Jede Erzählung folgt, indem sie etwas nach Strich und Faden ordnet und eine Handlung in die Logik nach Raum und Zeit spannt, auch der Frage nach dem Anfang und nach dem Ende. So erzählen jede Kunst und jede Literatur auch von ihrem eigenen Anfang und ihrem eigenen Ende, sie setzen den abermaligen Anfang durch wieder kehrende Erinnerung und üben, indem sie Möglichkeiten vorwegnehmen, beständig auch ein endgültiges Ende. Die Veranstaltung fand im Eurocenter der Industriezone Lana statt, die – wie jeder dörfliche oder städtische Vorort – eine hybride Randzone der Ort beschreibt und auf eine eigenartige Weise eine uniforme und unsensible Ästhetik vertreten, wo die Kultur noch selten hin gelangt. Beeindruckend zeigte die Videoarbeit „pomeriggio“ von Judith Albert nichts anderes als ein Wehen eines Tuches im Licht, ein vom Luftzug geblähtes Tuch in der Fensterrahmung. Was dabei erzählt ist, reduziert sich auf eine geringste Bewegung, auf ein Minimum an Geschehen des Wehens. Doch in der Weise, wie darin das Verbleiben von Zeit oder das Verlassen von Raum thematisiert ist, öffnet erst die Handlung und entlässt sie in den Weglauf durch den Betrachter.In der Form apodiktischer Thesen und damit nicht unprovokant präsentierte der Literaturwissenschaftler und Philosoph Thesen über die Philologie als Wissenschaft der Liebe zum Wort und zur Sprache. Durchaus selbstironisch und gewitzt, dann wieder verschlungen und in permanenter Selbstbeobachtung, im perpetuierenden Setzen und Zurücknehmen von Aussagen führte er die notwenige Selbstvergessenheit der Philologie vor.Eine mediale Grenzüberschreitung exerzierten auch die Dichter Anja Utler und Ferencz Szijj. Während Anja Utler eine polyphone Vernetzung der eigener Stimme erprobte und die Lesung durch eine zusätzliche Tonspur verdoppelte, überlappte sie Textebenen und stellte so Satzfragmente, Zitatspuren, Störgeräusche und Wortpartikel zur Schau. Ferencz Szijj dagegen projizierte auf eine kleine, wackelige Kartonfläche eine Serie von 180 Fotos, die den Blick auf Hinterhöfe und Vorstadtkulisse Budapests zu unterschiedlichen Zeitmomenten freigeben und in der Folge auf die feine, in Andeutungen und leichter Ironie sprechenden Prosaskizzen des ungarischen Autors antworten. Farhad Showghi, der iranisch-deutsche Dichter, las neueste Gedichte, die ihren Ausgangspunkt stets in situativen, minimal szenischen Momenten haben, dann aber in eine leichtfüßige Assoziation oder in eine verzweigende Reflexion abheben und an einen Punkt wieder zurückkehren, der vorerst wie beiläufig gesetzt war. Den Abschluss der Veranstaltung bildete die avancierte choreografische Arbeit von Paul Wenninger und dem Kabinett ad Co. „47 Items – Ingeborg und Armin“. Was erzählt wird, ist zum einen ein Text von Michael Donhauser, der den Mythos von einem alten Paar, das zwei Götter vorbehaltlos Gastfreundschaft gewährt, in die Welt der Imbissbude mit Gartenwirtschaft überträgt. Er erzählt von dem Wunsch, der den beiden Alten freigegeben wird, von einem Anbau sowie einem Dahlienbeet, von einem Gehilfen und dem Erinnern, das seinen Anlass über die Jahre vergisst. Was Paul Wenniger mit der choreografischen Inszenierung experimentell und mit viel Witz gelingt, ist eine szenische Handlung, die rein über das Körperliche in Raum und Zeit sich vollzieht und Produkte aus dem Supermarkt als Agitatoren mit einsetzt. Die Waren unserer Alltagskultur bauen dabei eine szenische Referenz mit auf und sind gleichzeitig Baustoff für den Raum. Der Text wird also nicht als Wortsprache realisiert, sondern durch das Zusammenwirken von Objekten in einen raumzeitlichen Ablauf übersetzt. Die Handlung tritt dabei als Erzählung und erzählbarer Sinn mal mehr, mal weniger hervor, mitunter verliert sie sich und schiebt dann umso mehr die Abstraktion von Klang und Komposition in den Vordergrund oder auch nur eine Imagination und Vorstellung oder die Handlung der Bewegung von Körpern in Raum und Zeit.