Donnerstag, 08. Februar 2018

Bagdads Bürgermeisterin will ihrer Stadt alten Glanz zurückgeben

Die Bürgermeisterin von Bagdad hat ehrgeizige Pläne für die irakische Hauptstadt, die in den Jahren des Krieges schwer gelitten hat. Binnen zehn Jahren solle die Infrastruktur saniert und das historische Erbe der Jahrhunderte alten Stadt restauriert sein, sagte Thikra Alwash im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Die Bürgermeisterin von Bagdad hat ehrgeizige Pläne für die irakische Hauptstadt, die in den Jahren des Krieges schwer gelitten hat.
Die Bürgermeisterin von Bagdad hat ehrgeizige Pläne für die irakische Hauptstadt, die in den Jahren des Krieges schwer gelitten hat. - Foto: © APA/AFP

Dafür müsse sie zunächst jedoch die Finanzen in Ordnung bringen, weil das Budget bei weitem nicht ausreiche. „Als ich 2015 meinen Posten angetreten habe, war die Stadtverwaltung pleite“, sagt die 60-Jährige, die wie alle Bürgermeister von Ministerpräsident Haidar al-Abadi eingesetzt wurde. „Unser Budget beträgt 110 Milliarden Dinar (72 Millionen Euro), doch bräuchten wir das Doppelte, um die grundlegenden Dienstleistungen zu gewährleisten.“ Sie sei aber „auf gutem Weg“, das Budget aufzustocken, sagte Alwash.

Bagdad zählt heute 7,2 Millionen Einwohner – zwei Millionen mehr als 2015. Der Anstieg erklärt sich vor allem durch die Landflucht und den Konflikt mit der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS). Für Alwash hat die Sanierung des Trink- und Abwassersystems sowie der Müllabfuhr oberste Priorität in der irakischen Hauptstadt, in der regelmäßig das Wasser ausbleibt und in der wegen schlechter Hygiene diverse Krankheiten grassieren.

Masterplan 2013 soll alten Glanz wiederherstellen

Die Bauingenieurin, die an der Spitze einer Verwaltung mit 36.000 Mitarbeitern steht, erinnert daran, dass die Infrastruktur der Stadt massiv unter dem 1991 verhängten internationalen Embargo, der US-Invasion 2003 und den folgenden Jahren des Bürgerkriegs gelitten hat. Mit einem „Masterplan 2030“ will die Bürgermeisterin nun den alten Glanz der früheren Hauptstadt der Abbasiden am Tigris wiederherstellen.

Geplant ist der Bau einer Ringstraße, eines U-Bahnnetzes sowie die Erweiterung der Hauptstraßen, um die chronischen Staus zu reduzieren. Insbesondere will Alwash die beiden symbolträchtigen Hauptstraßen restaurieren: die einst glanzvolle Rashid-Straße und den Abu-Nawaz-Boulevard am Tigris-Ufer. Außerdem will die Bürgermeisterin die Stadt „zu beiden Seiten um zehn Kilometer erweitern“.

Alwash, die als einzige Frau an der Spitze einer Metropole im Mittleren Osten steht, strebt zudem eine Städtepartnerschaft mit Paris an, das ebenfalls von einer Frau regiert wird, Anne Hidalgo. Über die grassierende Korruption, die ihren Vorgänger das Amt gekostet hat, will sie „lieber nicht sprechen“. Sie glaubt aber, dass die Finanzen bei ihr in guten Händen sind, da Frauen „auf die Ausgaben zu achten verstehen“.

apa/afp

stol