Sonntag, 05. Juli 2015

Ausnahmezustand in Tunesien: „Wir befinden uns im Krieg“

Vier Jahre nach der Jasminrevolution schränkt Tunesien Bürgerrechte ein. Der Präsident verhängt den Ausnahmezustand. Nach dem tödlichen Angriff auf Badeurlauber warnt er: „Wir sind in großer Gefahr.“

Der tunesische Staatschef Béji Caïd Essebs
Der tunesische Staatschef Béji Caïd Essebs - Foto: © APA/EPA

Bevor der Präsident ans Redepult tritt, strahlt das Staatsfernsehen einen hoffnungsvollen Werbespot aus. Gezeigt werden Menschen aus aller Welt, aus Kuala Lumpur in Malaysia, aus Malmö in Schweden, aus Lille in Frankreich, aus Chile und England. Sie alle haben dieselbe Botschaft: „Tunesien, wir lieben Dich.“

Dieses Filmchen steht in einem krassen Kontrast zu der Lage, in der sich das nordafrikanische Land befindet: Weil ein junger Islamist vor gut einer Woche 38 Urlauber in einem Badeort erschoss, wird nun der Ausnahmezustand verhängt.

„Sind in Gefahr“

Der 88-jährige Staatschef Béji Caïd Essebsi richtet sich am Samstag im Fernsehen an sein Volk. „Wir sind in großer Gefahr“, sagt er. „Wir befinden uns im Kriegszustand.“

Die zunächst für 30 Tage geplante Maßnahme soll nun die Sicherheit zurückbringen. Denn Tunesien sei nur einen Anschlag vom Kollaps entfernt. Viele Tunesier hatten zuvor diesen Schritt gefordert – um den Terrorismus zu bekämpfen und in der Hoffnung, dass dies die Touristen zurückbringen werde.

dpa

stol