Dienstag, 17. Juli 2018

Blair sieht in zweitem Brexit-Referendum einzigen Ausweg

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair sieht in einem zweiten Brexit-Referendum den einzigen Ausweg aus der gegenwärtigen verzwickten Lage seines Heimatlandes. Die aktuelle politische Situation sei ein „totales Chaos” und könne nur durch ein zweites Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der EU gelöst werden, sagte Blair am Dienstag im AFP-Interview.

Blair ist ein erklärter Brexit-Gegner Foto: APA (AFP)
Blair ist ein erklärter Brexit-Gegner Foto: APA (AFP)

May kämpft um Unterstützung für ihre Brexit-Strategie innerhalb der eigenen konservativen Partei. Vergangene Woche hatte sie nach 2-jährigem Ringen mit den Partei-Kollegen das Weißbuch für den EU-Austritt vorgelegt. Demnach strebt sie enge Bindungen an die EU nach dem Brexit an. Aus Protest dagegen traten 2 einflussreiche Brexit-Hardliner, Außenminister Boris Johnson und Brexit-Minister David Davis, zurück.

Blair bezeichnete Mays Strategie als einen Plan, der niemanden zufriedenstelle. Zudem würden die Verhandlungspartner in Brüssel ihn wahrscheinlich nicht akzeptieren.

Blair zeigte Mitleid mit May

Dennoch zeigte er Mitleid mit der Premierministerin: Sie habe „den am wenigsten beneidenswerten Job in der westlichen Politik”, sagte Blair. Deshalb sei es für May an der Zeit, sich einzugestehen, „dass es keinen Ausweg gibt” als ein weiteres Referendum mit der Option, Teil der EU zu bleiben.

Blair leitete von 1997 bis 2007 als Chef der linken Labour-Partei die Regierungsgeschäfte in London. In der Vergangenheit hatte er sich bereits mehrmals für einen Verbleib Großbritanniens in der EU ausgesprochen. „Ich bin leidenschaftlich gegen den Brexit”, sagte der 65-Jährige. Er glaube immer noch, dass der Austritt verhindert werden könne.

May entging unterdessen im Parlament nur knapp einer Schlappe. Proeuropäische Rebellen aus ihrer konservativen Fraktion wollten Großbritannien zu einer Zollunion mit der EU verpflichten, falls bis Jänner 2019 keine Freihandelszone mit Brüssel vereinbart sein sollte. Das Unterhaus stimmte jedoch am Dienstag mit 307 zu 301 Stimmen gegen den Änderungsantrag zum Handelsgesetz.

apa/ag.

stol