Mittelmeer-Mönchsrobben (lateinisch: Monachus monachus) sind durch Verfolgung extrem selten geworden. Jahrzehntelanger Lebensraumverlust und Konflikte mit Fischern, die die Robben als lästig empfanden, weil sie Netze beschädigten und Fische stahlen, führten zu einem drastischen Rückgang der Population. Dank anhaltender Artenschutzbemühungen hat sich die Tierart etwas erholt. <BR /><BR />Die seltenen Meeressäuger, die sich durch ihre großen Augen, ihre Schnurrhaare, ihre doppelte Schwanzflosse und ihre Beweglichkeit im Wasser auszeichnen, sind die einzige Robbenart, die im Mittelmeer heimisch ist. Etwa die Hälfte der schätzungsweise 800 Exemplare lebt in griechischen und türkischen Gewässern (Foça, Anamur und Alonnisos), wo Meereshöhlen natürliche Unterschlupfmöglichkeiten für die Brut und die Aufzucht der Jungtiere bieten. <BR /><BR />Kleinere Restpopulationen leben an der afrikanischen Küste zwischen Marokko und der Westsahara (dort an der Südspitze der Halbinsel Ras Nouadhibou) und bei den Ilhas Desertas im Madeira-Archipel im Atlantik, aber auch in der Straße von Sizilien bei La Galite (Tunesien). Kleine Populationen wurden an der Küste Istriens, etwa in der Nähe der Stadt Pula, gesichtet. <h3>Selfies als Ruhestörer</h3>Manchmal werden Mittelmeer-Mönchsrobben auch an den Stränden Italiens gesichtet. So wie das Exemplar vor wenigen Tagen. „Diese Nachricht… ist ein außergewöhnliches Ereignis von hohem ökologischem Wert für die Marken und die gesamte Adria“, freute sich Tommaso Rossi, Beauftragter des WWF in der Region. <BR /><BR />Leider sei das Auftauchen des Tiers von einer beunruhigenden Tatsache begleitet gewesen. „Es wurde nämlich mehrmals von Neugierigen gestört, die sich ihm zu sehr näherten, um Fotos und Selfies zu machen, sodass es gezwungen war, ins Wasser zurückzukehren, bevor es sich an Land ausruhen konnte.“ <BR /><BR />In sozialen Netzwerken kursierten am Weihnachtstag neue Videos, die das Tier am Ufer zeigen, gefolgt von einem schnellen Rückzug ins Wasser. Besonders kritisiert wird ein Vorfall in den frühen Morgenstunden, bei dem sich ein Fotograf der schlafenden Robbe genähert haben soll. Daraufhin sei das Tier aufgewacht und ins Meer geflüchtet.<BR /><BR />Der WWF Marken hat sofort reagiert und Bürger, Einwohner und Touristen über die sozialen Medien aufgefordert, sich nicht zu nähern, einen Mindestabstand von 50 Metern einzuhalten, den Fluchtweg zum Meer niemals zu versperren und dazu beizutragen, eine ruhige Umgebung um das Tier herum zu schaffen. Die Mönchsrobbe sei nämlich eine Art, die oft über 24 Stunden ununterbrochene Ruhe an Land benötigt, um neue Energie zu tanken: Jede Störung kann ihr Wohlbefinden und ihren Verbleib in der Gegend ernsthaft beeinträchtigen. <h3> „Neugier in Verantwortung verwandeln“</h3>„Wir stehen vor einem Ereignis von enormem naturkundlichem und kulturellem Wert: Die Mönchsrobbe ist ein lebendes Symbol des Mittelmeers, eine Art, die nach einer sehr langen historischen Abwesenheit wieder an unseren Küsten auftaucht. Aber diese außergewöhnliche Präsenz stellt uns sofort vor eine Entscheidung: Neugier in Verantwortung verwandeln“, so Tommaso Rossi auf Instagram. <BR /><BR />„Leider schaffen wir es immer noch nicht, uns so zu verhalten, wie wir sollten“, kritisierte auch der Mönchsrobben-Experte und Naturschützer Emanuele Coppola bei Facebook. Die Robbe habe nahe eines Hotels geschlafen. „Dann kam jemand mit einem Handy, der sich ihr sehr näherte, um ,sein‘ nutzloses Foto zu machen.“ <BR /><BR />Im Internet wurde nun eine Belohnung von 1.000 Euro für ein Bürgerkomitee ausgelobt, das der Robbe mehr als 24 Stunden ununterbrochene Ruhe verschaffen und das dokumentieren könne, hieß es von Coppola bei Facebook weiter.<BR /><BR />Auch Behörden und Organisationen zum Schutz der Meeresfauna wurden aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen. Ziel ist es, die für die Adria außergewöhnliche Anwesenheit der Mönchsrobbe zu schützen und eine weitere Störung durch Menschen zu verhindern.