Maria Elena Boschi stand wegen des Bankenskandals am Pranger: Die Ministerin für Verfassungsreformen und Beziehungen zum Parlament ist nämlich Aktionärin bei der Banca Etruria, einer der vier Banken, die per Rettungs-Dekret vor dem Bankrott gerettet wurden, jedoch zahlreiche Kleinanleger in den Ruin trieben.Zudem war ihr Vater einige Monate lang Vizepräsident derselben Bank. Die Bewegung Cinque Stelle wirft der Ministerin nun einen Interessenskonflikt vor. Boschi selbst gab sich bereits vor der Abstimmung selbstbewusst: "Lasst sie nur abstimmen, wir werden sehen, wer mehr Stimmen erhält."Der Misstrauensantrag hat auch innerhalb der Mitte-Rechts-Parteien für Aufregung gesorgt. So forderte der Chef der Lega Nord, Matteo Salvini, von den Parlamentariern der Fratelli d'Italia (Fi), für den Antrag zu stimmen: "Sollte Fi nicht für den Antrag stimmen, werden wir unsere Koalition überdenken."Alfreider: "Versuch, Boschi zu schwächen, ist kläglich gescheitert"Die Abgeordneten der SVP stellten sich in der Debatte auf die Seite der 34-jährigen Ministerin: "Boschi hat nichts Unrechtes getan. Der Antrag ist eine Instrumentalisierung des M5S, sich der Ministerin zu entledigen. Ein Vorhaben, das kläglich gescheitert ist", erklärt Daniel Alfreider im Gespräch mit STOL.Gleichzeitig sprach der Abgeordnete Boschi ein großes Lob für ihre Verteidigungsrede am Freitag aus: "Sie hat die Sachlage nüchtern und sachlich erklärt, bis ins kleinste Detail. Ihre Rede war sehr atypisch für italienische Verhältnisse, wo sonst laut gepoltert und geschrien wird. Der Versuch, die Ministerin mit dem Antrag zu schwächen, hat sich nach der Rede Boschis ins Gegenteil gewandelt: Sie ist gestärkt aus der Situation herausgekommen, und viele denken jetzt besser von ihr, als zuvor."Kronbichler sagte Ja zum AntragWährend die SVP-Abgeordneten der Ministerin ihr Vertrauen aussprachen, hat sich Florian Kronbichler von den Grünen für eine Zustimmung zum Misstrauensantrag entschlossen. "Ich tue das aus zwei Gründen: Erstens aus der Konsequenz des Oppositionspolitikers. Wer in Opposition zur Regierung steht, kann dieser insgesamt und auch einem ihrer Mitglieder nicht das Vertrauen aussprechen. Was wär das sonst für Opposition? Zweitens: Gegen Ministerin Boschi liegt nichts Gesetzeswidriges vor. Es ist jedoch unstrittig, dass die Verstrickung ihres Vaters und Bruders in einen Bankenskandal Zweifel an der Unbefangenheit und Handlungsfähigkeit der Ministerin aufkommen lässt", so Kronbichler in einer Aussendung.Misstrauensantrag mit 373 Stimmen abgelehnt - Misstrauen gegen Regierung geplantDer Antrag wurde Freitagmittag mit 373 Stimmen gegen 129 abgelehnt. Doch damit ist noch nicht alles vorüber: Drei Mitte-Rechts-Parteien planen wegen des Bankendekrets auch einen Misstrauensantrag gegen die Regierung, über den voraussichtlich kommende Woche abgestimmt werden soll.Premier Matteo Renzi zeigt sich unbekümmert und ist überzeugt, problemlos das Vertrauensvotum bestehen zu können. Ohne das umstrittene Dekret zur Bankenrettung seiner Regierung wären Hunderte Mitarbeiter der Banken ohne Jobs, tausende Kontoinhaber hätten ihr ganzes Vermögen verloren, meinte der Ministerpräsident. „Unser Kabinett ist keine Regierung, die maßgeschneiderte Gesetze zugunsten seiner Mitglieder verabschiedet“, sagte Renzi.Der Hintergrund zum BankenskandalWährend Sparguthaben, Tages- und Festgeld bis 100.000 Euro auch in Italien unter die Einlagensicherung fallen, werden die 130.000 Inhaber von Aktien und Nachranganleihen der Regionalbanken an den Verlusten beteiligt. Damit haben tausende Kleinanleger ihre Ersparnisse verloren. Die vier Pleitebanken sind die Banca Marche, die Volksbank Etruria sowie die Sparkassen von Chieti und von Ferrara.Weil den vier Regionalbanken nach erheblichen Kreditausfällen Kapital fehlte, beschloss die Regierung Renzi im November einen Rettungsplan in Höhe von 3,6 Milliarden Euro. Das dafür notwendige Geld stammt aus einem privaten Fonds, an dem gesunde Kreditinstitute wie die Bank-Austria-Mutter UniCredit oder Intesa Sanpaolo beteiligt sind. Die faulen Kredite werden in eine Bad Bank ausgelagert. Die vier Institute werden jetzt rekapitalisiert und sollen verkauft werden. Die Regierung richtete vergangene Woche einen mit 100 Millionen Euro dotierten Solidaritätsfonds zur Entschädigung der Kleinsparer ein.stol/liz/apa