Kinder und alte Menschen.

„Museum der Befreiung“ in Rom 

Eine zentrale Rolle bei den Gedenkfeiern zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Italien spielt auch Roms „Museum der Befreiung“ in der Via Tasso.

In dessen Räumlichkeiten befand sich während der deutschen Besatzung die Zentrale des deutschen Terrorapparats. Im Haus wurde ein Gefängnis eingerichtet, in dem politische Gegner und Juden gefangen gehalten und gefoltert wurden. Das Haus in der Via Tasso war einer der berüchtigtsten Orte des Terrors. Dort residierte der Kommandant der Sicherheitspolizei, SS-Obersturmbannführer Herbert Kappler. In den Gefängniszellen der Via Tasso waren zwischen dem 11. September 1943 und dem 4. Juni 1944 rund 2.000 Menschen inhaftiert.

Die meisten waren Juden und politische Gefangene, aber auch Zivilisten, von denen sich die Sicherheitspolizei Informationen über den Aufenthalt von Widerstandskämpfern oder Juden erhoffte. Seit 1957 befindet sich in dem Gebäude das „Historische Museum der Befreiung“. Im Erdgeschoß des Museums sind die Bibliothek und das Archiv untergebracht, in den weiteren Etagen wird in den früher fensterlosen Gefängniszellen mit vielen Originaldokumenten an den Widerstand, die Kämpfe um Rom, einzelne Häftlinge der Via Tasso und das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen erinnert. Daneben gibt es eine Ausstellung zur Geschichte der römischen Juden zwischen 1938 und 1944 und des Antisemitismus in Italien.

Mussolinis Keller zugänglich

Die Kulturbehörde in Rom hat zuletzt auch den Bunker Mussolinis der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Bunker war ursprünglich ein Weinkeller unter einer römischen Villa, der Villa Torlonia, die der Diktator von einer Adelsfamilie zur Verfügung gestellt bekam, um dort seine Residenz zu beziehen.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, in dem Italien an der Seite des Deutschen Reichs kämpfte, ließ Mussolini den Keller 1940 zum bombensicheren Rückzugsort umbauen, um sich mit seiner Familie dorthin zurückziehen zu können. Zu sehen sind unter anderem meterdicke Wände und luftdicht schließende Türen, die wegen etwaiger Gasangriffe installiert worden waren. Für diesen Fall wurde in den 1940er-Jahren auch eine Maschine in den Kellerräumen aufgestellt, die angeblich vergiftete Luft reinigen konnte. Auch sie ist im Bunker zu besichtigen.

apa

stol