Montag, 05. Oktober 2015

"(Biologische) Landwirtschaft, die die Welt verändert"

Die Gemeinde Mals nahm im Rahmen des Festivals „Internazionale a Ferrara“ am Samstag, den 3. Oktober an einer Podiumsdiskussion teil. Dabei wurden vergangene Entwicklungen und Möglichkeiten für die Zukunft angesprochen.

Günther Wallnöfer und Evelyne Piergentili
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Günther Wallnöfer und Evelyne Piergentili

Das Motto der Podiumsdiskussionen, die Alce Nero, biologischer Lebensmittelproduzent und Vertrieb mit Sitz in Bologna im Rahmen des Festivals der Wochenzeitschrift Internazionale organisierte, ist Aussage und Aufruf zugleich: „(Biologische) Landwirtschaft, die die Welt verändert“.

Neben Evelyne Piergentili und Landwirtschaftsreferenten Günther Wallnöfer waren Santiago Paz, Präsident der Kooperative Sin Fronteras aus dem Norden Perus, die über 7.000 Kleinbauern zusammenschließt und deren Produkte, Kaffee, Kakau und Rohrzucker mittlerweile unter anderem von Alce Nero oder Coop verkauft werden, auch Giovanni Dinelli geladen.

Der Agrarwissenschaftler der Universität Bologna stellte in seinen Ausführungen nicht nur versteckte Kosten der industriellen Lebensmittelproduktion dar, sondern verwies auf die immer kürzer werdenden Spanne der Gesundheit im Leben der Menschen.

Dinelli forscht unter anderem die Zusammenhänge von verschiedenen Anbauformen - seien es industrielle oder bäuerliche, konventionelle oder biologische Methoden - mit dem Erzeugung von Flavonoiden, also Wirkstoffe, die Pflanzen vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen. 

"Konventionelle Landwirtschaft wie ein Ferrari"

Anhand einiger Beispiele verwies er auf mediale Angriffe gegenüber der biologischen Landwirtschaft; einem der wenigen Wirtschaftszweige, der seit 2008 weiterhin wächst, auf die ebenso stetig ansteigende Verschmutzung der Gewässer durch Pestizide und die kontinuierlich sich vergrößendere Gefährdung der Bodengesundheit.

Sein Vergleich der konventionellen Landwirtschaft mit einem Ferrari Testarossa dürfte bei den meisten der rund 50 Anwesenden angekommen sein: „Der Defekt“, so Dinelli, „ist klar: mit einem Liter Benzin kommst du einfach nicht weit. Beim gleichen Einsatz von Energie schafft es ein sparsameres Auto deutlich weiter. Ähnlich verhält sich die konventionelle Landwirtschaft zur biologischen“.

Hunger ein Problem der Verteilung? 

14 Milliarden Menschen, so der 51-jährige Agrarforscher, statt 10 Milliarden Menschen, könnten ernährt werden, wenn der heutige Fleischkonsum um 15 Prozent gesenkt würde: „Hunger ist kein Problem der vorhandenen Lebensmittelmenge, sondern eines der Verteilung“, schloss Dinelli.

Die Gegenwehr gegen das beschlossene Pestizidverbot der Gemeinde Mals war übrigens genauso Diskussionsgrundlage wie die Tatsache, dass erst die anstehende Durchführungsverordnung den Beschluss der Bürgerinnen und Bürgen auf den Weg bringen kann.

Lucio Cavazzoni, President von Alce Nero, sprach auch am Samstag Abend, wo unter anderen Marisol Espinoza Cruz, Vizepräsidentin von Peru Podiumsteilnehmerin war, von den Entwicklungen der Obervinschgauer Gemeinde. 

stol