Sonntag, 05. November 2017

Britischer Kabinettschef in Sexismus-Skandal unter Druck

Der Skandal um sexuelle Übergriffe britischer Politiker nimmt immer größere Dimensionen an. Vor allem Kabinettschef Damian Green gerät zunehmend unter Druck.

Damian Green wehrt sich gegen die Vorwürfe.  - Foto: APA/AFP
Damian Green wehrt sich gegen die Vorwürfe. - Foto: APA/AFP

Aufgrund einer in London kursierenden Liste mit Verfehlungen von Parlamentariern sind weitere Rücktritte möglich. An diesem Montag berät Premierministerin Theresa May mit den Vorsitzenden der anderen Parteien über Konsequenzen.

Pornographisches Material am PC im Parlament

Es werde jetzt auch dem Vorwurf nachgegangen, dass sich auf Greens Computer im Parlament pornografisches Material befunden haben soll, sagte Innenministerin Amber Rudd am Sonntag dem britischen Sender BBC. Bereits zuvor war Mays Stellvertreter von einer Journalistin beschuldigt worden, ihr während eines Pub-Besuchs ans Knie gefasst und später eine anzügliche Nachricht geschickt zu haben.

Der 61-Jährige streitet alle Vorwürfe ab. Es handle sich um eine politische Hetzkampagne, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Zeitung „The Sunday Times” hatte unter Berufung auf einen ehemaligen Scotland-Yard-Mitarbeiter berichtet, dass das pornografische Material 2008 auf dem Computer entdeckt worden war. Der Konservative konterte, dass der Ex-Polizist schon zuvor versucht habe, ihn in Verruf zu bringen. Die Behauptungen seien alle unwahr.

Einige Anschuldigungen bereits widerlegt

Green gehört zu den etwa 40 Abgeordneten, die auf einer in der konservativen Fraktion kursierenden Liste mit Verfehlungen stehen. Einige Anschuldigungen gegen die Politiker haben sich jedoch schon als falsch oder harmlos herausgestellt. Ein Rücktritt Greens wäre ein herber Rückschlag für die ohnehin politisch angeschlagene Premierministerin. In der vergangenen Woche war bereits ihr Verteidigungsminister und Unterstützer Michael Fallon zurückgetreten.

Über Fallon hatte es mehrere Beschwerden gegeben. Ein Vorfall aus dem Jahr 2003 soll letztlich zu seinem Rücktritt geführt haben, wie jetzt bekannt wurde. Eine Journalistin schilderte in der Zeitung „The Observer”, wie der Konservative sich damals nach einem Mittagessen auf sie stürzte und küssen wollte. Sie sei weggerannt. Erst im Zuge des Skandals habe sie den Vorfall der Regierung gemeldet. Andere Frauen berichteten von Knie-Tätscheleien und anzüglichen Bemerkungen.

Auch in Schottland Skandal um sexuelle Belästigungen

Der Skandal um sexuelle Belästigungen erreichte unterdessen auch das Parlament in Edinburgh. Schottlands Staatssekretär für Kinderbetreuung, Mark McDonald, nahm am Samstagabend seinen Hut. „Ich entschuldige mich uneingeschränkt bei jedem, den ich verärgert habe oder der mein Verhalten als unangemessen empfunden hat”, teilte der Politiker der Schottischen Nationalpartei (SNP) mit. Hinter lustig oder freundlich gemeinten Handlungen hätten manche womöglich andere Absichten vermutet. Details für seinen Rücktritt nannte er nicht.

Die britischen Konservativen hatten zuvor ihren Abgeordneten für Dover, Charlie Elphicke, wegen „schwerer Vorwürfe” vorläufig aus ihrer Partei ausgeschlossen. Der Fall beschäftigt sogar die Polizei. Elphike twitterte Freitagabend: „Ich weiß nicht, was die angeblichen Vorwürfe beinhalten und streite jegliches Fehlverhalten ab.”

apa/dpa

stol