Montag, 08. Oktober 2018

Bezeichnung „Vollkorn“: Wofür steht sie?

Bei „Vollkornmehl“ ist die Sachlage klar: Vollkornmehl wird aus dem vollen Getreidekorn samt Keimling und Samenschale gewonnen. Es enthält daher mehr Ballaststoffe, Mineralstoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe als das Auszugsmehl. Die Bezeichnung bei bereits verarbeiteten Produkten ist jedoch nicht klar, informiert die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS).

In Italien wurde in der Vergangenheit die Bezeichnung „Vollkorn“ („integrale“) sogar für solche Backwaren als zulässig eingestuft, die nicht aus Vollkornmehl, sondern aus Auszugsmehl und Kleie hergestellt werden.
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In Italien wurde in der Vergangenheit die Bezeichnung „Vollkorn“ („integrale“) sogar für solche Backwaren als zulässig eingestuft, die nicht aus Vollkornmehl, sondern aus Auszugsmehl und Kleie hergestellt werden. - Foto: © shutterstock

Weniger eindeutig ist die Bezeichnung „Vollkorn“ (italienisch „integrale“) aber für verarbeitete Produkte wie beispielsweise Kekse. Tatsächlich bezieht sich die Aufschrift „Vollkorn“ lediglich auf den Getreide- beziehungsweise Mehlanteil im Produkt – und bedeutet keineswegs, dass ein Lebensmittel nur hochwertige und vollwertige Zutaten enthält.

Getreideanteil für die Bezeichnung

In Deutschland muss der Getreideanteil von Broten und Brötchen, die als Vollkornbrot beziehungsweise Vollkornbrötchen ausgelobt werden, zu mindestens 90 Prozent aus Vollkorngetreideerzeugnissen bestehen. Für Frühstückszerealien existieren jedoch keine solchen Vorgaben.

In Italien wurde in der Vergangenheit die Bezeichnung „Vollkorn“ („integrale“) sogar für solche Backwaren als zulässig eingestuft, die nicht aus Vollkornmehl, sondern aus Auszugsmehl und Kleie hergestellt werden. Der Fachausdruck dafür lautet „farina ricostituita“, also wiederhergestelltes Mehl.

Unterscheid nur anhand der Zutatenliste erkennbar

Verbraucherschutzorganisationen haben diese Praxis wiederholt als irreführend kritisiert. Erkennbar ist der Unterschied nur anhand der Zutatenliste: Bei „Weizenvollkornmehl“ – ohne zusätzliche Angaben – handelt es sich um Mehl aus dem ganzen Korn.

Wird dagegen in Klammern zusätzlich „(Weizenmehl, Weizenkleie)“ angegeben, dann wurde nicht Vollkornmehl, sondern ein wiederhergestelltes Mehl verwendet.

stol

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