In Australien bereits umgesetzt, in Österreich beschlossene Sache und auch in Italien soll es kommen – ein Social-Media-Verbot unter einer bestimmten Altersgrenze. Auch in Südtirol ist der überwiegende Teil der Bevölkerung offensichtlich für die Einführung einer solchen Altersgrenze, wie die KOMMA-Befragung zeigt. <BR /><BR /><BR /><BR />Die Analyse fällt KOMMA-Geschäftsführer Stefan Premstaller nicht schwer: „Die Frage nach einer Altersgrenze für soziale Medien stößt in Südtirol auf breite Zustimmung.“ 84 Prozent der Südtirolerinnen und Südtiroler sprechen sich dafür aus, für Kinder bis etwa 15 Jahren ein Social-Media-Verbot einzuführen. Lediglich elf Prozent lehnen eine solche Maßnahme ab, fünf Prozent machen dazu keine Angabe. „Der Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum scheint für einen Großteil der Bevölkerung einen hohen Stellenwert zu haben“, so Stefan Premstaller.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1334016_image" /></div> <BR /><BR />Zwischen den Altersgruppen zeigen sich bei den Befragten jedoch interessante Unterschiede. Am zurückhaltendsten äußern sich – „wenig überraschend“ – die 18- bis 29-Jährigen. Zwar befürwortet auch in dieser Altersgruppe eine Mehrheit ein Verbot, gleichzeitig fällt die Zustimmung deutlich geringer aus als in allen anderen Generationen. Besonders hoch ist sie hingegen bei den 30- bis 44-Jährigen sowie bei den über 60-Jährigen. Bemerkenswert sei, so Premstaller, dass damit gerade jene Altersgruppen, die häufig selbst als Eltern oder Großeltern Verantwortung für Kinder und Jugendliche tragen, ein Social-Media-Verbot besonders deutlich befürworten. <BR /><BR />Auch zwischen den Sprachgruppen zeigen sich Unterschiede. Deutsch- und ladinischsprachige Südtirolerinnen und Südtiroler sprechen sich häufiger für ein Social-Media-Verbot aus als italienischsprachige Befragte. Gleichzeitig findet die Idee in allen drei Sprachgruppen eine klare Mehrheit.<BR /><BR />Die Ergebnisse verdeutlichen, so Premstaller, dass die gesellschaftliche Debatte über soziale Medien längst nicht mehr nur Fragen der Digitalisierung oder des technischen Fortschritts betrifft. Zunehmend rücken Kinder- und Jugendschutz sowie die Verantwortung von Politik, Plattformbetreibern und Eltern in den Mittelpunkt. <BR /><BR />„Mit der fortschreitenden Digitalisierung wird die Frage nach altersgerechten Regeln für soziale Medien weiter an Bedeutung gewinnen. Unabhängig davon, ob künftige Lösungen in gesetzlichen Altersgrenzen, technischen Schutzmechanismen oder einer stärkeren Medienkompetenz liegen, zeigen die Ergebnisse unserer Befragung eines deutlich: Eine große Mehrheit der Südtirolerinnen und Südtiroler wünscht sich einen stärkeren Schutz von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit sozialen Medien“, so Premstallers Gesamtanalyse.<BR /><BR /><b>Manuel Oberkalmsteiner</b> vom Forum Prävention findet in den Umfrage-Ergebnissen die Meinung der Südtiroler gut abgebildet. Für ihn sind die hohen Zustimmungswerte für ein Social-Media-Verbot „Ausdruck der Sorgen und Ängste der Eltern und Erwachsenen allgemein“. Allerdings gibt er zu bedenken, dass nur über 18-Jährige befragt wurden und schon in der Altersklasse 18 bis 29 Jahre die Zustimmung zum Verbot zurückhaltender ausfällt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1334019_image" /></div> <h3> Oberkalmsteiner: „Es braucht Regulierungen, die auch umgesetzt werden“</h3>„Auch Jugendliche haben ein Gespür dafür, dass einige Dinge im Bereich der sozialen Medien nicht gut laufen. Andererseits: Unsere Gesellschaft ist nun einmal digital und daran wollen auch die Jungen teilhaben.“ Das decke sich auch mit der Richtung, die man beim Forum Prävention eingeschlagen sehen möchte: „Es braucht Regulierungen, die auch umgesetzt werden“, fordert Oberkalmsteiner.