Donnerstag, 21. Mai 2015

Archäologe: Verlust von Palmyra wäre „unwiederbringlich“

Die Einnahme der historischen Oasenstadt Palmyra in Zentralsyrien durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) lässt Archäologen Schlimmstes befürchten.

Foto: © APA/EPA

Nach dem, wie der IS in anderen historischen Stätten wie Nimrud oder Ninive wütete, erwartet Peter A. Miglus, Professor für Vorderasiatische Archäologie am Heidelberger Uni-Institut für Ur- und Frühgeschichte, „nichts Gutes“. Das gut erhaltene, über Jahrhunderte gepflegte Weltkulturerbe von Palmyra sei ein „Gesamtkunstwerk, in dem sich Orient und Okzident begegnen“ und eine internationale „Forschungsstätte erster Klasse“.

Der Deutschen Presse-Agentur sagte er: „Palmyra ist etwas Einmaliges. Wenn die Verbrecherbanden das gründlich zerstören, wäre das ein Verlust, der unwiederbringlich wäre.“

Der Baukomplex mit seinen Tempeln, Kolonnadenstraßen und einzigartigen Grabtürmen, in denen die Toten bestattet wurden, vereinige orientalische und römisch-griechische Elemente. „Dort entstand eine eigenartige Architektur und Kunst. Das ist eine neue Qualität des Bauens.“ Die Kunst sei besonders reizvoll, weil sie an der Grenze von zwei Kulturwelten liege. Ähnliches gebe es noch in der Wüstenstadt Hatra, die ebenfalls zum Weltkulturerbe der Unesco zählt.

Palmyra wurde Miglus zufolge schon im zweiten Jahrtausend vor Christus in Keilschrifttexten erwähnt und war ein bedeutender Knoten im Netzwerk altorientalischer Handelswege. Die Oase gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten.

Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr schon einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die Ruinen der Jahrtausende alte Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Aufnahmen ihrer Taten stellten sie ins Internet.

dpa

stol