Freitag, 01. Juli 2016

Assad: Westliche Regierungen verhandeln heimlich mit uns

Der syrische Präsident Bashar al-Assad hat dem Westen Doppelmoral im Umgang mit seinem Regime vorgeworfen.

Der syrische Präsident Bashar al-Assad glaubt, dass ohne Einflüsse von außen der Syrienkonflikt schon längst beigelegt wäre. - Archivbild.
Der syrische Präsident Bashar al-Assad glaubt, dass ohne Einflüsse von außen der Syrienkonflikt schon längst beigelegt wäre. - Archivbild. - Foto: © APA/AP

Seine Regierung werde politisch angegriffen, während westliche Staaten heimlich den Kontakt mit Damaskus suchten, sagte Assad in einem am Freitag ausgestrahlten Interview des australischen Senders SBS TV. „Das ist die Doppelmoral des Westens. Sie alle machen es.“

Es gebe indirekte Kommunikationskanäle mit dem Westen, erklärte der syrische Machthaber. „Wenn man sie fragt, dann werden sie es abstreiten und wir auch.“ Allerdings erwartet Assad keine großen Erfolge: Er glaube nicht, dass die US-Regierung ernsthaft daran interessiert sei, den Konflikt in Syrien zu lösen, sagte Assad.

Assad: Einflüsse von außen verzögern Lösung des Konflikts

Eine Lösung für den mehr als fünf Jahre dauernden Konflikt sei seiner Ansicht nach einfach: Politischer Dialog und gleichzeitiger Kampf gegen Terroristen. Dies werde jedoch durch Einflüsse von außen unmöglich gemacht, sagte er.

Jene Länder, die Terroristen unterstützen, wollen Assad zufolge diese Unterstützung nicht aufgeben. Als Beispiele nannte er die Türkei, Saudi-Arabien, Katar und den Westen. Assad hatte wiederholt Regimegegner als Terroristen bezeichnet.

250.000 Tote in 5 Jahren

Vorwürfe über brutale Menschenrechtsverletzungen wies Assad zurück. Dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan warf Assad erneut vor, die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zu unterstützen.
In fünf Jahren Bürgerkrieg sind mehr als 250.000 Menschen getötet worden und mehr als 4,5 Millionen Syrer ins Ausland geflohen.

Der Iran und Russland unterstützen die Regierung und sind direkt an den Kämpfen gegen den IS und andere islamistische Einheiten beteiligt. Saudi-Arabien und die USA unterstützen militärisch Milizen, die Assad stürzen wollen. Die syrische Opposition und der Westen schließen eine Zukunft Syriens unter der Herrschaft Assads aus.

apa/dpa

stol