1979 begann er, dem perfekten Augenblick nachzujagen. Heute lebt er in Gfrill, ruhig und nah am Wald.<BR /><BR /><b>Ein Porträt von Florian Mair</b><BR /><BR />Geiers Reise als Hobbyfotograf begann analog; in die digitale Welt stieg er vor 25 Jahren ein. „Der Augenblick ist für mich das Wichtigste. Wenn ich in der Natur unterwegs bin und fotografiere, kann man nichts planen – man muss nur die Kamera griffbereit haben und abdrücken“, sagt er.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1272081_image" /></div> <BR /><BR />Kostproben seines Könnens werden regelmäßig in der Bezirkszeitung „Die BAZ“ und im „Algunder Magazin“ veröffentlicht – und dem Land liefert der zweifache Vater Wetterfotos. Fasziniert von Fotografie und Literatur verbindet er seine Bilder u. a. mit Zitaten von Rainer Maria Rilke, Hermann Hesse oder Johann Wolfgang von Goethe und erschließt der „BAZ“-Leserschaft so auf poetische Weise seine Motive.<BR /><BR />Auch wenn sich der pensionierte Geometer nicht als Algunder Dorfchronist versteht, verewigt er seit nahezu fünf Jahrzehnten die Veränderungen, das Neue und die Ereignisse seiner Heimatgemeinde in Bildern. Tausende entwickelte Fotografien nennt Martin Geier sein Eigen. „Rund 500.000 Digitalfotos habe ich archiviert – entstanden sind im Laufe der Zeit wohl mehr als doppelt so viele.“ Und wenn er an seine 6.000 bis 7.000 Dias denkt, sieht er viel Arbeit auf sich zukommen: „Sie müssen noch alle eingescannt werden.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1272084_image" /></div> <BR /><BR />Seit 15 Jahren ist Martin Geier Jäger – ein Spätberufener seiner Zunft. „Ich habe zwar einen Jagdschein in Nordtirol, schieße aber nur noch mit der Fotokamera“, sagt er. „Wenn ich das Wild fotografiere und nicht schieße, kann ich es vielleicht ein weiteres Mal ablichten – ansonsten landet es in der Kühltruhe.“ Für ihn ist der Anblick wesentlich. „Seit Jahren beobachte ich beispielsweise ein Bartgeierpaar im Pfossental“, erzählt der 68-Jährige. „Die Bartgeier kennen mich und lassen sich nicht stören. Unter ihrem Horst liege ich oft stundenlang, um sie im Flug zu fotografieren.“ Beide brüten abwechselnd und fliegen zur Futterbeschaffung aus. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1272087_image" /></div> <BR /><BR />Auch Adler faszinieren ihn: „Einmal ist einer ganz nah an mir vorbeigeflogen – und ich habe es tatsächlich geschafft, ihn zu fotografieren.“ Zu den Erlebnissen gehöre aber auch die Hirschbrunft.<h3>Alte Lärche geborgen</h3>Neben Wildtieren fotografiert der Algunder auch Menschen – sogenannte Charakterköpfe – sowie ganz besonders Bäume. „Wir sind alle nicht imstande nachzuvollziehen, was ein alter Baum alles erlebt hat“, sagt Geier. Besonders lebendig in Erinnerung geblieben sind ihm die Erforschung uralter Bäume, der Schrummsee in Ulten und die Bergung einer Lärche, die rund 1.250 Jahre in diesem Gewässer gelegen hatte. „Weil mich der am Mittwoch verstorbene Nikolaus Schwienbacher darum gebeten hatte, bin ich sogar abgetaucht, um die Bergung des Baumes zu ermöglichen“, erinnert Algunds Ex-Vizebürgermeister. „Wir mussten unsere Lärche aber wieder im See versenken, das Land hat dann jedoch einige alte Bäume aus dem See gezogen und ausgestellt.“ <BR /><BR />Hin und wieder dreht Geier auch Filme – etwa „Das Echo des Waldes“, den er mit seiner Lebensgefährtin Astrid Pardeller über seine Baumforschung realisiert hat. Doch wie kam er nach Gfrill? „Dank meines Bruders Markus wohne ich in Gfrill, wo am Eggerhof väterlicherseits unsere Wurzeln liegen“, sagt Geier. „Und ich fühle mich wohl, unterwegs zu Fuß, mit dem Rad oder dem Bus – ohne Auto.“ Eine Kamera ist immer dabei – denn es gibt immer etwas zu entdecken. Davon profitiert jetzt auch die Gemeinde Tisens.