Sonntag, 04. Oktober 2015

Ärzte ohne Grenzen ziehen sich aus Kundus zurück

Nach dem mutmaßlichen US-Luftangriff auf ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen im nordafghanischen Kundus zieht sich die Hilfsorganisation vorerst aus der Stadt zurück. Gleichzeitig forderte die Verantwortlichen die Aufklärung des Vorfalls.

In den wenigen noch bestehenden Teilen des Krankenhauses in Kundus wurden nach dem Angriff noch Notfälle behandelt.
In den wenigen noch bestehenden Teilen des Krankenhauses in Kundus wurden nach dem Angriff noch Notfälle behandelt. - Foto: © APA/EPA

Die Klinik in Kundus sei "nicht mehr nutzbar", sagte eine Sprecherin am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Die Organisation sei nicht mehr dort tätig, dringend behandlungsbedürftige Patienten seien in andere Kliniken gebracht worden. "Ich kann derzeit nicht sagen, ob das Traumazentrum wiedereröffnet wird oder nicht", sagte die Sprecherin.

Bei dem Bombardement waren am frühen Samstag mindestens zwölf Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und sieben Patienten getötet worden, darunter drei Kinder. Weitere 37 Menschen wurden schwer verletzt, darunter 19 Mitarbeiter.

Die NATO erklärte, möglicherweise sei die Klinik bei einem Luftangriff der Militärallianz getroffen worden. In einer Erklärung war von einem möglichen „Kollateralschaden“ die Rede. Die USA bestätigten Luftangriffe nahe der Klinik und sagten die von der Organisation Ärzte ohne Grenzen geforderte Aufklärung zu.

Ärzte ohne Grenzen verurteilte den Vorfall derweil aufs Schärfste: „Diese Attacke ist eine abscheuliche und schwere Verletzung internationalen humanitären Rechts“, sagte MSF-Präsident Meinie Nicolai.

Obama: Tragischer Zwischenfall

US-Präsident Barack Obama sprach den Opfern und ihren Angehörigen "im Namen des amerikanischen Volkes" sein Beileid aus.

Gleichzeitig versicherte er, dass sich das Verteidigungsministerium in Washington bereits des Vorfalls angenommen und Untersuchungen aufgenommen habe. Erst wenn deren Ergebnisse vorlägen, könnten die Umstände der "Tragödie" beurteilt werden, betonte Obama. 

apa/afp/stol

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