Samstag, 04. November 2017

Belästigungs-Vorwürfe: Pilz nimmt Mandat nicht an

Der langjährige Grüne Abgeordnete und Listengründer Peter Pilz wird sein Nationratsmandat nicht annehmen. Das gab er am Samstagvormittag bei einer Pressekonferenz bekannt.

Peter Pilz soll angeblich vor seinem Rücktritt stehen. - Foto: APA (Fohringer)
Peter Pilz soll angeblich vor seinem Rücktritt stehen. - Foto: APA (Fohringer)

Für die APA war Pilz seit Freitag nicht erreichbar, um Samstagvormittag hat er nun eine Pressekonferenz gegeben. Die Einladung zur „persönlichen Erklärung” war im Zuge von Berichten von „Presse” und „Profil” Freitagabend erfolgt, wonach eine frühere Mitarbeiterin Pilz verbale und körperliche sexuelle Belästigungen vorwarf.

Angeblich sexueller Übergriff aus dem Jahr 2013 

Samstagfrüh berichtete nun die Wochenzeitung „Falter” von einem angeblichen sexuellen Übergriff durch Pilz aus dem Jahr 2013: Im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach soll der Mandatar eine der Wochenzeitung namentlich bekannte Frau begrapscht haben. Dies führe nun zum Rücktritt des langjährigen Politikers, schreibt der „Falter”.

„Ich habe in der Politik und im Parlament immer klare Maßstäbe gesetzt und diese gelten selbstverständlich auch für mich”, zitiert die Wochenzeitung Pilz. Er erbat sich demnach aber noch Bedenkzeit, um die Sache mit seinen Weggefährten zu besprechen.

Seine Hände seien überall gewesen

Die junge Frau behauptet laut „Falter”, dass sich Pilz ihr in Alpbach betrunken genähert habe. „(...) seine Hände waren überall! Zuerst umklammerte er meinen Arm, mit der anderen Hand war er meinem Hals und dann an meinem Busen und Rücken. Auch sein Gesicht war viel zu nahe an mir. Das ging alles ziemlich schnell”, zitiert die Wochenzeitung die EVP-Mitarbeiterin.

„Ich konnte mich nicht bewegen, nicht atmen, geschweige denn wehren. Ich rechne ja nicht damit, dass ich in einer gemütlichen Runde am EFA plötzlich aggressiv begrapscht werde.” Für den Vorfall gebe es auch Zeugen.

Pilz kann sich daran laut eigenen Angaben nicht erinnern. „Ich kann dazu nichts mehr sagen. Es tut mir leid. Aber wenn es 2 Zeugen dafür gibt, werde ich zurücktreten. Ich habe hohe Maßstäbe und diese gelten auch für mich.”

Zukunft der Liste Pilz ungewiss

Wie es nun mit seiner Liste Pilz weitergeht, ist unklar. Nach seinem Zerwürfnis mit den Grünen hatte Pilz eine eigene Partei gegründet - während die Grünen bei der Wahl Mitte Oktober aus dem Nationalrat flogen, schaffte Pilz den Einzug.

Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung seiner Mitarbeiterin waren innerhalb der Grünen bekannt und dürften mit ein Grund gewesen sein, dass Pilz bei der Kandidatur für den vierten Listenplatz leer ausging, wird in der Partei erzählt. Dass die Vorwürfe nicht öffentlich gemacht wurden, liege am Wunsch der Betroffenen nach Verschwiegenheit, hieß es bei den Grünen.

apa

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stol