Freitag, 22. Mai 2015

Alfano nach Marokkaner-Festnahme unter Druck

Die Festnahme des 22-jährigen Marokkaners Abdel T. wegen des Verdachts, an der Vorbereitung des Attentats auf das Bardo-Museum in Tunis beteiligt gewesen zu sein, hatte Italiens Innenminister Angelino Alfano am Mittwoch als großen Erfolg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus gefeiert. Doch der Fall könnte sich noch als Bumerang für die italienische Regierung erweisen.

Angelino Alfano
Angelino Alfano - Foto: © LaPresse

Die ermittelnden Mailänder Staatsanwälte stellten aufgrund von Zeugenaussagen fest, dass der Marokkaner am 18. März – am Tag des Anschlags in Tunis mit 24 Todesopfern – in Mailand war und an einem Italienisch-Unterricht teilnahm; dies bestätigten sowohl sein Bruder, als auch eine Lehrerin.

„Ich glaube absolut nicht, dass Abdel ein Terrorist ist. Er hatte nicht einmal einen Euro in der Tasche. Er war stets auf der Suche nach kleinen Jobs. Er ist ein netter junger Mann, der sehr schlecht Italienisch spricht“, berichtete Abdels Lehrerin. Der Festgenommene befindet sich in einer Einzelzelle in einem Gefängnis in Mailand und beteuerte seine Unschuld. „Ich habe nichts getan, ich begreife nicht, warum ich in Haft bin“, wurde er von italienischen Medien zitiert.

Der Verdacht, dass Abdel T. als Unschuldiger festgenommen worden sei, wächst in der Öffentlichkeit. „Wir haben den Marokkaner aufgrund eines internationalen Haftbefehls der tunesischen Justizbehörden festgenommen. Die Ermittlungen hat die Justiz in Tunesien geführt“, rechtfertigte sich der italienische Innenminister am Freitag.

„Wir müssen noch klären, wo sich der Verdächtige nach seiner Ankunft in Italien mit anderen Flüchtlingen am 17. Februar bis zum Tag des Anschlags aufgehalten hat“, berichtete Alfano. Bei seiner Ankunft auf Sizilien habe der Marokkaner eine falsche Identität angegeben. „Damals galt er jedoch nicht als gefährlich für die internationale Sicherheit.“

Erst nach dem Anschlag in Tunis sei ein internationaler Haftbefehl gegen ihn erlassen worden.

Dem Verdächtigen werden Mord, Entführung und Terrorismus vorgeworfen. Nachdem er illegal nach Italien eingereist war, lebte er mit seiner Mutter und zwei Brüdern nahe bei Mailand. Die Angehörigen halten sich laut Polizei rechtmäßig in Italien auf.

apa

stol