Donnerstag, 05. April 2018

Ausgewiesene US-Diplomaten verlassen Botschaft in Moskau

Eine erste Gruppe aus Russland ausgewiesener US-Diplomaten hat die US-Botschaft in Moskau verlassen. Dutzende Botschaftsangehörige brachen Donnerstagfrüh mitsamt ihren Familien in Bussen Richtung Flughafen auf, wie Medien berichteten. Im Streit um die Verantwortung für den Giftanschlag auf einen Ex-Spion in Großbritannien hatte Moskau insgesamt 60 US-Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt.

Dutzende Diplomaten reisen aus Foto: APA (AFP)
Dutzende Diplomaten reisen aus Foto: APA (AFP)

Mit der Ausreiseverfügung reagierte Moskau auf die Ausweisung einer gleich großen Anzahl russischer Diplomaten aus den USA. Diese waren am Osterwochenende in ihr Heimatland zurückgekehrt. Insgesamt haben die USA, Großbritannien und andere westliche Staaten mehr als 150 russische Diplomaten ihrer Länder verwiesen. Damit reagierten sie auf den Giftanschlag auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal am 4. März im südenglischen Salisbury.

Die britische Regierung macht Russland für die Vergiftung Skripals und seiner Tochter Julia verantwortlich. Russland weist die Vorwürfe zurück. Der Vorfall hat zu einer der schwersten diplomatischen Krisen zwischen Russland und dem Westen seit Ende des Kalten Krieges geführt. Moskau beantragte zu dem Thema eine Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates in New York am Donnerstagnachmittag (Ortszeit).

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erhob am Donnerstag weitere Vorwürfe gegen Großbritannien. Die britische Regierung könne „legitime Fragen” Russlands nicht übergehen, so Lawrow. Er erneuerte auch die Forderung nach einer „substanziellen und verantwortlichen” Untersuchung in Übereinstimmung mit der Chemiewaffen-Konvention.

Einem Medienbericht zufolge haben britische Experten jedes russische Labor identifiziert, aus dem das Gift für den Anschlag auf Skripal stammen soll. Dies sei mit Hilfe von wissenschaftlichen Analysen und der Geheimdienste gelungen, berichtete die Zeitung „The Times”. Die Experten seien sich recht sicher, wenn auch nicht zu 100 Prozent.

Die westliche Reaktion auf die Skripal-Affäre wurde indes vom tschechischen Ex-Präsidenten Vaclav Klaus scharf kritisiert. Die Ausweisung russischer Diplomaten sei „etwas kindisch” gewesen, sagte der langjährige EU-Kritiker der Zeitung „MF Dnes”. „Da die Slowakei, Slowenien, Österreich und Ungarn nichts Derartiges getan haben, wäre ich lieber ein Bürger dieser Länder”, fügte der 76-Jährige hinzu. Tschechien hatte aus Solidarität mit Großbritannien drei russische Botschaftsangehörige zu „personae non gratae” erklärt.

apa/ag.

stol