Dienstag, 23. Juni 2015

70 Jahre UNO – Erfolge und Versagen

Bis heute wird über den Sinn der UN heftig diskutiert. Zwei Historiker bewerten die Verdienste und das Versagen der Vereinten Nationen.

Die Vereinten Nationen werden 70.
Die Vereinten Nationen werden 70. - Foto: © shutterstock

Die Vereinten Nationen werden 70 und sie gehören zu den bekanntesten Organisationen der Welt. 

VERDIENSTE:

1. Die Weltgesundheitsorganisation WHO
„Als sich der Sicherheitsrat während des Kalten Krieges auf überhaupt nichts einigen konnte, wurde der Rest der Vereinten Nationen zu einer starken und gut strukturierten Organisation“, sagt Alan Henrikson, Professor für Diplomatiegeschichte von der Tufts University bei Boston.

„Zum Beispiel wurde eine große Gesundheitsorganisation geschaffen. Heute hat die WHO zentrale Bedeutung.“

2. Zusammen für Bildung, Forschung und Kultur: UNESCO
Viele UN-Organisationen seien gerade deshalb erfolgreich, weil sie nicht von Einzelstaaten geführt würden, sagt Paul Kennedy, Geschichtsprofessor an der Universität Yale. Ein Beispiel sei die UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO).

3. Die Millenniumsziele
„Die UN-Charta ist eine Kombination aus Idealismus und Realismus“, erklärt Henrikson. Zu ihren Verdiensten gehörten die gemeinsamen Entwicklungsziele mit der Verpflichtung der Mitgliedsstaaten, die Armut in der Welt zu halbieren, und die Anerkennung des Klimawandels als „fundamentales existenzielles Problem“.

VERSAGEN:

1. Völkermord in Ruanda
Bis zu eine Million Menschen sollen Mitte der 1990er Jahre in Ruanda beim Völkermord an den Tutsi gestorben sein. Für Paul Kennedy stellt diese Tragödie auch ein Versagen der UN dar. „Wenn 400 stark bewaffnete französische Soldaten früh in das Land gegangen wären, hätte der Völkermord gestoppt werden können“, sagt er. Aber der Sicherheitsrat sei nicht bereit gewesen einzugreifen.

2. Zweiter Irakkrieg
Auch wenn es für den US-Einmarsch in den Irak im Jahr 2003 kein UN-Mandat gab, empfindet Alan Henrikson diesen Konflikt als „Versagen mit Beteiligung der Vereinten Nationen“.

US-Präsident George W. Bush hätte möglicherweise den Kurs geändert, wenn die UN-Inspektoren weiter im Land nach Massenvernichtungswaffen gesucht hätten.

3. Kambodscha
„Katastrophen passieren, weil wichtige Männer in wichtigen Regierungen nicht die Notwendigkeit zu Handeln sehen oder sich dagegen entscheiden“, sagt Paul Kennedy. Bei den Konflikten in Kambodscha in den 1980er und 1990er Jahren liege die Schuld nicht allein bei der UN: „Hier haben die Regierungen der Großmächte versagt.“

dpa

stol