<b>Von Stephan Niederegger</b><BR /><BR />Stundenlang habe seine Mutter Johanna mit ihm und seinen vier Brüdern oft gezeichnet. Christian Piffrader erinnert sich noch gut an die großen weißen Papierbögen am Küchentisch, auf die sie gemeinsam Berge und Landschaften „gezaubert haben“. Als Ministrant faszinierte ihn dann der kunstvoll geschmückte Innenraum der Pfarrkirche von Stegen.<BR /><BR /> Als er wissen wollte, wie diese Heiligenfiguren entstanden sind, zeigte ihm sein Vater die Schnitzeisen. Der kleine Christian war anfänglich eher enttäuscht über dieses „sehr einfache Handwerkzeug“. Trotzdem war damit seine Neugierde endgültig geweckt und sein weiterer Weg zur Bildhauerei nur die logische Konsequenz – von der zweidimensionalen Zeichnung zum dreidimensionalen Denken. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1238703_image" /></div> <h3> Realität im Kleinformat</h3>Die Grenze zwischen Beruf, Hobby und Freizeit sei bei ihm fließend, erklärt Christian Piffrader heute. Sein Atelier sei ihm mittlerweile zum zweiten Zuhause geworden, wo er abschalten kann und schon mal die Zeit vergisst. Mehr als zehn Stunden am Stück sind dann keine Seltenheit. Oft ohne konkrete Ideen spannt er einen Holzpflock ein, nimmt ein Stück Schaumstoff zur Hand oder modelliert eine kleine Keramikfigur und lässt sich von der künstlerischen Muse treiben. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1238706_image" /></div> <BR /><BR />Früher lief dabei das Radio, heute verzichtet er ganz auf diese musikalische Geräuschkulisse und sucht bewusst die Stille. Der Künstler hat sich auf Miniaturskulpturen spezialisiert, filigrane Arbeiten, die detailverliebt im Kleinformat auf wenigen Zentimetern die Wirklichkeit kopieren.<BR /><BR /> Mit Zollstab und Fotos nimmt er die Maße von Häuserfassaden in München oder Venedig und reduziert diese maßstabgerecht in akribischer Kleinarbeit auf wenige Zentimeter aus Zirbenholz. <BR /><BR />Im Sommer ist er etwas weniger lange im Atelier, denn dann ruft die Gartenarbeit. Mit seinem „grünen Daumen“ pflegt er die Beete vor dem Atelier und beim Wohnhaus, das am anderen Ende der Stadt liegt. Als leidenschaftlicher Gärtner erzählt er von seinen Rosen, den Mohnblumen, aber auch den Tomaten und Brombeeren. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1238709_image" /></div> <BR /><BR />Vor Jahren hatte der Bildhauer über 100 Kakteen, darunter auch eine große amerikanische Aloe (Jahrhundertpflanze). Heute habe er nicht mehr die Zeit dafür und auch der Platz zu Hause fehle, erklärt der Hobbygärtner.<h3> Kunst und Geschichte</h3>Der 56-Jährige interessiert sich sehr für Geschichte, von der Steinzeit bis zum Mittelalter, und natürlich für Kunstgeschichte. Dazu begibt er sich mit seiner Frau Johanna immer wieder auf die Spuren der alten Meister, denn „die Geschichte hinter den Kunstwerken ist ebenso spannend wie das Kunstwerk selbst“. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1238712_image" /></div> <BR /><BR />Gerade der norditalienische Raum sei für ihn buchstäblich ein „unbegrenztes architektonisches Lexikon“. Kürzlich waren die beiden in Pavia mit ihren vielen romanischen Kirchen – wie etwa die „wahnsinnig schöne“ Basilika San Michele Maggiore, in der 1155 Friedrich Barbarossa zum König von Italien gekrönt wurde. Die jeweils besuchte Stadt ist auch Ausgangspunkt für Tagesausflüge in die nähere und weitere Umgebung. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1238715_image" /></div> <BR /><BR />In einem kleinen Notizbuch hält Christian Piffrader die wichtigsten Daten und Stationen dieser Reisen und Ausflüge fest. Die jüngsten Einträge erzählen von der hügeligen Gegend zwischen der oberen Poebene bei Turin und den Ligurischen Alpen, aber auch von der weltbekannten Weinregion um Langhe. Das geschichtsinteressierte Paar verschließt sich auch nicht den kulinarischen Genüssen dieser Regionen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-72283459_listbox" /><BR /><BR />Dabei schwärmt der Künstler von Barolo, Valpolicella und Barbaresco ebenso wie von den Fischspezialitäten in Caorle. Mehrmals im Jahr besuchen sie dort seine Schwägerin. Dabei suchen sie nicht das Sonnenbad am Strand, sondern genießen die langen Strandspaziergänge am Abend oder am Morgen, bevor die Touristenströme die Adriaküste „überfluten“. Von dort aus wandern sie immer wieder auf den Spuren der Römer und Kirchengeschichte, wie etwa in Aquileia oder Cividale.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1238718_image" /></div> <h3> Begeisterte Sammler</h3>Das Ehepaar verbindet eine gemeinsame Sammelleidenschaft, daher sind sie oft auf Flohmärkten anzutreffen. Dabei geht es ihnen nicht um wertvolle Antiquitäten, sondern vielmehr um deren Geschichte. In diesen Tagen sind Christian und Johanna aber wieder kunsthistorisch unterwegs. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1238721_image" /></div> <BR /><BR />In Bassano del Grappa besuchen sie die Ausstellung von Giovanni Segantini (1858-1899). Anschließend steht der Palazzo Zabarella in Padua auf dem Programm, wo Werke von Pablo Picasso (1881-1973) und Amedeo Modigliani (1884-1920) gezeigt werden.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72283458_listbox" />