Zeig mir deine Kleider, und ich sage dir, wer du bist. Dieser abgewandelte Sinnspruch würde wohl Bände aussagen über den Bezug der heutigen Konsumgesellschaft zu ihren Kleidern. Besonders viel darüber zu erzählen weiß Susanne Barta, seit vielen Jahren überzeugte Kleiderbotschafterin aus Bozen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313235_image" /></div> <BR /><BR />„Der überwiegende Großteil meines Kleiderschranks ist mit Waren zweiter Hand gefüllt, daran habe ich große Freude“, sagt sie und vertieft den Gedanken. So birgt ihr Kleiderschrank allerhand Stücke, die sie in Second-Hand-Läden und auf Tauschmärkten erworben hat, manche Teile strahlen Vintage-Flair aus, andere haben großen persönlichen Wert, wie Schmuck von ihrer Großmutter oder Kleider von heimischen Designerinnen wie Dagmar Gruber und Violeta Nevenova. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313238_image" /></div> <h3> „Das Thema hat mich gefunden“</h3>Schon seit geraumer Zeit, noch lange vor dem Aufkommen der Ultrabillig-Internetplattformen im Textilbereich, habe sie nach alternativen Wegen und schonenden Praktiken gesucht. Schnell wurde sie fündig, seitdem lässt sie das Thema nicht mehr los: „Mir wurde klar, dass in diesem Sektor vieles verkehrt läuft, und so habe ich beschlossen, ein Teil der Veränderung zu sein.“ Folglich verfolgt sie seit über zehn Jahren das Ziel, über die Praktiken in der globalen Textilbranche zu informieren, Kreisläufe und Alternativen aufzuzeigen sowie mit allerlei Tipps zu inspirieren. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313241_image" /></div> <BR />Nachdem der Markt so stark wie nie zuvor von überaus fragwürdigen Billigtextilien überschwemmt werde, müsse man unweigerlich die Folgen im Auge haben. <BR /><BR />„Hier gibt es nichts zu beschönigen, denn diese Massenware ist von niedrigster Qualität und landet vielfach schneller als gedacht auf irgendwelchen Müllhalden – mit all den Belastungen für die Arbeiter, die Umwelt, das Klima und natürlich auch unsere lokalen Wirtschaftskreisläufe“, legt sie den Finger in die Wunde. <h3> „Lust am Anziehen vermitteln“</h3>Aber Susanne Barta beteuert auch: Niemand wird gerne von oben herab belehrt, niemand möchte in seinem Tun eingeschränkt werden. Sie weiß nur zu gut, welchen Effekt die Abwechslung und das Neue auf die Leute haben, weshalb sie sagt: „Es geht mir darum, die Freude an der Mode und die Lust am Kreativen auszuleben – am besten mit der Genugtuung, etwas Positives für sich selbst und für die Gemeinschaft zu bewirken.“<BR /><BR />Konkret bedeute das etwa, sich Mode als Spiegel der eigenen Persönlichkeit zu vergegenwärtigen, den Wert von gut erhaltener Gebrauchtkleidung zu reflektieren oder immer wieder mal neue Ideen zur Pflege und zur Reparatur zu testen. Wobei: Hierbei kann man sich eh jener Generation orientieren, die aus schierer Not auf jeden Pullover, jedes Kleid und jedes Paar Socken achten musste. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313244_image" /></div> <BR />Susanne Barta empfindet sich heute als Slow Fashionista, also als eine Art Kleiderbotschafterin. Ihre breit gestreute Tätigkeitspalette deckt die vielseitige Boznerin unter dem Beruf der Kommunikationsfachfrau ab. Viele Jahre war die Publizistin im Radio tätig, hatte eine wöchentliche Rubrik auf RAI Südtirol, als Freiberuflerin widmete sie sich einem breiten Themen-Potpourri. Geboren wurde sie 1967 in Innsbruck, in Wien studierte sie Rechtswissenschaften, dort entdeckte sie in einem Verlag ihre kreative Ader und die Lust zum Schreiben. <BR /><BR /><embed id="dtext86-74732698_listbox" /><h3>Die Liebe verschlug sie nach Bozen</h3>Die Liebe verschlug sie schließlich nach Südtirol. „Ich lebe seit mittlerweile 30 Jahren hier und bin sehr glücklich verheiratet“, schlägt sie einen Bogen ins Private. Ihr Mann, Urban von Klebelsberg, ist in Bozen unternehmerisch tätig, ihr Sohn Konstantin aus erster Ehe hat sich indessen in der portugiesischen Hafenstadt Porto als Finanzexperte sesshaft gemacht. Susanne Barta nutzt gerne die Gelegenheiten für den einen oder anderen Besuch in Porto, dann geht sie auch gerne auf Spurensuche.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313247_image" /></div> <BR /> „Ich verbinde Reisen mit meinem Interessengebiet, schaue mir die lokale Textilszene an und knüpfe Kontakte zu Designern“, erklärt sie. So habe sich auch ein interessanter Brückenschlag zur lebhaften Designerszene in Kampala, Uganda, ergeben. Die Slow Fashionista unterstützt mit neuartigen Formaten die dortigen Modemacher.<BR /><BR />Das Zentrum ihres Wirkens ist ganz klar Bozen, indem sie ihre Erkenntnisse für mehrere Portale aufbereitet (etwa im Slow Fashion Blog von franzmagazine oder auf einer internationalen Plattform unter ihrem Account the Slow Fashionista), indem sie Veranstaltungen moderiert, indem sie als Expertin und Coach auftritt, indem sie lokale Modeschöpferinnen unterstützt und indem sie Konzepte wie die Südtiroler Initiative Fashion For Future vorantreibt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313250_image" /></div> <BR /> „Wir sollten nicht vergessen, wie sehr gerade in der heutigen Welt Grundtugenden wie Respekt, Bildung, Freundlichkeit oder Gemeinschaftssinn gefragt sind“, verdeutlicht sie ihre Haltung. Genau mit einer solchen Einstellung dürfte die Slow Fashionista als Gegenstück zur Ultra-Fashion-Welt verstärkt an Bedeutung gewinnen. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-74732693_listbox" />