Dienstag, 09. August 2016

Almsommer auf Medalges

Im südlichen Campilltal oberhalb von St. Martin in Thurn gibt es nur eine Alm. Sie wird unter großen Opfern bewirtschaftet.

Sennerin und Hüttenwirtin Sandra Graber
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Sennerin und Hüttenwirtin Sandra Graber

Mitte Juni beginnt im Gadertal der Almsommer. Zu den viele Sennerinnen und Sennern, die sich um das Vieh und auch um das leibliche Wohl vieler Wanderer und Bergsteiger auf den Almen kümmern, zählt auch Sandra Graber aus St. Lorenzen im Pustertal. Ihre Alm liegt im hintersten Campilltal auf ca. 2200 m Seehöhe, mitten im Naturpark Puez-Geisler, wohl eines der schönsten Schutzgebiete unseres Landes. Hier wird die Schönheit der Landschaft nicht nur durch nackte Felsenwände bestimmt, sondern auch durch die einmalige Abwechslung von ragenden Berggipfeln wie dem Sas Rigais, der Fochëta oder dem Piz Doledes und ausgedehnten grünen Almflächen.

Graber ist gerne hier oben. Sie verbringt hier bereits seit vielen Jahren mit ihrer Familie den Sommer. Dabei entspricht die Almidylle nicht immer der Wirklichkeit: die Arbeit ist oft mühsam, die Tage lang und man ist ganz und gar auf sich selbst angewiesen. Hinzu kommt noch die Verantwortung, die man für das Weidevieh während der Sommermonate zu tragen hat. Jeden Tag machen Sandra Graber oder ihr Mann eine Runde, um nach dem Rechten zu sehen, sie kontrollieren den Zaun und halten Ausschau nach dem Vieh.

Die relativ einfach erreichbare Medalges-Alm ist auch ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste und Einheimische. Auch Bergsteiger kehren nach einer anstrengenden Bergtour gerne bei Grabers ein und genießen eine Almjause mit selbstgemachten Produkten. Die schmucke Hütte besteht aus einer kleinen getäfelten Gaststube, einer Küche und obenauf zwei Zimmern. Trotz der sehr primitiven Einrichtung vermisst hier der Gast nichts. Als begnadete Restauratorin hat Sandra Graber bei der Errichtung der Hütte vor zirka 15 Jahren vieles selber gemacht.

Bei Schönwetter macht die Bewirtung der Wanderer den überwiegenden Teil der Almarbeit aus. Dabei hat Sennerin Graber und ihr Mann genaue Vorstellungen davon, was „ihre“ Alm bieten soll: Eigene Produkte und eine Qualität, die authentisch und glaubwürdig ist. Elektrischen Strom gibt es hier oben keinen und das Handy empfängt man auch nur an einer bestimmten Stelle. Von Trubel, Stress und Hektik bekommt man hier oben nichts mit. Es ist ein einfaches aber sehr glückliches Leben.

Trotz der vielen Arbeit gibt es auf der Medalges-Alm aber auch viele Glücksmomente. In der Abgeschiedenheit der Berge den Sonnenuntergang zu genießen, ist für Familie Graber etwas Einmaliges. Abends, wenn die letzten Gäste fort sind und die meiste Arbeit erledigt, kommt man völlig zur Ruhe und der Tag kann langsam und gemütlich ausklingen.

Giovanni Mischí

stol