Auch wenn Südtirol beim Pro-Kopf-Wert für online-Glücksspiele mit 984,67 Euro italienweit nur auf dem 97. Platz (von 102 Provinzen) liegt, so bleiben die Ausgaben dennoch enorm. Und die Verluste auch. Allein in Südtirol wurden im vergangenen Jahr insgesamt weit über 22 Millionen Euro bei online-Glücksspielen verloren. <BR /><BR />Die Zahlen aus dem neuen Schwarzbuch des Verbandes „Federconsumatori“ in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft CGIL sowie der Stiftung Isscon sind beeindruckend. In ganz Italien haben die Bürger 150 Milliarden Euro für Glücksspiele ausgegeben, davon 82 Milliarden für online-Glücksspiele (illegale Glücksspiele nicht mitgerechnet). Das sind italienweit allein für online-Glücksspiele 1925,83 Euro pro Kopf für 2023 (bezogen auf die Bevölkerung zwischen 18 und 74 Jahren). 4,2 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in Italien allein beim online-Glücksspiel verloren.<BR /><BR />Trotz kleinerer und größerer Gewinne, die es bei den Spielen stets gibt, hat statistisch gesehen 2023 jeder Spieler in Südtirol unterm Strich knapp 6 Prozent seines Einsatzes verloren. Eigentlich eine einfach Rechnung: Würde sich das Glücksspiel für die Anbieter nicht lohnen, würden sie es nicht anbieten. Die Verluste müssen also die Gewinne unterm Strich übersteigen. <BR /><BR />Doch warum spielt man trotzdem? „Zumeist fangen Personen aus Neugierde an. Man will mal sein Glück versuchen, einen kleinen Nervenkitzel haben. Auch weil im Alltag oft nicht viel Spannendes passiert“, erklärt Dr. Fronthaler. „Dieses Ausprobieren ist ein typisch menschliches Bedürfnis. Und es wird auch nicht jeder gleich spielsüchtig, der hin und wieder ein Rubbellos kauft oder online zockt.“ <BR /><BR />Doch wie bei so vielen Dingen gibt es auch hier eine „Grenze der Unbedenklichkeit“ – und Menschen rutschen in eine teils schwere und krankhafte Spielsucht. Der Prozess, so der Psychologe und Psychotherapeut, erfolgt schleichend, manchmal über Monate. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, heißt es. „Und die Betreiber solcher online-Glücksspiele kennen alle kleinen Tricks der Psychologie: Immer wieder ein kleines Geschenk, so funktioniert das auch bei harmlosen Spielen. Man sammelt Punkte und kann sie dann in einen neuen Ausrüstungsgegenstand für seinen Helden investieren. Beim Glücksspiel um Geld sind es eben die kleinen Gewinne, die man natürlich immer wieder erhält. Und die auch den Glauben an den großen Gewinn aufrecht erhalten“, so der Experte. <BR /><BR />Die Statistik beweist das Gegenteil: „Aber wenn man in diesem Tunnel ist, dann verliert man den Bezug zur Realität und klammert auch das logische Denken aus. Man glaubt an die Illusion“, sagt Dr. Fronthaler. Und absurder Weise setzt man seine Hoffnung auf den großen Gewinn gerade dann, wenn die Schulden besonders drückend werden. Doch wo ist die Grenze zwischen einem harmlosen Zeitvertreib und der Abhängigkeit? Bedenklich, so Dr. Fronthaler, werde es, wenn man sich den ganzen Tag über mit dem Gedanken beschäftigt, wie und wo man nun endlich in Ruhe spielen kann. <BR /><BR />„Hier reden wir schon von einem Missbrauch. Werden dann auch noch Beziehungen gekappt, vernachlässigt man seine Freunde zugunsten des neuen ,Freundes„ und vereinsamt man, dann ist man in die Anhängigkeit gerutscht – häufig verbunden mit großen finanziellen Verlusten“, erklärt er weiter. <BR /><BR />Höchste Zeit, sich für eine Therapie zu entscheiden. Doch während die Zahl der Spieler auch in Südtirol zunimmt, stagniert die Zahl der Patienten. Kein gutes Zeichen. „Die Situation ist regelrecht bizarr“, findet Dr. Fronthaler. Denn bei derart hohen Spielerzahlen (allein 2022 sind 44.000 Benutzerkonten in der Region Trentino/Südtirol neu angelegt worden), „muss es viele Menschen geben, die in argen Schwierigkeiten stecken. Sie outen sich aber nicht. Im Gegenteil, sie wenden unglaublich viel Energie auf, um ihre Sucht zu verstecken. Und keine Motivation, sich helfen zu lassen“, bedauert Dr. Fronthaler. Dabei seien gerade bei Therapien gegen Abhängigkeitserkrankungen „die Erfolgschancen sehr, sehr hoch.“