Freitag, 22. Mai 2015

Arno Kompatscher: "Backstage"-Künstler der Woche

Sitzungen in Bozen, Verhandlungen in Rom und in Brüssel, Telefonate mit Wien – so kennt man Arno Kompatscher heute: als Landeshauptmann von Südtirol. Dabei war das nicht immer sein Berufswunsch Nummer eins. Nein, eigentlich wollte Arno Kompatscher, wie so viele in ihrer Jugend, Rockstar werden. Geworden ist daraus nichts - und trotzdem, was viele nicht wissen: Unser heutiger Landeshauptmann hat vor einigen Jahren einen Song veröffentlicht – mit ihm als Sänger.

Arno Kompatscher und Kurt Weißenegger 1998 mit "Dalek"
Arno Kompatscher und Kurt Weißenegger 1998 mit "Dalek"

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Als Jugendlicher hatte Arno Kompatscher zwei große Leidenschaften: Eishockey und die Musik. Zum Eishockey-Profi habe es aber bei weitem nicht gereicht. „Auch im musikalischen Bereich musste ich irgendwann feststellen, dass das Talent nicht genügt, um ein neuer Jimi Hendrix zu sein“, betont er rückblickend mit einem Lachen. Immerhin hat es aber zu einer Single-CD, einem Band-Projekt und ein paar Live-Auftritten gereicht.

Aber von vorne: Musik spielte immer schon eine herausragende Rolle im Leben Kompatschers. In seiner Jugendzeit hörte er täglich mehrere Stunden Musik – auf der Stereoanlage seines Bruders. „Diese hatte alles, was das Herz damals begehrte“: Röhrenverstärker, einen Plattenspieler, ein CD-Laufwerk und ein Kassettendeck. Ein Lieblingsgenre hatte er nicht. Er hörte alles querbeet durch, vom Mainstream wie Supertramp oder Dire Straits, bis hin zum meditativen Jazz. Aber auch Punkbands wie The Cure oder die Pixies gehörten zu seinem täglichen Musikprogramm, genauso wie The Police oder Tom Waits. Gehört hat er auch, für einen Jugendlichen eher ungewöhnlich, Klassik: „Vor allem, da der Sound besonders gut war“, sagt er heute.

 

Ein "Dalek"-Konzert in Brixen, 1998

 

Dann, Mitte der 1990er-Jahre war es dem jungen Kompatscher nicht mehr genug, nur mehr Musik zu hören. Er wollte selbst aktiv werden, selbst Musik machen. Gemeinsam mit Kurt Weissenegger, ebenfalls ein Völser, gründete er das Band-Projekt Dalek. Mit diesem coverten sie im Jahre 1998 - Kompatscher war damals 27 Jahre alt - den Song der italienischen Punk-Band CCCP (aus der später Consorzio Suonatori Indipendenti hervorging) „and the radio plays“ vom Jahr 1989. „Das ist das einzige Beweismittel, das auf CD gepresst worden ist“, so Kompatscher schmunzelnd.

 

Das CD-Cover von "Dalek"

 

Es war zwar der einzige Dalek-Song, der für die Nachwelt verewigt wurde, das Programm bei ihren Konzerten ging aber viel weiter: Angefangen von der neuen Deutschen Welle, über Tom Waits oder Nick Cave bis hin zu Zarah Leander. Auch die Instrumentenwahl war durchaus originell: So haben Dalek The Cure-Songs mit einer alten Hammond-Orgel, einem Bass und einer Trompete performed. Fast drei Jahre lang hat es Dalek gegeben. Was als Duo begonnen hatte (Arno Kompatscher, Gesang und Tamburin, sowie Kurt Weissenegger, Gitarre und Keyboard) entwickelte sich später zu einem Trio, da Kurts Bruder Simon Weissenegger (Bass) dazu gestoßen ist. „Wir waren nicht besonders erfolgreich“, so Kompatscher. Öffentliche Auftritte habe es nur wenige gegeben. Der erste Dalek-Gig fand in der Disco Salegg in Seis am Schlern statt. Dann folgte ein Konzert beim Brixner Altstadtfest und dann eines in Völs. Geprobt haben Dalek in einem alten Stadel in St. Vigil bei Seis. „Neben der Musik haben wir auch sonst sehr viel Lärm gemacht“, so Kompatscher rückblickend. Dalek war vor allem ein interessantes Projekt, nicht so sehr ein gutes, lacht er.

 

 

In gelassener Pose und gebleichten Haaren: Arno Kompatscher mit Kurt Weißenegger, 1998

 

Heute hat Kompatscher zwar nicht mehr die Zeit, täglich mehrere Stunden Musik zu hören, nutzt aber jede sich ihm bietende Möglichkeit - etwa beim Laufen. „Meine Kinder beliefern den iPod immer wieder mit aktueller Musik, so dass ich auf dem neuesten Stand bleibe und musikalisch nicht in der Vergangenheit hängen bleibe. So hört er gerne Mumford&Sons, aber auch Südtiroler Musiker wie Herbert Pixner, Opas Diandl oder Ganes.

Er selbst ist als Musiker nicht mehr aktiv - außer zu Weihnachten. Dann zuckt er die Trompete hervor und spielt ein oder zwei Weihnachtslieder und die berühmte Pipi Langstrumpf-Weihnachtsmelodie, wie er erzählt. „Das verlangen meine Kinder jedes Jahr aufs Neue.“

Auch abseits vom „Weihnachtskonzert“ hat Kompatscher Angebote von Musikern erhalten, sich mit ihnen auf die Bühne zu stellen und zu performen. „Ich habe bisher immer abgelehnt, da ich mir und der Band diese blöde Figur ersparen will.“ Und trotzdem: Das Musikmachen bleibt ein Traum. Wenn er nach der politischen Karriere wieder mehr Zeit für andere Sachen hat – dann schließt Kompatscher ein musikalisches Comeback nicht aus: „Vielleicht finde ich irgendwann aussteigermäßig wieder die Zeit ein Instrument zu lernen und etwas auf die Beine zu stellen.“

Arnold Sorg

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Mehr über den Musiker Arno Kompatscher gibt’s im aktuellen „Dolomiten“-Magazin und auf Südtirol 1 ab 17 Uhr (Wiederholungen am Samstag ab 19 Uhr und am Sonntag ab 17 Uhr)!

stol