Donnerstag, 19. August 2021

76 Jahre nach Weltkrieg: 97-jähriger US-Veteran besucht Italien

76 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs besucht ein ehemaliger US-Soldat, der in Italien 1944 gegen die nationalsozialistischen Truppen gekämpft hatte, wieder Italien. Er wird dabei 3 Kinder von damals treffen, die er während seiner Zeit in dem Mittelmeerland fotografiert hatte. Die Ankunft des Veteranen ist für Montag geplant.

Dieses Bild hat Ex-Soldat Martin Adler bei seinem Einsatz vor 76 Jahren geschossen.
Dieses Bild hat Ex-Soldat Martin Adler bei seinem Einsatz vor 76 Jahren geschossen. - Foto: © ansa
Der Ex-Soldat Martin Adler ist in Italien im vergangenen Dezember berühmt geworden, als er 3 Geschwister wiedergefunden hatte, die er in einem Haus am Apennin in Norditalien aufgenommen hatte. Adler hatte im Internet ein Bild gepostet, auf dem er lächelnd mit den 3 Kindern zu sehen ist. Nach einiger Suche in Italien konnte er die 3 Geschwister Bruno, Mafalda und Giuliana Naldi per Videokonferenz kennenlernen.

Die 3 sind 83, 81 und 79 Jahre alt und leben nahe Bologna. Adler und seine Frau Elaine werden kommenden Montag (23. August) von Miami über London in Bologna eintreffen und den 3 Geschwistern begegnen.

„Reise des Friedens, der Freundschaft und der Solidarität“

„Dieses Mal nehme ich meinen Rucksack, nicht um in den Krieg zu ziehen, sondern um eine Reise des Friedens, der Freundschaft und der Solidarität zu unternehmen“, so Adler auf Facebook. Die Geschichte des Ex-Soldaten wird in dem Buch „I bambini del soldato Martin“ („Die Kinder des Soldaten Martin“) des italienischen Journalisten Matteo Incerti erzählt. Das am 17. Juni erschienene Buch enthält circa 100 Fotos, die Adler während seiner Zeit in Italien geschossen hatte.

Der in New York geborene Adler, der aus einer ungarischen Familie stammt, zog als 20-Jähriger mit der 85th Infantry Division Custermen nach Italien, wo er in den Jahren 1944 und 1945 kämpfte. „Ich und ein anderer Soldat drangen in ein Haus am Apennin auf der Suche nach deutschen Soldaten ein und hörten Geräusche aus einem Korb kommen. Wir wollten schon schießen, doch plötzlich tauchte eine Frau auf, die laut 'Bambini, Bambini' schrie. In dem Korb waren 3 entzückende Kinder versteckt, ein Bub und 2 Mädchen. Zum Glück haben wir nicht geschossen. Ich hätte mir das nie verziehen“, sagte Adler.

Der US-Soldat bat die Mutter, die Kinder fotografieren zu dürfen. „Die Frau gab mir zu verstehen, dass die Kinder auf so etwas nicht vorbereitet waren. In wenigen Minuten wurden ihnen ihre besten Kleider angezogen und wir durften sie fotografieren. Dieses Ereignis war ein Lichtblick im Kriegsinferno“, erzählte Adler.

Im November 1944 wurde Adler verletzt und in Neapel ins Spital eingeliefert. Im März 1945 beteiligte er sich dann an der Befreiung Italiens von der NS-Besatzung und kehrte in seine Heimat zurück. Sein Wunsch war es bis heute, wieder nach Italien zu kommen. Dieser Traum geht jetzt dank der Unterstützung des italienischen Journalisten Incerti, der mit Adler das Buch veröffentlicht hat, in Erfüllung. Incerti startete auf Facebook eine Spendensammlung, um die Reise Adlers nach Italien zu ermöglichen, die wegen des angeschlagenen Gesundheitszustands des Veteranen kostspielig ist.

Nach seiner Ankunft am Montag werden Adler und seine Frau 2 Wochen in Italien verbringen. Nach dem Treffen mit den 3 „Kindern“ in Bologna sind Etappen in der Toskana und in Neapel geplant, wo Adler Personen treffen wird, denen er in Italien begegnet ist. In Rom werden Adler und seine Frau von der römischen Bürgermeisterin Virginia Raggi empfangen.

apa