Freitag, 16. Dezember 2016

Aleppo: Evakuierung von Kämpfen unterbrochen

Die Evakuierung der Metropole Aleppo ist unterbrochen worden. Hilfsorganisationen wurden aufgefordert, Busse und Ambulanzfahrzeuge aus den Rebellengebieten im Osten der Stadt abzuziehen, sagte ein Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation WHO am Freitag. Er hoffe, dass es sich nur um eine zeitweilige Unterbrechung handle. Es harrten weiterhin viele Menschen in Ostaleppo auf ihre Evakuierung.

Die Evakuierung der Metropole Aleppo ist unterbrochen worden.
Die Evakuierung der Metropole Aleppo ist unterbrochen worden. - Foto: © APA/AFP

Das syrische Regime warf den Rebellen vor, gegen die Auflagen für den kampflosen Abzug verstoßen haben. Die Rebellen und der Oppositionssender Orient TV berichteten, schiitische Milizen hätten auf Evakuierungs-Fahrzeuge gefeuert. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dort, wo Busse Aleppo verließen, seien Einschläge zu hören gewesen. 

Ein Sender der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah berichtete, Protestierende hätten die Abzugsrouten blockiert und die Evakuierung von zwei von den Rebellen eingeschlossenen schiitischen Dörfern gefordert. Der Iran hatte zuvor die Einbeziehung der Ortschaften Foua und Kefraya in die Evakuierung gefordert.

Evakuierung seit Donnerstag

Die Evakuierung hatte am Donnerstag begonnen. Ein Abkommen zwischen Regierung und Rebellen sieht vor, dass Kämpfer und Zivilisten die Stadt verlassen und in andere Gebiete unter Kontrolle der Opposition gebracht werden. Ein erster Anlauf zur Umsetzung war am Mittwoch gescheitert, weil neue Kämpfe ausgebrochen waren. Ein syrischer Regimefunktionär berichtete am Freitag, es habe „Behinderungen“ gegeben. Die bewaffneten Aufständischen hielten „die Bedingungen der Vereinbarung nicht ein“. Der Einsatz sei daher abgebrochen worden. 

Katastrophale humanitäre Zustände

Nach einem Bericht des syrischen Staatssenders Ikhbariya hätten die abziehenden Rebellen versucht, im Zuge der Evakuierung Gefangene mitzunehmen - und damit Auflagen für den kampflosen Abzug verletzt.
In Ost-Aleppo warten noch Zehntausende auf den Transport. Frankreichs Präsident François Hollande erklärte, es seien noch 50.000 Menschen eingeschlossen. Hilfsorganisationen rechnen sogar mit rund 70.000 Menschen, die aus der Stadt gebracht werden müssen. Wegen einer monatelangen Blockade durch das Regime ist die humanitäre Lage dort katastrophal.

apa/afp/reuters/dpa

stol