Er ist eine Legende auf 2 Brettern, einer der sich für alle Zeiten in die Annalen des internationalen Wintersports eingetragen hat: Franz Klammer. Am Kärntner müssen sich heute – fast 40 Jahre nach seinem Karriere-Ende – noch Paris, Kilde & Co. messen. <BR /><BR />„Dieser Erfolg hat mein Leben total verändert“, sagte der Kärntner Jahrzehnte später im Gespräch mit der APA. „Ich habe geglaubt, ich fahre da runter, gewinne und das war's. Dass das so nachhaltig ist, so intensiv, das hätte ich mir nie träumen lassen. Dieser Erfolg war der Grundstein, er hat mir viele Möglichkeiten eröffnet.“ <BR /><BR />Franz Klammers Karriere beschränkte sich freilich nicht auf diesen grandiosen Erfolg alleine, wenngleich er ansonsten bei Großereignissen mit Ausnahme der 1974 errungenen WM-Goldmedaille in der Kombination und Abfahrtssilber leer ausging. Denn mit 25 Weltcup-Abfahrtssiegen ist Klammer in dieser Alpin-Disziplin bei den Herren klar die Nummer 1 und er wird es noch lange bleiben. Der Ultner Dominik Paris (34) hält als erfolgreichster aktiver Fahrer bei 17 ersten Plätzen, der Norweger Aleksander Aamodt Kilde (31) bei 12.<h3> Der Schumacher des Wintersports?</h3>Klammer zweifelt nicht daran, dass sein Bestwert früher oder später fällt. „Jetzt haben sie 13 Weltcup-Rennen im Jahr, wir hatten 8 oder 9. Wenn du so drauf bist wie ein Kilde oder ein Odermatt – der wird auch in der Abfahrt sicher ein Seriensieger werden – ist das nur eine Frage der Zeit. Die fahren auch alle länger als wir damals. Man hat auch geglaubt, dass der Schumacher-Rekord in der Formel 1 einer für die Ewigkeit ist.“ War er nicht, wie Lewis Hamilton (38) bewies.<BR /><BR /> Franz Klammer, am 3. Dezember 1953 als Bergbauernbub in Mooswald geboren, kam nach Erfolgen in lokalen Rennen in den ÖSV-C-Kader. Einen „Schub“ erhielt seine Laufbahn 1971 durch den Sieg in der Europacup-Abfahrt in Bad Kleinkirchheim. Trainer „Charly“ Kahr (91) holte ihn ins Weltcup-Abfahrtsteam, und der 19-Jährige nützte die Chance. Wenige Tage vor Weihnachten 1972 gewann er in Schladming sein erstes Weltcuprennen – es war der Start zu einer unheimlichen Serie.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="971080_image" /></div> <BR /> Immer risikobereit fahrend und scheinbar oft in Sturzgefahr zog Klammer die Massen in seinen Bann, wurde als Seriensieger (1974/75 gewann er 8 von 9 Abfahrtsrennen und verpasste den Gesamt-Weltcup nur knapp) zum österreichischen Sporthelden. In Wengen setzte er sich 1975 mit dem Rekordvorsprung von 3,54 Sekunden vor dem Sterzinger Herbert Plank (69) durch.<BR /><BR /> Gold bei den Winterspielen in der Heimat wurde förmlich gefordert vom Triumphator von Kitzbühel, der Druck war immens. Aber unmittelbar vor dem Bewerb vom Patscherkofel am 5. Februar 1976 erlebte er doch eine Hochschaubahn der Gefühle. „Vor dem Rennen habe ich mir gesagt, entweder es haut mich raus oder ich gewinne“, erinnert sich Klammer. Angesichts der klaren Bestzeit Bernhard Russis (75) habe er sich gedacht, ,das geht sich nie aus‘, um dann den Kämpfer hervorzukehren. „Beim Wegfahren habe ich gewusst, ich gewinne“, betonte Klammer später. Er holte im Schlussteil den Rückstand auf und gewann mit 0,33 Sekunden Vorsprung. „Ohne Patscherkofel wäre ich nicht die Person, die ich heute bin“, gab Klammer zu.<h3> Höhen und Tiefen eines Superstars</h3> Natürlich erlebte Österreichs dreifacher Sportler des Jahres auch Rückschläge, im sportlichen und privaten Bereich. Der Sturz seines 17-jährigen Bruders Klaus bei einem Rennen in Lienz hatte eine Querschnittlähmung zur Folge. Nach seiner Karriere gründete der „Abfahrts-Kaiser“ die „Franz Klammer Foundation“, die Unfallopfer des Sports, aber auch sozial benachteiligte Jugendliche finanziell unterstützt. „Mein Bruder meistert sein Leben bestens, er ist Steuerberater“, erzählte Klammer. „Diese Menschen sind die wahren Vorbilder.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-62408507_gallery" /><BR /><BR /> Klammer selbst fand als Rennläufer nach fast 4 sieglosen Jahren im Dezember 1981 in Val d'Isere in die Erfolgsspur zurück. Jeweils eine Saison später ließ Klammer in Gröden bzw. Kitzbühel die Siege Nummer 24 und 25 folgen, es war sein vierter Erfolg auf der Streif.<BR /><BR /> Klammers letzter Schwung im Weltcup ist fast 39 Jahre her, es war im März 1985 in Aspen. Der Rennanzug vom Olympiasieg passt ihm schon länger nicht mehr. „Die Proportionen haben sich verschoben, aber das Gewicht ist gleich geblieben.“ Er sei gesund und mache das, was ihm Spaß bereite, betonte der seit Jahrzehnten in Wien wohnende Kärntner. „Ich wohne in Wien, aber daham bin ich in Kärnten.“ Seit 1979 ist er mit Eva verheiratet, die beiden haben 2 Töchter.<h3> „Riesengaude“ zum Geburtstag</h3>Ein drittes Enkerl ist mittlerweile hinzugekommen. „Da bin ich wieder Skilehrer.“ Auch aufgrund seiner Tätigkeit als Head-Botschafter. Skifahren, Golfen, Radfahren – Klammer ist weiter sportlich aktiv. „Die Fitness ist ganz okay.“ Dem Feier-Marathon steht nichts im Wege. „Das wird eine Riesengaude.“ Ein Problem aber gebe es: „Die Erholungsphasen dauern deutlich länger als früher.“<h3> Mit Thöni, Russi und Co auf der Piste</h3>Seinen 70. Geburtstag zelebriert der Abfahrtskaiser standesgemäß. Wie schon beim 40er, 50er und 60er lädt Franz Klammer Weggefährten und Pisten-Prominenz zu einem Legenden-Rennen in Bad Kleinkirchheim. „Alle 10 Jahre ist ein guter Abstand und Anlass, dass man größer feiert“, befindet Klammer. Wie populär der Jubilar noch immer ist, kann man am 7. Dezember (11.10 Uhr/ORF 1) sehen und erleben. <BR /><BR />Zahlreiche Granden, darunter Annemarie Moser-Pröll (70), Markus Wasmeier (60), Bernhard Russi, Gustav Thöni (72), Werner Grissmann (71) und viele mehr geben ihr Stelldichein. Die Wertschätzung freue ihn ungemein, sagte Klammer der APA. „Dass so viele auch Jahre später noch immer kommen, ist besonders schön. Es sind viele Freundschaften übriggeblieben.“<BR />