Freitag, 20. Oktober 2017

Broschüren über Mundhygiene für besondere Menschen

Am Freitag wurde in der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana die Broschüren „Handbuch zur Mundhygiene für Menschen mit Down-Syndrom“ und „Handbuch zur Mundhygiene für Menschen mit Autismus“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Informationsbroschüren gibt es in deutscher und italienischer Sprache. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Gemeinschaftsaktion zwischen der Claudiana und dem Südtiroler Sanitätsbetrieb.

Am Freitag wurde in der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana die Broschüren „Handbuch zur Mundhygiene für Menschen mit Down-Syndrom“ und „Handbuch zur Mundhygiene für Menschen mit Autismus“ der Öffentlichkeit vorgestellt. - Foto: Claudiana
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Am Freitag wurde in der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana die Broschüren „Handbuch zur Mundhygiene für Menschen mit Down-Syndrom“ und „Handbuch zur Mundhygiene für Menschen mit Autismus“ der Öffentlichkeit vorgestellt. - Foto: Claudiana

Die Broschüren wurden von Roperti Massimo und Manuela Perli gemeinsam mit einer dritten Klasse von Dentalhygienikern unter der Leitung von Marco Padovan, dem Studiengangsleiter für Dentalhygiene in der Claudiana, erstellt.

„Die Erstellung einer solchen Broschüre ist ein gutes Beispiel des praxisorientierten Unterrichts der Claudiana. Die Studenten haben eine wichtige Notwenigkeit erkannt und dieses praktische, sinnvolle Instrument geschaffen“, sind sich Klaus Eisendle, Präsident und Guido Bocchio, der Direktor der Claudiana, einig.

Broschüre ist wichtiges Hilfsmittel

„Für betroffene Eltern, den Mitarbeitern für Integration, in den Einrichtungen und Zahnarztpraxen kann diese Broschüre ein wichtiges Hilfsmittel sein. Zum einen im Umgang mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen/Erwachsenen mit Beeinträchtigung, zum anderen um die Betroffenen selbst zum besseren Verständnis der Wichtigkeit einer guten Mundhygiene zu führen. Vor allem bei Kindern mit Autismus aufgrund ihrer großen Wahrnehmungsstörung und den damit verbundenen Dyspraxien, gestaltet sich die Mundhygiene oftmals sehr problematisch.

In vielen Fällen ist eine professionelle Dentalhygiene und Zahnsanierung nur unter Narkose, mit den damit verbundenen großen Belastungen, möglich. Dieser auszuweichen ist eine gute Prävention in der Zahnhygiene sehr wichtig.

Wir Eltern begrüßen die Initiative sehr und danken den Initiatoren“, sagt Angelika Stampfl, die Präsidentin des AEB - Arbeitskreis Eltern Behinderter. Die Broschüren werden an Sprengelsitze sowie an die Kinderärzte und Ärzte für Allgemeinmedizin verteilt. Sie können beim Südtiroler Sanitätsbetrieb (Tel. 0471 907139, E-Mail [email protected]) oder beim AEB – Arbeitskreis Eltern Behinderter (E-Mail [email protected]) angefordert werden. Herunterladen kann man die Broschüren auf der Internetseite der Landesfachhochschule unter www.claudiana.bz.it/de/dentalhygiene.asp.

Vorsorge für bessere Lebensqualität

Die gute Zahngesundheit ist ein wichtiger Faktor eines gesunden Organismus. Außerdem formen Zähne unser Gesicht und prägen unser Lachen. Kranke Zähne bzw. Munderkrankungen sind nicht nur schmerzhaft, sondern können auch andere Krankheiten im Körper hervorrufen. Gesunde Zähne und ein gesundes Zahnfleisch sind also sehr wichtig für die Lebensqualität und im sozialen Umgang.

Bei bestimmten Krankheitsbildern wie Autismus und Down-Syndrom ist die Vorsorge für Mundgesundheit besonders wichtig, da einerseits die Anfälligkeit größer und andererseits Behandlungen und Therapien schwieriger durchführbar sind. Das sind die wichtigsten Gründe für die Erstellung dieser Broschüren.

“Mit diesen beiden Broschüren können wir Menschen mit Down-Syndrom und Menschen mit Autismus eine wertvolle Hilfe an die Hand geben – genauso wie jenen, die sie betreuen und begleiten“, freut sich die Pflegedirektorin des Südtiroler Sanitätsbetriebes Marianne Siller. „Die Mundhygiene ist eine wichtige Vorsorge-Maßnahme, sie erspart den Menschen mittelfristig schwerere Eingriffe und hilft damit auch die Lebensqualität zu erhöhen.“

Mundhygiene für Menschen mit Down-Syndrom

Kinder mit Down-Syndrom haben eine erhöhte Anfälligkeit für Karies, Zahnfleischentzündungen, Parodontitis und Mundgeruch. Die Zähne sind unter anderem weniger widerstandsfähig und die verringerte Immunabwehr erleichtert Entzündungen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass diese Menschen vorsorglich bzw. regelmäßig von den Betreuungspersonen überwacht werden. Die Broschüre enthält Informationen zu Mundhygieneutensilien, Zahnputztechnik und –reinigung, über wichtige Mundkrankheiten, Tipps zur Vorbeugung und Behandlung derselben und Ratschläge zu Ernährung.

 

Mundhygiene für Menschen mit Autismus

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Betroffene haben Schwierigkeiten im Umgang mit Mitmenschen, mit alltäglichen Situationen sowie mit der Verständigung. Darüber hinaus zeigen sie eine Reihe von bestimmten, sich wiederholenden, nicht-funktionellen und bizarren Bewegungen. Geringste Veränderungen im Umfeld können zu Unruhe und Leiden führen.

Damit ist nicht der Autismus selbst, der zu Erkrankungen der Mundhöhle führen kann, sondern Faktoren wie soziale Probleme, Verhaltens- und Kommunikationsprobleme und motorische Einschränkungen. Autisten benötigen mehr Aufmerksamkeit, denn alleine können sie die Wichtigkeit der Mundhygiene nicht verstehen. Umso wichtiger ist die Aufklärung der Eltern bzw. des Pflegepersonals. Die Broschüre enthält Behandlungsstrategien, eine Übersicht möglicher Mundkrankheiten bzw. Ratschläge zu dessen Vorbeugung und für den Zahnarztbesuch.

Studiengang Dentalhygiene

Die Broschüren sind im Rahmen des Studiums zum Dentalhygieniker an der Claudiana entstanden. Diese befassen sich unter anderem auch mit Zahngesundheitserziehung. An der Claudiana wird in Zusammenarbeit mit der Partneruniversität Cattolica del Sacro Cuore in Rom seit 2001 das Studium für Dentalhygiene angeboten. Bis dato haben 60 StudentInnen dieses Studium abgeschlossen. Die DentalhygienikerInnen sind Fachkräfte, welche Prävention von Mund- und Zahnerkrankungen, Zahngesundheitserziehung und Primärpräventionsprojekte im Rahmen des öffentlichen Gesundheitssystems durchführen.

Die Studienzeit beträgt Vollzeit drei Jahre. Aufgrund der großen Nachfrage startet alle zwei Jahre ein neuer Studiengang. Alle Studienabgänger haben bis dato eine Arbeit gefunden – einige in privaten Praxen, andere in öffentlichen Strukturen des Gesundheitsdienstes. Der Bedarf an Dentalhgienikern ist zurzeit um ein Vielfaches höher als Kapazitäten vorhanden sind. Dies gilt für den privaten wie für den öffentlichen Bereich.

stol

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