Samstag, 22. Juni 2019

Baby-Geschrei und kein Ende

Säuglinge kommunizieren, indem sie weinen. Instinktiv verstehen die meisten Eltern, welches Bedürfnis gerade gestillt werden soll: Hunger, Windel voll, Nähe, Müdigkeit.

Säuglinge kommunizieren, indem sie weinen.
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Säuglinge kommunizieren, indem sie weinen. - Foto: © shutterstock

„Jedes 4. bis 5. Elternpaar hat aber auch ein Kind, das exzessiv weint – ein sogenanntes Schreibaby. Sie sollen wissen, dass das Normalität ist und keine Störung oder Krankheit. Sie sollten es sich zugestehen, Hilfe zu holen“, sagt Reinhard Tschiesner, Professor für Entwicklungs- und Erziehungspsychologie an der Freien Universität Bozen und Mitglied des Rats der Psychologenkammer. 

„Dolomiten“: Alle Säuglinge weinen oder schreien. Wie erkennt man, dass man gerade ein sogenanntes Schreibaby im Arm hält? Im Internet ist von der 3er-Regel die Rede...
Reinhard Tschiesner: Ja, das könnte ein Anhaltspunkt sein: Ein Kind, das mehr als 3 Stunden pro Tag an 3 Tagen pro Woche über 3 Monate am Stück schreit, ist ein Schreibaby. Dabei kann man aber nicht alle über einen Kamm scheren, vor allem ist es eine sehr subjektive Wahrnehmung. Wichtig ist es zu wissen, dass Schreien ein großes Risiko für Kindesmisshandlungen, vor allem Schütteltraumen, ist. Und da sind alle Eltern unterschiedlich belastbar. Wenn Eltern also sagen, eine Stunde am Tag reicht, um mich aus der Fassung zu bringen, sollte sofort etwas unternommen werden. Das Problem ist nämlich, wie gesagt, nicht das Weinen an sich, sondern die Frage, welche Folgen das für die Eltern-Kind-Beziehung hat. Sind die Eltern nämlich erschöpft, schaffen sie es nicht, die Bedürfnisse des Babys zu erkennen und zu befriedigen. Ein Baby kann das nicht allein.

„D“: Und was kann man unternehmen? Soll ich mein Baby einfach der Oma in den Arm drücken, weil es eh keinen Unterschied macht, ob ich es halte oder jemand anderer – es schreit doch?
Tschiesner: Zum Beispiel. Das muss sich eine Mutter zugestehen, damit kann sie im schlimmsten Fall sogar ihr Baby retten. Wenn es 5 vor 12 ist, man also keine Ressourcen mehr hat, das auszuhalten, sollte man sich Hilfe holen – bereits in der Schwangerschaft sollten sich Eltern Strategien zur Konfliktregulation zurechtlegen, also sich überlegen, welche Ressourcen sie haben, wenn es nicht mehr geht. 

D/uli

Den vollständigen Artikel und alle Hintergründe gibt es in der Samstags-Ausgabe des Tagblatts "Dolomiten".

stol