Montag, 20. Juni 2016

Äthiopien: Der Hunger ist zurück

Mehr als zehn Millionen Menschen brauchen dringend Nahrungsmittelhilfe. Noch ist genügend Zeit, eine volle Hungersnot abzuwenden. Doch den Helfern fehlen die Mittel.

In Äthiopien hungern die Menschen wieder. Es herrscht Dürre.
In Äthiopien hungern die Menschen wieder. Es herrscht Dürre. - Foto: © APA/EPA

Wegen der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten brauchen über zehn Millionen Äthiopier Hilfsorganisationen zufolge dringend mehr Hilfe.

„Äthiopien gehört momentan zu den vergessenen Katastrophen unserer Zeit“, sagte die Geschäftsführerin der Hilfsorganisation Plan Deutschland, Maike Röttger, im Juni während eines Besuchs in dem ostafrikanischen Land.

Immer wieder Dürreperioden

Zunächst müsse eine Hungersnot verhindert werden, forderte Röttger. Dann brauche Äthiopien langfristige Unterstützung, um sich wegen des Klimawandels besser auf extreme Wetterbedingungen wie wiederholte Dürreperioden vorzubereiten. „Die Menschen brauchen Hilfe, um widerstandsfähiger zu werden“, sagte Röttger der Deutschen Presse-Agentur.

Auf internationale Hilfe angewiesen

Den Vereinten Nationen zufolge werden dieses Jahr etwa 2,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren mangelernährt sein, 450 000 äthiopische Kinder brauchen deswegen medizinische Behandlung. Etwa 10,2 Millionen Menschen sind demnach in diesem Jahr zum Überleben auf internationale Hilfe angewiesen.

Die äthiopische Regierung versorgt zudem bereits acht Millionen Bürger mit Nahrungsmitteln. Die Dürre im Norden und Osten des Landes wurde Experten zufolge vom globalen Klimaphänomen El Niño ausgelöst. 

Autoritäre Regierung

Äthiopien ist angesichts des Ausmaßes der Katastrophe überfordert. Die autoritäre Regierung bemüht sich jedoch nach Kräften, die Berichterstattung über die Hungerkrise zu unterdrücken. Die Regierung will Äthiopien als wirtschaftlich aufstrebendes Entwicklungsland mit Wachstumsraten von rund zehn Prozent wahrgenommen sehen. Millionen hungrige Menschen passen da schlecht ins Bild.

In diesem Jahr werden zur Bekämpfung der Dürrekrise den UN zufolge mindestens 1,5 Milliarden Dollar benötigt. Bis Mitte Mai wurden jedoch von Äthiopien und internationalen Gebern – allen voran die USA, die EU und Großbritannien – erst 830 Millionen Dollar bereitgestellt. Es fehlen also noch rund 45 Prozent.

Bald Flucht nach Europa?

Die Menschen hoffen nun auf die im Juli beginnende Regenzeit, damit sie im September ernten können. „Wenn es jetzt nicht anfängt zu regnen, dann potenziert sich diese Krise. Dann wird absolute Verzweiflung um sich schlagen“, warnte Röttger.

dpa

stol