Dienstag, 26. Juli 2016

Berlusconis Forza Italia soll neu gegründet werden

Die Rekonvaleszenzphase nach der schweren Herzoperation im Juni ist fast zu Ende und Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi beschäftigt sich wieder mit seiner kriselnden Oppositionspartei Forza Italia. Der 79-jährige Medientycoon hat unter seinen Vertrauten seinen politischen Ziehsohn gewählt.

Silvio Berlusconi will seine Forza Italia neugründen lassen.
Silvio Berlusconi will seine Forza Italia neugründen lassen. - Foto: © LaPresse

Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Telekom-Manager Stefano Parisi. Der 60-jährige Parisi, erfolgloser Kandidat des Mitte-rechts-Lagers für die Bürgermeisterwahl in Mailand im Mai, ist von Berlusconi mit der Neugründung der Forza Italia beauftragt worden. Der gebürtige Römer, Ex-Generaldirektor des Unternehmerverbands Confindustria und Ex-Geschäftsführer des Telekomkonzerns Fastweb, soll eine Strategie für den Neustart der Gruppierung entwickeln.

Ziel: Neue Mitte-rechts-Allianz

Ziel ist der Aufbau einer neuen Mitte-rechts-Allianz, die bei den spätestens 2018 stattfindenden Parlamentswahlen Chancen auf Erfolg haben könnte. „Parisi ist die richtige Person für die Neugründung eines Mitte-rechts-Blocks, der Italien eine neue Perspektive verleihen kann“, meinte Berlusconi.

Der Ex-Premier hofft, dass Parisi die Lega Nord und die konservative NCD zum Beitritt in die Mitte-rechts-Allianz überreden kann. Mit der Lega Nord war Berlusconis Forza Italia zehn Jahre lang bis 2011 verbündet. Die Allianz war nach dem Sturz von Berlusconis Kabinett im November 2011 in die Brüche gegangen.

Parisi war in Mailand erfolglos

Parisi hatte sich zwar im Bürgermeisterduell gegen Mitte-links-Kandidaten Giuseppe Sala in Mailand nicht behaupten können, er hatte es bei der Stichwahl aber auf 40,8 Prozent geschafft, was über den Erwartungen Berlusconis lag. „Ich will meinen Beitrag für den Wiederaufbau des Mitte-rechts-Lagers leisten“, erklärte Parisi.

Auch Angelino Alfano will neues Bündnis

Um eine Neugründung des krisengeschüttelten Mitte-rechts-Lagers bemüht sich auch Innenminister Angelino Alfano, Chef der Regierungspartei Nuovo Centro Destra. Alfano, der 2013 im Streit mit Berlusconi die Forza Italia verlassen und die NCD-Gruppierung gegründet hatte, will ein Projekt für die Gründung einer neuen Mitte-rechts-Allianz mit Ausschluss der Lega Nord vorschlagen.

Ziel sei der Aufbau eines liberalen und gemäßigten Blocks, dem sich auch andere Gruppierungen anschließen könnten, sowie die verunsicherte und orientierungslose gemäßigte Wählerschaft zu gewinnen, meinte der Minister.

Alfano erklärte, er werde aus Verantwortungsbewusstsein weiterhin die Regierung von Premier Matteo Renzi unterstützen, da noch wichtige Reformen unter Dach und Fach gebracht werden müssten. Die Zeit sei jedoch für einen Neustart des Mitte-rechts-Blocks reif.

apa

stol