Montag, 18. Juni 2018

Alle Geretteten der „Aquarius” in Spanien

Das Drama um rund 600 Bootsflüchtlinge ist nach tagelanger Irrfahrt im Mittelmeer beendet. Das von Italien abgewiesene Flüchtlings-Rettungsschiff „Aquarius” und zwei weitere Schiffe fuhren am Sonntag in den Hafen der spanischen Stadt Valencia ein.

Die "Aquarius" bei der Einfahrt in den Hafen von Valencia. - Foto: APA (AFP)
Die "Aquarius" bei der Einfahrt in den Hafen von Valencia. - Foto: APA (AFP)

Nachdem Italien und Malta der „Aquarius” die Einfahrt verweigert hatten, erklärte sich die neue sozialistische Regierung Spaniens zur Aufnahme bereit.

Die Odyssee der Bootsflüchtlinge erregte international Aufsehen. Italiens Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Partei Lega kündigte an, Italien werde weitere private Rettungsschiffe mit Migranten abweisen.

Die „Aquarius” erreichte mit 106 Migranten an Bord kurz vor 11.00 Uhr den Hafen von Valencia. Auch die italienischen Schiffe „Dattilo” (274) und „Orione” (250) trafen in Spanien ein. Die Gesamtzahl der Migranten stieg von zunächst 629 auf 630, weil auf See ein Kind geboren wurde. Bei der mehr als 1.500 Kilometer langen Überfahrt nach Valencia kämpften die Schiffe zum Teil mit meterhohen Wellen.

Das von der Hilfsorganisation SOS Mediterranee gecharterte frühere Vermessungsschiff „Aquarius” hatte vor einer Woche die afrikanischen Migranten, die vor der libyschen Küste auf verschiedenen Booten unterwegs waren, aus Seenot gerettet. Zur Überfahrt nach Spanien wurden Hunderte dieser Flüchtlinge auf die Schiffe „Dattilo” und „Orione” verteilt.

In Valencia wurden die Migranten zunächst von knapp 300 Angehörigen des spanischen Roten Kreuzes empfangen und betreut. An der Empfangsoperation nahmen insgesamt rund 2.300 Menschen teil. Unter den Migranten sind den amtlichen Angaben zufolge insgesamt 123 Minderjährige und mindestens sieben schwangere Frauen.

Allen gehe es den Umständen entsprechend gut

Am Abend wurden die meisten der Flüchtlinge nach Abschluss der ersten Aufnahme-Maßnahmen in verschiedene Unterkünfte gebracht. 200 Migranten hätten am Ankunftsort in Valencia im Osten des Landes ärztlich behandelt werden müssen, nennenswerte Gesundheitsprobleme habe aber keiner aufgewiesen, sagte der Chef des Notfalldienstes der Regionalregierung, Jorge Suárez, in einer Bilanz am Sonntagabend vor Journalisten in Valencia. Fünf Migranten würden vorsichtshalber die Nacht im Krankenhaus verbringen.

Allen Aufgenommenen gehe es den Umständen entsprechend gut, hieß es. „Sie waren besonders bei der Ankunft verstört, aber das ist normal. Man muss sich in ihre Lage versetzen: Du steigst aus einem Schiff und das erste, was du siehst, sind Menschen, die dich begrüßen und Masken tragen”, erklärte Suarez. Es gebe Menschen aus insgesamt 31 Ländern. Die Migranten stammen den Angaben zufolge mehrheitlich aus Nigeria, dem Sudan, Eritrea und Algerien.

Wohin die Migranten gebracht werden sollten, wurde vorerst nicht bekanntgegeben. Es gebe mindestens 68 Kinder, die zunächst in „einer Bildungseinrichtung außerhalb Valencias” gebracht werden sollten, wie ein Sprecher der Regionalregierung der Deutschen-Presseagentur dpa verriet. „Mehr kann ich nicht sagen”, hieß es.

apa/dpa

stol