Sonntag, 17. Juli 2016

Attentäter von Nizza soll sich „sehr schnell radikalisiert“ haben

Der Attentäter von Nizza hat sich womöglich erst kurz vor seiner Tat dem radikalen Islam zugewandt.

Die Welt in Trauer: Über 80 Menschen verloren bei einem Terroranschlag in Nizza ihr Leben.
Die Welt in Trauer: Über 80 Menschen verloren bei einem Terroranschlag in Nizza ihr Leben. - Foto: © LaPresse

Bei den Ermittlungen sei herausgekommen, „dass sich der Attentäter sehr schnell radikalisiert hat“, sagte Frankreichs Premier Manuel Valls.

Innenminister Bernard Cazeneuve rief indes am Samstag alle willigen „patriotischen Bürger“ zum Reservedienst bei den Sicherheitskräften auf.

IS-Terroristen rufen zu Anschlägen auf

Die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) rufe auch gezielt Einzeltäter, „die unseren Geheimdiensten unbekannt sind“, zu Anschlägen auf, sagte Valls der Sonntagszeitung „Journal du Dimanche“.

Zudem gebe der IS instabilen Personen ein ideologisches Rüstzeug, das ihren Taten einen Sinn verleihe. „Genau das ist wahrscheinlich im Fall von Nizza passiert.“

Mehrere Festnahmen

Die IS-Miliz beanspruchte den Anschlag am Samstag für sich. Sie erklärte über ihre Nachrichtenagentur Amak, der Täter sei ein „Soldat des Islamischen Staats“.

Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Der Attentäter war den französischen Geheimdiensten nicht als Islamist bekannt. Er trat lediglich im Zusammenhang mit Kleinkriminalität in Erscheinung und galt zudem als gewalttätig und depressiv.

Die Polizei nahm bisher fünf Menschen aus dem Umfeld des Täters in Gewahrsam, seine Ex-Frau und vier Männer. Die Frau müsse weitere 24 Stunden in Polizeigewahrsam bleiben, hieß es am Samstag. Zur Identität der vier Männer machten die Behörden keine Angaben.

Die Festgenommen gaben nach Angaben aus Polizeikreisen bei den Verhören an, dass sich der Attentäter erst „kürzlich“ radikalisiert habe. Allerdings habe der IS dabei anscheinend noch keine Rolle gespielt.

Schweigeminute am Montag

In ganz Frankreich begann am Samstag eine dreitägige Staatstrauer. Am Montag soll es eine Schweigeminute geben.

Danach werde die Promenade des Anglais wieder ganz für den Verkehr geöffnet, teilte die Stadt Nizza mit.

apa/dpa

stol