Donnerstag, 02. Mai 2019

Auf 2 Rädern zum Himalaya: „Schampus in der Pampa“

Seit 11. März ist der Ahrntaler David Niederkofler auf 2 Rädern in Richtung Himalaya unterwegs. Im „Zett“-Interview berichtet der 25-Jährige, wie es ihm bis jetzt ergangen ist.

David Niederkofler bei seiner Ankunft in Georgien. - Foto: Facebook
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David Niederkofler bei seiner Ankunft in Georgien. - Foto: Facebook

Der Wind pfeift am Handy, der Empfang ist schwach. „Ich bin gerade inmitten der Pampa, irgendwo im Süden von Georgien“, entschuldigt sich David Niederkofler. Doch die Stimmung scheint gut. „Wir haben grad ein Gläschen Champagner am Straßenrand offeriert bekommen“, erzählt der 25-Jährige und klärt auf: „Ich bin gerade mit zwei US-Amerikanern unterwegs, da kam uns ein älteres Paar aus Georgien auf der Straße entgegen und erkundigte sich nach unserem Ziel. Als wir von unserem Rad-Abenteuer erzählten, holten sie spontan eine Champagnerflasche aus dem Kofferraum und stießen mit uns an.“ 

Dabei war Niederkoflers Unterfangen im ersten Moment wohl eher eine zufällige Schnapsidee, denn prickelndes Gesöff.

Der begeisterte Bergsportler und Mountainbiker hat 2018 nämlich sein Telematikstudium in Graz abgeschlossen. Da er sich schon immer den Traum einer Weltreise erfüllen wollte, beschloss er spontan, seinen Wunsch und seine Leidenschaft zu kombinieren und 14.000 Kilometer von Luttach nach Nepal zu radeln, um im Dezember zum „Everest Base Camp“ auf 5380 Metern Meereshöhe zu trekken. Allein.

Streunende Hunde und türkische Klassenräume

Am 11. März verabschiedeten Freunde und Familie den jungen Abenteurer (STOL hat berichtet). 18 Länder stehen auf seinem Plan, 60 bis 70 Kilometer muss er dafür täglich auf seinem „Quantor-Bike“ zurücklegen.

Bis dato sei er gut in der Zeit, erzählt er am Montag am Telefon gegenüber der „Z“. Neun Länder und 3989 Kilometer hat er auf dem Zähler, doch sein Abenteuer-Tagebuch könnte weit mehr Seiten füllen.

„Jeder Tag ist eine Überraschung“, erzählt Niederkofler, der von Italien über Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien, und der Türkei nun in Georgien angekommen ist. „Beim Start hatte ich keine richtige Vorstellung, was mich erwarten könnte. Aber dass ich so viele nette Menschen treffen würde, wäre mir nie eingefallen“, erzählt er. Schon bei seinem Start von Luttach nach Lienz hupten Autos auf der Straße und Leute winkten und riefen ihm zu.

Nach einer ersten Nacht in seinem Zelt, fand er in Slowenien sogleich ein Studentenheim, wo er mit „Chicken Curry“ verköstigt wurde, bevor ihm tags darauf eine nette Familie in Kroatien Unterschlupf gewährte. „In Serbien hat es dann so stark geregnet, dass ich nicht zelten konnte. Da hielt einmal ein Mann mit einem Kleinbus am Straßenrand an, legte mein Rad auf und brachte mich einen Kilometer weiter zu einem Haus, wo ich nächtigen konnte“, erzählt Niederkofler von der ungewohnt großen Gastfreundschaft, die ihm in jedem Land aufs Neue entgegengebracht wurde.

„In der Türkei kam ich bei einer sehr tollen Familie unter. Beide Elternteile sind Mathematiklehrer und luden mich in den Unterricht ein, um den Schülern von meiner Reise zu erzählen, ein sehr cooles Erlebnis.“ Als italienischer Staatsbürger genießt der Luttacher ein gutes Ansehen im Osten. Gern wird er auf den Papst, den italienischen Fußball oder Sänger Adriano Celentano angesprochen.

29 fremde Betten

Neben dem Schlafplatz im Zelt hat er seine Nächte bereits in 29 fremden Betten zugebracht. Mulmig war ihm dabei nie. „Ich vertraue auf meine Menschenkenntnis“, sagt Niederkofler, der noch keine negative Erfahrung sammeln musste. „Klar gibt es ein paar streunende Straßenköder oder Menschen, die mir nachschreien. Aber da ich sie nicht verstehe, kann ich nicht sagen, ob es positiv oder negativ war“, erzählt er von den kaum vorhandenen Englischkenntnissen in den Peripherien seiner Reiseländer.

So wildromantisch die unberührte Natur Niederkoflers Reiseblog (Italy2Nepal) im Internet auch scheinen mag – tagelanges Regenwetter und Schnee haben so manche Radetappe zur Schinderei verkommen lassen. „Da kam schon kurz der Gedanke auf, das Rad in den Graben zu werfen, aber es überwiegen dann doch die positiven Erlebnisse“, schätzt sich David Niederkofler glücklich, seine bisherige Reise ohne gröbere Schäden überstanden zu haben. So ist ihm bis heute weder ein Reifen geplatzt, noch eine keine Kette gerissen. Auch gesundheitlich weiß er bis auf anfängliche Knieprobleme und eine kleine Erkältung nichts zu beklagen.

Warten auf die gute Laune der Beamten

Doch bürokratische Hürden könnten den Radler bald einbremsen. Die chinesische Botschaft will dem Abenteurer nämlich nur ein dreimonatiges Visum ausstellen, der Ahrntaler bräuchte jedoch eines mit doppelt so langer Gültigkeit, um planmäßig durchzukommen.

„Jetzt muss ich warten und hoffen. Im Gespräch mit anderen Reisenden habe ich nämlich erfahren, dass es von der Laune der Angestellten abhängt, ob man das Halbjahresvisum bekommt oder nicht“, sagt Niederkofler, der am 3. Mai erneut auf die Botschaft radeln wird. Bis dahin macht er Georgien unsicher und freute sich über den 1. Mai.

Denn anstelle seines üblichen Tagesgeldes von zehn Euro darf er dann das Doppelte ausgeben. Ein Südtiroler namens Tobias Karbon hat nämlich über einen Bericht in der „Zett“ Anfang März von Niederkoflers Radabenteuer erfahren und entschieden, dessen Budget an jedem Feiertag mit einer Spende auf 20 Euro zu erhöhen. 

Z/mh

stol