Donnerstag, 07. September 2017

Ärzte ohne Grenzen: EU hat „Teufelskreis“ für Migranten erzeugt

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat den EU-Staats- und Regierungschefs vorgeworfen, einen „Teufelskreis“ für Flüchtlinge und Migranten geschaffen zu haben.

Foto: © APA/AFP

„Geblendet vom alleinigen Ziel, Menschen von Europa fernzuhalten, geben die Staats- und Regierungschefs der EU Gelder, um Flüchtlingsboote am Auslaufen aus libyschen Gewässern zu hindern. Diese Politik mästet ein kriminelles System schwerer Misshandlung von Menschen“, heißt es in einem offenen Brief, den die Organisation am Donnerstag in Brüssel vorstellen wollte.

Ärzte ohne Grenzen berichtet immer wieder von den Zuständen in Gefangenenlagern für Migranten in Libyen, von wo aus sich die meisten Menschen aus Afrika nach Europa begeben. Männer, Frauen und Kinder würden dort systematisch willkürlich interniert, erpresst und körperlich misshandelt. Außerdem fehle es an jeglicher Grundversorgung.

„Will die EU Folter für sinkende Ankunftszahlen akzeptieren?“

„Sind die europäischen Regierungen tatsächlich bereit, Vergewaltigungen, Folter und Versklavung durch Kriminelle als Preis für sinkende Ankunftszahlen von Flüchtlingen in Europa zu akzeptieren?“, fragt die Organisation in dem Brief.

Libyen sei nur das extremste Beispiel einer Flüchtlingspolitik, die zum Ziel habe, „Menschen außer Sichtweite Europas zu halten“.

In Italien kommen seit einigen Wochen deutlich weniger Menschen an, seitdem die libysche Küstenwache verstärkt ihre Hoheitsgewässer kontrolliert und Migranten zurück an Land bringt. Dass die EU und insbesondere die italienische Marine die Küstenwache des Landes, in dem aufgrund des jahrelangen Bürgerkrieges staatliche Strukturen fehlen, unterstützt, wird immer wieder von Menschenrechts- und Hilfsorganisationen kritisiert.

dpa

stol