„Der Großteil der Menschen, die Gewalt ausübt, hat selbst Gewalt erlebt, vorwiegend in der Familie, aber auch in anderen Kontexten wie in der Schule“, sagt Osthoff. „Das darf aber nicht als Entschuldigung dienen“.<BR /><BR />Mit solchen Gewalterlebnissen in der Ursprungsfamilie steigen Männer dann in eine Gewaltspirale ein, erklärt Osthoff. „Je mehr ich Gewalt erlebt habe, umso größer ist das Risiko, dass ich selbst solches Verhalten an den Tag lege.“ Dazu zähle auch, wenn in einer Familie ein Vater sich gewalttätig gegenüber der Mutter verhalte, verbunden mit Alkohol und diese Gewalttätigkeit dann zur Normalität im Familienleben werde.<h3> Ein Staatsgesetz zeigt Wirkung</h3>Wegen eines Anti-Gewalttrainings haben sich 2021 genau 36 Männer an die Männerberatung der Caritas gewandt, 2022 waren es dann 58 Männer und heuer sind es bisher 67. Zu diesen 67 Männern zählen auch einige, die bereits 2022 dabei waren. Die Zunahme an Teilnehmern begründet Osthoff mit der Einführung des „Codice Rosso“, ein Staatsgesetz aus dem Jahr 2019 zum besseren Schutz von Frauen. Seither würden solche Maßnahmen bei Tätern oder potenziellen Tätern gefördert. Männern kann nach Ausübung von Gewalttaten nicht nur ein Anti-Gewalttraining nahegelegt, sie können auch dazu verpflichtet werden, berichtet Osthoff.<BR /><BR /> Ein Anti-Gewalttraining könne sich positiv auf das verhängte Strafmaß auswirken – mit einem Strafnachlass. Viele Männer melden sich für ein Anti-Gewalttraining an, weil die Anwälte ihnen dazu raten. In manchen Fällen kommt man nach den Erstgesprächen aber nicht weiter, berichtet Osthoff. Diesen Männern fehle die Einsicht. Sie erklären beispielsweise, die ihnen vorgeworfene Gewalt nicht ausgeübt zu haben, auch wenn dies in der Anklageschrift stehe und die Frau es bestätige. „In solchen Fällen kann ein Mann dann nicht ins Training aufgenommen werden,“ sagt Osthoff. <BR /><BR /><embed id="dtext86-60844745_quote" /><BR /><BR />Manche Männer schlüpfen hingegen in die Opferrolle und argumentieren, die Frau habe provoziert. Andere Männer berichten, sie würden die ganze Zeit immer nur kritisiert und angeklagt und hätten dann nicht anders gekonnt, als irgendwann mit Gewalt zu reagieren. Manche Männer versuchen so, die Verantwortungsrolle zu drehen, berichtet Osthoff.<BR /><BR /> Ein ganz wichtiger Punkt im Trainingsprogramm sei deshalb, klarzustellen, dass ein Mann selbst verantwortlich ist für sein Verhalten – unabhängig davon, was die Frau ihm an Gemeinheiten zugemutet habe. Wer mit seiner Frau nicht klarkomme, könne ja gehen. Und bei Konfliktsituationen könne man ja auch den Raum verlassen. Bei den Gruppengesprächen lerne man den Umgang mit Frustration, es werde aber auch Kulturarbeit geleistet. Vermittelt werde beispielsweise, dass es die Vormachtstellung des Mannes nicht mehr gebe. <h3> Wäre die Tat zu verhindern gewesen?</h3>Angenommen, der mutmaßliche Täter Omer Cim wäre bereits nach der Anzeige von Celine Frei Matzohl wegen Gewalt und schwerer Bedrohung sofort zu einem Anti-Gewalttraining verpflichtet worden und er hätte dann auch tatsächlich daran teilgenommen: Wäre diese Tat dann zu verhindern gewesen? <BR /><BR />Laut Osthoff ist eine Verhaltensänderung bei Männern, die zu Gewalt neigen, ein langwieriger Prozess. Ein Wochenendseminar reiche da nicht aus. „Das Anti-Gewalttraining umfasst im Normalfall 3 Einzelgespräche, 28 Gruppengespräche und ein Abschlussgespräch. Es braucht eine intensive und verpflichtende Arbeit mit den Männern, um eine Chance zu haben, dass sich das Verhalten ändert“, erklärt der Leiter der Caritas Männerberatung. Es sei mittlerweile verbreitete Praxis, dass Ordnungskräfte bei Anzeigen wegen Gewalt angehalten werden, die Telefonnummer der Caritas-Männerberatung weiterzugeben.<BR />