Auslöser war ein Schreiben von Direktorin Isolde Maria Künig, in dem sie den Schülerinnen und Schülern Disziplinarmaßnahmen ankündigt, „falls die Bekleidung anstößig sein sollte und/oder falls Schülerinnen oder Schüler bauchfrei an der Schule erscheinen“.<BR /><BR /><embed id="dtext86-53763997_quote" /><BR /><BR /><BR />Zu dem Schreiben an die Schülerinnen und Schüler und die Erziehungsberechtigten sah sich Direktorin Isolde Maria Künig veranlasst, nachdem es, wie sie sagt, „in letzter Zeit immer wieder Klagen weiblicher Lehrpersonen gegeben hat, dass Schülerinnen sehr leicht bekleidet zum Unterricht kommen“. Es habe Klagen wegen einiger grenzwertiger Fälle gegeben, der Großteil der Klagen aber sei vorgebracht worden vor allem in der Sorge um die Gesundheit der Mädchen. Auf ungenügenden Schutz für die Nieren sei verwiesen worden, auf die Besorgnis, dass „bauchfrei“ für ein Körperideal steht und so manche Jugendliche, um gut „bauchfrei“ tragen und so mit den anderen mithalten zu können, sich gesundheitsschädigenden Diäten unterziehen. <h3> Der Brief</h3> An der Schule und auch bei so manchen Eltern hat der Brief der Direktorin für Wirbel und Protest gesorgt. Von einigen Eltern gab es aber auch Zustimmung. <BR /><BR />I<BR /><div class="img-embed"><embed id="756773_image" /></div> <BR />n dem Brief hatte Künig geschrieben, dass die Schule eine öffentliche Institution ist, „in der Regeln des guten Miteinanders einzuhalten sind. Diese Regeln fußen auf den ethischen Prinzipien der Würde und Dezenz. Selbstverständlich ist es unangebracht, durch das eigene Verhalten und auch durch mangelhafte Bedeckung des Körpers Irritationen auszulösen.“ Es gehöre zum Lehr- und Erziehungsauftrag von Schule, „den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, dass im institutionellen Umfeld, so in der Schule und später im Arbeitsleben, ein völlig anderer Dresscode vorgesehen ist, als in der Freizeit. Dieser Anspruch hat nichts mit Prüderie zu tun.“ <h3> Der Protest</h3>Aus Protest gegen diesen Brief, gegen „den Eingriff in die Selbstbestimmung“, gegen das „Diktat von oben“ wie es u. a. formuliert wurde, und gegen die angekündigten Disziplinarmaßnahmen kamen gestern viele Schülerinnen erst recht ‚„bauchfrei“ zur Schule. <BR /><BR /><embed id="dtext86-53764171_quote" /><BR /><BR />„Den Brief zu schreiben, war ein Fehler. Die Formulierung hat nicht gepasst und auch der Ton nicht und so ist die Botschaft anders angekommen, als sie gedacht war. Statt den Brief zu schreiben, hätte ich mit den Schülerinnen und Schülern reden sollen“, räumt Künig ein. <BR /><BR />Dies hat sie gestern nachgeholt. Sie hat die Klassensprecher mehrerer Klassen eingeladen, sich für den Brief entschuldigt, die angekündigten Disziplinarmaßnahmen im Falle unangemessener Bekleidung zurückgezogen und dargelegt, wieso sie den Brief geschrieben hat. <h3> Sexistische Äußerungen</h3>„Dies war in Ordnung“ , sagte gestern eine Klassensprecherin, und alle Mädchen der Klasse stimmten ihr zu. Mehr noch als der Brief aber hätten sie Sätze und Kommentare gewisser Lehrpersonen nicht nur geärgert, sondern zornig gemacht. Es seien Sprüche getan worden wie „Mädchen sollen froh sein, überhaupt an der Schule sein zu dürfen“ oder „Wenn man sich aufreizend kleidet, darf man sich nicht wundern oder ärgern, wenn man begrabscht wird“.<h3> Arbeitsgruppe</h3>Allein bei ihrer Entschuldigung für den Brief belässt es Direktorin Künig nicht. Eine Schülerin einer 5. Klasse habe angemerkt, dass der Brief auch etwas Gutes bewirkt habe, in dem sich in der Diskussion dazu gezeigt hat, dass das Thema Sexismus endlich einmal aufs Tapet gebracht werden muss, denn alle Mädchen ihrer Klasse hätten bereits Erfahrungen mit sexistischen Äußerungen gemacht. <BR /><BR /><embed id="dtext86-53764173_quote" /><BR /><BR />So hat die Direktorin für kommenden Mittwoch ein weiteres Treffen mit Schülerinnen und Schülern anberaumt, bei dem über die mögliche gemeinsame Erarbeitung eines Dresscodes an der Schule wie auch über das Thema Sexismus diskutiert wird. Ziel sei es, eine aus Schülerinnen und Schülern und auch einigen Lehrpersonen bestehende Arbeitsgruppe zu bilden, die entsprechende Vorschläge ausarbeitet, auch Vorträge zu den Themen organisiert usw. <BR /><BR />Es seien heikle und brisante Themen und, wie sich gezeigt habe, eine Debatte darüber dringend notwendig, sagt Künig. <BR />