Montag, 19. Oktober 2015

Adoptionsrecht für Homosexuelle scheidet Koalition in Rom

Pläne von Premier Matteo Renzi, erstmals ein Gesetz zur Legalisierung eheähnlicher Lebenspartnerschaften einzuführen, sorgt für politische Turbulenzen in Rom. Vor allem das im Gesetzentwurf enthaltene Adoptionsrecht für Homosexuelle steht in der Kritik.

NCD-Chef Angelino Alfano  und Reformenministerin Maria Elena Boschi (PD) sind nicht auf einer Linie.
NCD-Chef Angelino Alfano und Reformenministerin Maria Elena Boschi (PD) sind nicht auf einer Linie.

Italien ist das einzige große EU-Land, das kein Gesetz zur Regelung von Lebenspartnerschaften hat. Die Einführung eines derartigen Gesetzes ist ein Schwerpunkt in Renzis Programm.

„Das Gesetz über die Lebenspartnerschaften muss verabschiedet werden, für die PD-Partei ist das ein unverzichtbares Thema. Wenn uns der NCD nicht unterstützt, werden wir Verbündete bei anderen politischen Kräften suchen“, betonte Reformenministerin Maria Elena Boschi.

Die Worte der Ministerin lösten heftige Kritik vom NCD-Chef, Innenminister Angelino Alfano aus, der die zweitstärkste Regierungspartei führt. „Auch wir sind zu jeder möglichen Allianz im Parlament bereit, um das Gesetz zu stoppen“, so Alfano.

Die Allianz aus Demokratischer Partei (PD) und dem konservativen Regierungspartner NCD droht wegen Streits über das Gesetz in die Brüche zu gehen.

„Stepchild-Adoption" gibt Homosexuellen das Recht, das leibliche Kind des Partners zu adoptieren

Die rechtskonservative NCD-Partei wehrt sich vor allem gegen die sogenannte „Stepchild-Adoption“, die Homosexuellen das Recht gewähren soll, das leibliche Kind des Partners zu adoptieren.

Alfano betrachtet diesen Passus des von PD eingereichten Gesetzentwurfs als Attacke gegen die traditionelle Familie und drängt auf dessen Streichung. Die Verfasserin des Gesetzentwurfs Monica Cirinna bleibt dagegen hart. „Die Stepchild-Adoption bleibt, wir werden die Stimmen suchen, damit sie durchgesetzt werden kann“, kommentierte Cirinna.

Massendemos angekündigt

Gegen die Gesetzesinitiative der Regierung zur rechtlichen Anerkennung der Lebenspartnerschaften antworten katholische Verbände mit einem neuen „Family Day“. Der Präsident des Förderungskomitees des „Familientags“, Massimo Gandolfini, plant erneut eine Massendemo zugunsten der auf Mann und Frau gegründeten Ehe in Rom wie bereits im vergangenen Juni. Hunderttausende waren damals auf die Straße gegangen, um für die traditionelle Familie zu demonstrieren.

stol/apa

stol