Viel eher lehren sie uns schon früh, den Erwartungen anderer gerecht zu werden und unsere Lebensrollen angemessen zu verkörpern.<BR /><BR /><b>Von Doris Ebner</b><BR /><BR />Wahrscheinlich ist es Ihnen gar nicht bewusst, aber Sie füllen täglich so viele Rollen aus, dass Sie einen ganzen Film alleine besetzen könnten. Bei der Arbeit sind Sie Chef oder Angestellter, zu Hause Partner oder Partnerin, vielleicht Elternteil und gleichzeitig Sohn, Tochter, Bruder und/oder Schwester.<BR /><BR />Ganz selbstverständlich befolgen Sie dabei ein mehr oder weniger steifes Protokoll. In Ihrem Freundeskreis begegnen Sie anderen bestenfalls auf Augenhöhe, während Sie im Verein möglicherweise in einer Führungsposition aktiv sind. <BR /><BR />Ihr Verhalten, Ihre Reaktionen und Ihre Handlungen passen sich dabei wie selbstverständlich an den jeweiligen Kontext an – so, als würden Sie einem unsichtbaren Skript folgen, das Ihre frühen Bezugspersonen und die Gesellschaft für Sie verfasst haben. Weil es sich eben so gehört. <BR /><BR />Falsch und verwerflich ist daran grundsätzlich nichts. Im Gegenteil: Lebensrollen vermitteln Sicherheit und Orientierung sowie das Gefühl, anerkannt und gebraucht zu sein. Auch wenn wir manche davon nicht frei gewählt haben, kämpfen wir deshalb in den allermeisten Fällen nicht dagegen an. <BR /><BR />Unser Gehirn bringt unser Anpassungsverhalten nämlich mit einer positiven Rückmeldung von außen in Verbindung und speichert es als wesentlichen Teil einer vorteilhaften Ereigniskette ab. <BR /><BR />Deshalb tun wir, was von uns verlangt wird – und merken dabei oftmals nicht, dass in unserem Inneren ein Spannungsfeld entsteht, dem wir nur noch schwer entkommen können. Zwischen den Zeilen des vorgefertigten Drehbuchs haben wir nämlich darauf vergessen, unsere eigene Note mit einzubringen. <h3> Was so ist, muss nicht so bleiben</h3>Wenn wir über Werte und über das sprechen, was uns im Leben wichtig ist, ist es sinnvoll, auch unsere Lebensrollen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier lassen sich nämlich oftmals gar einige Diskrepanzen aufdecken. <BR /><BR />Was das Umfeld von uns verlangt, muss nicht zwangsläufig unseren eigenen Vorstellungen entsprechen, ebenso wie wir den Kompass unserer Eltern nicht unreflektiert übernehmen müssen. Oder anders gesagt: Nur weil etwas „immer schon so war“, heißt es nicht, dass das auch so bleiben muss. <BR /><BR />Die Arten, nach denen ein und dieselbe stilisierte Rolle lebendig gemacht werden kann, sind so vielfältig wie wir Menschen selbst. Dies allerdings gilt es zu erkennen und bewusst einzufordern. Und das nach Möglichkeit früh genug. <BR /><BR />Unser Leben wird – wenn wir so wollen – auf immer ein Theaterstück bleiben, denn ein Ablegen unserer Funktionen und der damit verbundenen Verantwortlichkeiten ist nur schwer möglich. <BR /><BR />Was wir aber sehr wohl tun können, ist, uns (wieder) auf den Regiestuhl zu setzen und Spannungen nicht einfach hinzunehmen, sondern ihnen bewusst gegenüberzutreten. Manchmal ist das alles andere als einfach. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich lohnt, ist aber groß.<h3> Zur Person</h3><div class="img-embed"><embed id="1172901_image" /></div> <BR />Doris Ebner ist diplomierte Neuromentaltrainerin. Im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie ihre Faszination für die Gehirnforschung und die Kraft der Gedanken entdeckt und erfahren, welche Möglichkeiten darin verborgen liegen. Ihre besondere Begeisterung gilt dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb sie mit Leidenschaft ihr Wissen an andere Menschen weitergibt und sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben unterstützt. Zudem hat Doris Ebner Germanistik und Musik studiert und arbeitet als Redakteurin.