Dienstag, 30. August 2016

Brexit: Ansturm auf österreichische Pässe lässt nach

Das Interesse an österreichischen Staatsbürgerschaften sei mittlerweile wieder abgeflaut. Besonders in den ersten Tagen nach dem Referendum hätten sich viele Briten nach österreichischen Pässen erkundigt, hieß es aus der österreichischen Botschaft in London. Mittlerweile seien es lediglich noch 8 Anträge pro Woche.

Infolge des Brexit haben viele Briten um die österreichische Staatsbürgerschaft angesucht.
Infolge des Brexit haben viele Briten um die österreichische Staatsbürgerschaft angesucht. - Foto: © D

In der ersten Woche nach dem Brexit belief sich die Anzahl der Anfragen auf insgesamt 350, wobei Personen ihr Interesse an einer österreichischen Staatsbürgerschaft sowohl per Telefon als auch per E-Mail bekundeten. Dies teilte Monika Zach, Erste Sekretärin der Botschaft in London, auf Anfrage der APA mit. Jene Ansuchen wurden in Folge des Brexits gestellt, nach dem Referendum meldeten sich signifikant mehr Interessenten an einer Staatsbürgerschaft.

Interesse schnell abgeflaut

Bei den Anfragen geht es allerdings im ersten Schritt nur darum, Informationen über die Möglichkeit eines Antrags auf die österreichische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Tatsächlich gestellt werden müssen die Ansuchen schließlich bei der zuständigen Landesregierung.

Nach einem anfänglichen starken Anstieg der eingegangenen Anfragen sei das Interesse schnell wieder abgeflacht, so Zach. Zum heutigen Zeitpunkt liege die Anzahl der per E-Mail an die österreichische Botschaft in London gerichteten Interessensbekundungen, die mit dem Brexit in Zusammenhang stehen, bei etwa 8 pro Woche.

Bei den Interessenten handle es sich „zum größten Teil um britische Staatsbürger, deren österreichische Vorfahren aus Österreich vertrieben wurden“, so Zach. Insgesamt kämen rund 80 Prozent der Ansuchen um eine österreichische Staatsbürgerschaft aus dieser Gruppe.

Staatsbürgerschaft durch Abstammung der Eltern möglich

In Österreich sieht das Gesetz neben dem Erhalt der Staatsbürgerschaft durch die Abstammung der Eltern oder den Ort der Geburt vor, auch jenen Personen ihre österreichische Staatsbürgerschaft zurückzugeben, welche diese im Zuge der Verfolgungen durch die Nationalsozialisten vor dem Jahr 1945 verloren haben. Auch deren Kinder haben diesen Anspruch, nicht jedoch die Enkel, wie es etwa in Deutschland der Fall ist.

Mehrere Staaten zeigten bereits kurz nach dem Brexit-Votum Interesse an britischen Staatsbürgern. Bulgariens Regierungschef Bojko Borissow legte etwa allen in seinem Land lebenden Briten nahe, sich um die bulgarische Staatsbürgerschaft zu bemühen. In Deutschland plädierte Sigmar Gabriel dafür, jungen Briten eine Doppelstaatsbürgerschaft anzubieten.

Renzi sprach sich für „Kulturrecht“ aus

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi sprach sich im Juni zudem für Ad-hoc-Staatsbürgerschaften von Jugendlichen aus Großbritannien aus. Neben dem Abstammungsrecht und dem Geburtsortsprinzip sollte auch eine Art „Kulturrecht“ in Kraft treten, eine Veränderung zum „klassischen“ Modell.

Nach dem Brexit-Votum hatten sich britische Staatsbürger insbesondere vermehrt um irische Pässe bemüht, in dem Nachbarland gelten für irisch-stämmige Briten gesonderte Bestimmungen. Einwohner Großbritanniens müssen lediglich eine irische Abstammung nachweisen.

apa

stol