<BR /><BR /> Das sei der Königsweg und der sei einem generellen Verbot vorzuziehen. Zumal von Regeln, die z. B. süchtig machende Formate ausschließen, alle profitieren würden. Der Wunsch danach sei auch auf EU-Ebene da, weiß er, „es scheitert an der Umsetzung“.<BR /><BR />Wie gerade das Beispiel Australien zeige, funktioniere ein generelles Verbot nicht, weil sich stets Wege finden ließen, es zu umgehen. „Zudem wiegt es Eltern in falscher Sicherheit und treibt die Jugendlichen von den großen auf kleinere – unkontrollierte – Plattformen“, mahnt er. Die Diskussion sei dennoch gut und wichtig. <BR /><BR /><b>Bildungslandesrat Philipp Achammer</b> ist selbst ein vehementer Verfechter eines Social-Media-Verbots: „Solange Kinder und Jugendliche in diesen Plattformen nicht ausreichend vor Hass, Sexualisierung und Mobbing geschützt werden, braucht es harte Maßnahmen: Ein Verbot unter 14 Jahren ist absolut notwendig.“ Durch die Umfrageergebnisse fühlt er sich in seinen Bemühungen bestätigt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1334022_image" /></div> <BR />„Ich bekomme viele Meldungen besorgter Eltern, die sich hier dringend Hilfe erwarten“, berichtet Achammer. Denn die Inhalte, auf die Kinder in den sozialen Medien Zugriff hätten, seien oftmals nicht adäquat: „Jedes Kind kann heutzutage auf alles zugreifen. Und Eltern sind mit dieser Situation überfordert“, weiß er. Das zeige sich auch in der Umfrage, findet er. Zwar würden einschlägige Plattformen von sich behaupten, Kinder und Jugendliche vor gewissen Inhalten zu schützen. <BR /><h3> Achammer wurde bereits bei Unterrichtsminister Giuseppe Valditara vorstellig </h3>Doch de facto sei dem nicht so. „Und solange das nicht passiert, braucht es anderweitige Schutzmaßnahmen“, so der Bildungslandesrat. <a href="https://www.stol.it/artikel/politik/social-media-verbot-lr-achammer-erhaelt-zustimmung-aus-rom" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wie berichtet</a>, ist er mit seinem Anliegen bereits bei Unterrichtsminister Giuseppe Valditara vorstellig geworden und will in Rom auch weiter in dieser Richtung nachsetzen. Gleichzeitig müsse man die Heranwachsenden in ihrer Medienkompetenz weiter stärken und auf die digitale Welt vorbereiten. Neben den Inhalten sieht er auch bestimmte Formate an sich sowie die „Bildschirmzeit“ bereits bei kleinen Kindern als problematisch an. „Die Aufmerksamkeitsspanne unserer Kinder sinkt“, weiß er.<BR /><BR />Beim <b>Südtiroler Jugendring</b> sieht man die Umfrage-ergebnisse mit gemischten Gefühlen. Dass soziale Medien Schaden anrichten können, steht auch für <b>Piero Balestrini</b> außer Frage. „Aber wenn wir ehrlich sind, klebt die ganze Menschheit an den Handys und Bildschirmen. Das leben wir unseren Kindern und Jugendlichen vor – und dann kommen wir ihnen mit Verboten?“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1334025_image" /></div> <BR /><BR />Für Balestrini fängt das Problem schon bei der Auswahl an. „Geht es hier nur um Plattformen wie Tiktok, Snapchat, Instagram? Was ist mit Youtube? Auch da kann man stundenlang neben Musikvideos auch Tutorials und Influencerbeiträge in Dauerschleife schauen“, sagt er.<BR /><BR /> Und was sei mit WhatsApp und anderen Kommunikationskanälen? „Die digitale Welt ist so unendlich groß und zudem in ständiger Weiterentwicklung“, dass man kaum nachkomme. Und eine für ihn besonders besorgniserregende Auswirkung sei mit einem eventuellen Verbot bestimmter Netzwerke nicht gelöst: „Wir verlieren als Gesellschaft die Fähigkeit zu kommunizieren“, sagt er. <h3> Balestrini: „Aus der Schule gehören Handys verbannt“</h3>Für ihn geht es daher weniger um ein Für und Wider zum Social-Media-Verbot, sondern um einen gesellschaftlich bewussteren Umgang mit der digitalen Welt. Ganz gegen Verbote ist er jedoch nicht: „Aus der Schule gehören Handys verbannt. Damit Kinder und Jugendliche in diesen Stunden die Erfahrung machen können, es geht auch ohne.“ Denn „es gibt Jugendliche, die schaffen es buchstäblich nicht mehr, das Handy aus der Hand zu legen“<BR />.