Die „Sorge“ Osteuropas vor Moskaus Vorgehen sei „realistisch“. Denn: „wir sehen konkrete Aktionen der russischen Armee.“Das Albanien Ende Juni den Status als EU-Beitrittskandidat erhalten hat, begrüßte Nishani im Gespräch mit der APA am Rande des Europäischen Forums Alpbach als „sehr wichtige Errungenschaft und ein starkes Signal der EU“. Einen EU-Beitritt wünscht sich der 47-jährige „sobald wie möglich“. Die Reform von Justiz und Wirtschaft betrachtet der albanische Präsident im Gleichklang mit der EU als zentral.Die EU hat besonders wegen der hohen Korruption, der organisierten Kriminalität und Schwächen einer unabhängigen Justiz Vorbehalte gegen einen Beitritt des Balkanstaates. Bis zum Beginn tatsächlicher Beitrittsverhandlungen könnte es noch Jahre dauern. Österreich unterstützt den Beitrittsprozess des südeuropäischen Landes.„Die Verbesserung der öffentlichen Verwaltung, die unabhängig von Interessen sein muss, ist nicht leicht zu erreichen“, gestand auch Nishani gegenüber der APA ein. Die Parteien sollten keine „Doppelstandards“ hegen: Während die jeweilige Oppositionspartei „höchste Standards“ einfordere, wechsle die Partei an der Macht zu „autoritären“ Zügen. „Wir müssen für die Konsolidierung unabhängiger Institutionen kämpfen.“Das Verhältnis zwischen den politischen Lagern in Albanien ist seit jeher angespannt. Opposition und Regierung blockieren sich laut Experten bei den notwendigen Reformen gegenseitig, Postenschacher ziehen sich von Spitzenpositionen, Richtern bis zu Polizeikreisen.Im Juni 2012 hatte das albanische Parlament den von den regierenden Demokraten (PD) nominierten Nishani erst in der vierten Wahlrunde zum neuen Staatspräsidenten bestimmt. Zuvor waren Gespräche über einen Konsenskandidaten von Regierung und Opposition gescheitert. Seit dem Machtwechsel im vergangenen Jahr amtiert der sozialistische Ministerpräsident Edi Rama.Über die Krise in der Ukraine drückte der albanische Präsident seine „große Sorge“ aus. Die Ukraine habe wie jeder Staat das Recht über seine politische Ausrichtung zu entscheiden. „Es ist nicht richtig, dass du (gemeint ist Russland, Anm.), weil du größer bist, mit Gewalt an einer Annexion am Staatsgebiet eines anderen Landes beteiligt sein kannst“. Das sei eine „klare Verletzung des internationalen Rechts und der Souveränität“ von Staaten wie der Ukraine. Das NATO-Mitgliedsland Albanien unterstütze die EU und NATO in ihrer Russland-Politik.„Es ist das Verhalten von Russland, allen seine Muskeln zu zeigen.“ Hinter russischen Territorialambitionen – Stichwort Eurasien – sieht Nishani „mehr Nationalismus als Ideologie“. „Nationalismus ist eine Gefahr für unsere Zeit.“apa/Viola Bauer