Mittwoch, 19. August 2015

Aktionstag „Lebensraum Eisacktal 2015“

Die Umweltgruppe Eisacktal lud am Samstag 8. August Experten für verschiedene Tier- und Pflanzengruppen zu ihrer Aktion “Lebensraum Eisacktal” nach Albeins. Beim jährlich stattfindenden Aktionstag “Lebensraum Eisacktal” soll auf den naturkundlichen und ökologischen Wert eines bestimmten Gebietes aufmerksam machen. Gleichzeitig geht es darum, wichtige Daten für den Naturschutz und für die Wissenschaft zu sammeln. Als Vorbild für die Aktion dient der Tag der Artenvielfalt, der jedes Jahr vom Naturmuseum Südtirol organisiert wird.

Rosmarin Weidenröschen
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Rosmarin Weidenröschen

Die Umweltgruppe Eisacktal lud am Samstag 8. August Experten für verschiedene Tier- und Pflanzengruppen zu ihrer Aktion “Lebensraum Eisacktal” nach Albeins.

Beim jährlich stattfindenden Aktionstag “Lebensraum Eisacktal” soll auf den naturkundlichen und ökologischen Wert eines bestimmten Gebietes aufmerksam machen. Gleichzeitig geht es darum, wichtige Daten für den Naturschutz und für die Wissenschaft zu sammeln. Als Vorbild für die Aktion dient der Tag der Artenvielfalt, der jedes Jahr vom Naturmuseum Südtirol organisiert wird.

Heuer nahmen etwa 10 Experten aus Südtirol und Innsbruck daran teil. Die Experten trafen sich bereits am frühen Morgen, um das Gebiet nach Tier- und Pflanzenarten zu durchkämmen. Dabei waren Fangnetze, Lupe und Notizbuch immer dabei. Am späten Nachmittag versammelten sich die Experten beim Kircherhof in Albeins und präsentierten ihre Ergebnisse den Mitgliedern der Umweltgruppe.

Während im Vorjahr der Wasserbühel in Lajen im Zentrum der Aufmerksamkeit stand, widmeten sich die Expertinnen und Experten heuer dem Gebiet rund um die Schottergrube Platzlung oberhalb von Albeins, welche vor etwa dreißig Jahren aufgelassen wurde. Schottergruben bieten hochinteressante Lebensräume für eine Vielzahl unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten an. Besonders die offenen Sandflächen sind ein idealer Lebensraum für teils seltene Insektenarten und besondere Pflanzenarten.

Am Samstag wurden die Organismengruppen Gefäßpflanzen, Käfer, Spinnen, Tagfalter, Vögel, Amphibien, Reptilien und Heuschrecken erhoben. Nicht für jede Gruppe waren der Zeitpunkt, die verfügbaren Lebensräume und auch die Wetterbedingungen (starker Regen in der vorhergehenden Nacht) gleich geeignet. Trotzdem konnten insgesamt über 300 Tier- und Pflanzenarten erhoben werden.

Ergebnisse im Detail

Insgesamt fiel die Lebensraumvielfalt auch den Experten sehr positiv auf: Es gibt offene Schotterflächen, steile Sandabbrüche, Trockenrasen, sehr schöne Saumgesellschaften und ungestörte Föhrenwälder. Auch die Wiesen am aufgelassen Hof Platzlung sind noch gut gepflegt ohne dass die Vielfalt durch Meliorierung oder Überdüngung beeinträchtigt worden wäre.

Spitzenreiter waren klarerweise die Gefäßpflanzen mit ca. 220 Arten, die im Gebiet der Schottergrube, den umliegenden Trockenrasen und Föhrenwäldern und in den Wiesen und Waldrändern beim Hof Platzlung gefunden werden konnten.

Besonderheiten dabei waren zahlreiche Trockenrasenarten, die im Brixner Raum meist ihre Nordgrenze erreichen, so die Montpellier-Nelke und der große Bocksbart. In der Schottergrube selbst kommen das Rosmarin-Weideröschen sowie der gefährdete Gelbe Hauhechel in großer Menge vor. Wunderschön sind auch die steilen Sandabbrüche, in denen sich einstige Flussuferbewohner ansiedeln konnten: zum einen der Sanddorn zum anderen der Ruten-Knorpellattich.

Eine Tiergruppe profitiert ganz besonders von offenen, steppenartigen Sand- und Rasenfläche und das sind die Heuschrecken. In der Tat fand sich eine Vielzahl von Arten im Gebiet, darunter auch mehrere gefährdete Arten, wie die Italienische Schönschrecke und das Weinhähnchen. Das Weinhähnchen war auch eines der Highlights des Tages. Die Art ist nur in den Steppengebieten des Vinschgaus etwas häufiger. Im Eisacktal wurden bislang nur sehr wenige Funde davon gemacht. Mit dem Verschwinden zahlreicher Trockenrasenflächen verschwand auch diese Art zunehmend.

Für die Vögel war der Zeitpunkt im Hochsommer alles andere als optimal, sodass lediglich 12 Arten festgestellt werden konnten. Darunter waren besonders die Spechte sehr präsent, unter anderem auch der Schwarzspecht.

Für die Amphibien fehlen im Gebiet die passenden Feuchtlebensräume. Bei den Reptilien war dagegen die Mauereidechse als einzige Art anzutreffen. Weitere Schlangen und Echsenarten dürften vorkommen, konnten am Erhebungstag aber nicht angetroffen werden. Bei dieser Organismengruppe ist man meist stark auf Zufallsfunde angewiesen.

Für die Käfer und Spinnen war der Zeitpunkt im Hochsommer alles andere als ideal. Letztere sind im Gebiet durch die Arbeiten von M.T. Noflatscher schon gut erforscht. Trotzdem gelangen einige interessante Funde. Allen voran eine Rüsselkäferart (Tychius striatulus) die bislang nur von zwei Stellen im Vinschgau bekannt ist und nur am Gelben Hauhechel frisst. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Art auch bei Bozen noch festgestellt. Sehr interessant ist auch die große Menge an Dünen-Sandlaufkäfern (Cicindela hybrida). Diese sind normalerweise an unverbauten Flussufern zu finden – ein Lebensraum der in Südtirol in den letzten 100 Jahren selten geworden ist. Die Sandabbrüche bei Platzlung stellen daher einen idealen Sekundärlebensraum dar.

Tagfalter waren am schwülheißen Tag jede Menge zu beobachten. Besonderheiten dabei waren der Argus-Bläuling und eine selten Trockenrasenart, das Blaukernauge. Beide stehen auf der Liste gefährdeter Tierarten.

Gebiet aufwerten

Die Experten machten sich auch Gedanken darüber, wie man das Gebiet aufwerten könnte. Besonders wichtig dabei wäre die Trockenrasenflächen im Westen der Schottergrube gehölzfrei zu halten bzw. verstrauchte Bereiche wieder zu öffnen. Früher wurde das Gebiet gemäht bzw. beweidet. Eine solche Nutzung wäre wieder anzustreben.

Auch in der Schottergrube selbst wäre es gut, in kleineren Bereichen die aufkommenden Robinien und Föhren zu entfernen, um offene Rasen- und Schotterflächen zu erhalten.

Gleichzeitig wäre der Steig, der von der Albeinser Kirche nach Platzlung führt wieder zu aktivieren und zu beschildern. Würde es gelingen, den Westrand der Grube bzw. die ehemaligen Trockenrasen wieder zu öffnen, wäre das Gebiet auch für Wanderer wieder attraktiver.

Umweltgruppe Eisacktal, Brixen

stol