Seit 13 Jahren ist Leo Tiefenthaler Obmann des Südtiroler Bauernbundes (SBB). Er steht in seiner dritten und letzten Amtsperiode, die in 2 Jahren endet. „Das ist auch gut so“, sagt der vehemente Verfechter der Amtszeitbeschränkung. <BR /><BR />Ein wenig ratlos wirkt Leo Tiefenthaler schon, wenn er an die Zeit nach dem Mandat beim Bauernbund denkt. Schließlich redet, rennt, sitzt, telefoniert und verhandelt der stets adrette Landwirt aus Montan seit 30 Jahren für den Verband, zuerst 12 Jahre als Bezirksobmann, dann 5 Jahre als Stellvertreter des Landesobmannes und seither an der Spitze des Bauernbundes. Nicht mitgerechnet sind seine Amtszeiten als Bauernjugend-Ortsobmann und als SBB-Ortsobmann von Montan. <h3> Kurzurlaub im Weinberg</h3>Der Bauernbund ohne Leo Tiefenthaler und Leo Tiefenthaler ohne Bauernbund – das klingt für beide Seiten doch etwas unvorstellbar. Aber allzu viele Gedanken macht sich der Betroffene noch gar nicht darüber. Dafür hat er schlichtweg keine Zeit. Sein Ehrenamt nimmt ihn 6, oft auch 7 Tage in der Woche in Anspruch – und ergibt sich tatsächlich einmal ein halber Tag ohne Termine, dann geht der 60-Jährige mit einer „Mordsfreude“ zum Baumschneiden oder jetzt im Frühling zum Rebenpflanzen mit seinem Sohn Hans, der den Hof bald übernehmen wird. Freimütig gesteht er: „Mein Beruf ist zum Hobby geworden.“<BR /><BR /> Tatsächlich fühlen sich die Stunden der körperlichen Arbeit in der frischen Luft für Leo Tiefenthaler wie ein Kurzurlaub an. Am Ende ein sichtbares Ergebnis – etwa einen frisch bepflanzten Weinberg – vor sich zu haben, erfüllt ihn mit Genugtuung. Dieses Gefühl, am Ziel zu sein, hat ein Verbandsobmann eher selten. Zu undurchsichtig ist der Bürokratiedschungel, zu langwierig so mancher Prozess. Trotzdem mag Leo Tiefenthaler den „Job“ beim Verband, „nicht zuletzt wegen der tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sei es ehrenamtlich wie im Büro.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="761663_image" /></div> <BR />Der Bauernbund-Chef hält viel von Teamarbeit, obwohl er als Einzelkind aufgewachsen ist. Als sein Vater starb, war Leo 13. Seine Mutter, eine Tante und viele gute Freunde sorgten dafür, dass es auf dem Hof nach diesem Schicksalsschlag weiterging. <BR /><BR />Nach seiner Ausbildung in der Landwirtschaftsschule der Laimburg übernahm der junge Leo die Verantwortung auf dem Hof. Er war froh für jede Hilfe, erkannte den Wert einer Gemeinschaft. Das war wohl mit ein Grund dafür, warum er sich schon früh der Bauernjugend anschloss. „Nur gemeinsam bringt man etwas voran“, davon ist er bis heute überzeugt.<BR /><BR />Für ein Ehrenamt – vor allem wenn es so anspruchsvoll ist wie jenes des Bauernbund-Landesobmannes – muss man bei aller Überzeugung auch irgendwie geschaffen sein. Das weiß Leo Tiefenthaler. „Ich bin gern in Gesellschaft, interessiere mich für viele Belange.“ Vielleicht hat man ihn deshalb zusätzlich noch zum Obmann der Kellerei Tramin gewählt und zum Präsidenten der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft. <h3> Leben in der Öffentlichkeit</h3>Seine Familie, sagt er, sei sein Leben in der Öffentlichkeit gewohnt. „Die kennen mich nicht anders.“ Die Familie – das sind Gattin Ulrike Pfraumer und die Drillinge Franz, Hans und Maria, inzwischen 25 Jahre alt. Leo Tiefenthaler erinnert sich noch gut an die ersten Jahre mit den 3 Gleichaltrigen, vor allem an wenig Schlaf und viel Arbeit, „die hauptsächlich meine Frau erledigt hat“, wie er dankbar einräumt. <BR /><BR />Freie Stunden verbrachte die Familie damals am liebsten auf Castelfeder, und zwar zu jeder Jahreszeit. Im Sommer wagte sich das Paar mit dem aufgeweckten Nachwuchs manchmal in ein Schwimmbad. Dort kam dann auch Vater Leo auf seine Kosten: „Ich bin immer schon gerne geschwommen.“ Heute tut er das höchstens, wenn tatsächlich einmal Zeit für einen Kurzurlaub in einem Hotel bleibt. Wenn nicht, verbringt er freie Stunden gern beim Wandern, „ohne hohe Ansprüche“, wie er betont. <h3> Tischler und Formel-1-Fan</h3>Ein wirkliches Hobby, wie es viele Menschen pflegen, hat Leo Tiefenthaler für sich nie entdeckt. Obwohl – wenn er so nachdenkt, fällt ihm ein: „Wäre ich nicht Bauer geworden, wäre ich heute wohl Tischler.“ Das kreative Arbeiten mit Holz hat ihm schon als Kind Spaß gemacht. Als Jugendlicher half er seinem Onkel, der Tischler war. „Ich habe mir sogar ein Bett gezimmert – und einen Stereoturm“, erinnert sich der Rolling-Stones-Fan. Derzeit beschränkt sich seine handwerkliche Tätigkeit auf jene des Hausmeisters daheim: „Ich repariere so ziemlich alles, was kaputt geht.“<BR /><BR /> Richtig Feierabend hat Leo Tiefenthaler meist erst spät abends. Nur an Sonntagen, wenn die Veranstaltungen oft schon vormittags stattfinden, kann er den Nachmittag oder Abend manchmal ganz in Ruhe auf dem Sofa verbringen. Motorradrennen oder die Formel 1 sorgen bei ihm dann für Nervenkitzel, Doku-Formate wie „Terra X“ für jene Entspannung, die er sich redlich verdient hat.<BR /><BR />ZUR PERSON<BR /><BR />Leo Tiefenthaler, Jahrgang 1961, ist in Montan geboren und aufgewachsen. Er hat nach dem frühen Tod seines Vaters die Landwirtschaftsschule Laimburg besucht und den elterlichen Bauernhof übernommen. Zahlreiche Funktionen im Südtiroler Bauernbund prägen sein Leben. Er ist mit Ulrike Pfraumer verheiratet und Vater der 25-jährigen Drillinge Franz, Hans und Maria.<BR />