Es gibt Mahlzeiten, die folgen einem strengen Zeitplan. Und es gibt Brunch. Er beginnt dann, wenn der Morgen schon fast vorbei ist, und endet oft erst, wenn Kaffee und Croissants schon längst einem Gläschen Sekt oder einem leichten Aperitif gewichen sind. Und genau diese Mischung macht seinen Reiz aus: Brunch nimmt sich einfach Zeit. <h3> Woher stammt der Brunch eigentlich?</h3>Der Begriff selbst verrät bereits seine Herkunft: Er setzt sich aus den englischen Wörtern „Breakfast“ und „Lunch“ zusammen und wurde erstmals 1895 in einem Magazin verwendet. In einem Bericht plädierte der britische Gesellschaftspublizist Guy Beringer für ein ausgedehnteres Frühstück an Sonntagen, das später als an Werktagen beginnen und ein Mittagessen ersetzen kann. Damit würde ein frühes Aufstehen an Sonntagen unnötig und das familiäre Zusammensein könne entspannter stattfinden. Dabei solle der Brunch Frühstückselemente wie Tee, Kaffee, Marmelade und dergleichen mit herzhafteren Gerichten verbinden, die normalerweise mittags gereicht werden, darunter Fisch, Fleisch oder auch Bier. <BR /><BR />Von England aus trat der Brunch seinen Siegeszug an und wurde besonders in den USA populär, zunächst in einem Luxusrestaurant in New Orleans als zweites Frühstück. Bald gab es in der Stadt am Mississippi sogar Brunch-Restaurants, die sich ganz dieser neuen Art des Frühstücks verschrieben. Ab 1920 entwickelte sich der Brunch auch in New York zu einem beliebten Wochenendritual in Hotels und Restaurants. Kurios: Da Alkoholkonsum in Restaurants im „Big Apple“ bis 13 Uhr verboten war, begannen die meisten Brunchs erst um diese Uhrzeit. Immerhin gilt gerade beim Brunch: Warum hetzen?<h3> Warum wir Brunch so lieben</h3>Vielleicht passt der Brunch auch deshalb so gut in unsere Zeit, weil er eine Abwechslung zum hektischen Alltag bietet. Niemand muss pünktlich um 12 Uhr am Tisch sitzen, niemand muss sich zwischen Frühstück und Mittagessen entscheiden. Man darf bleiben, plaudern, genießen und den Moment auskosten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1349904_image" /></div> <BR /><BR />Brunch ist eine Mahlzeit für alle, die gerne kombinieren: Kaffee und Aperitif, süß und herzhaft, traditionell und modern. Er verbindet verschiedene Geschmäcker, aus dem „entweder oder“ wird ein „und“. Ob mit der Familie, mit Freunden oder als besonderer Anlass zu zweit – der Brunch ist weniger eine „gewöhnliche“ Mahlzeit als ein gesellschaftliches Erlebnis.<BR /><h3> Eine kulinarische Reise um die Welt</h3>Und so unterschiedlich die verschiedenen Kulturen sind, hat auch der Brunch auf der ganzen Welt sein eigenes Gesicht bekommen. So gehören in seinem Geburtsland England Klassiker wie Eggs Benedict, Scones mit Marmelade, Tee und Räucherlachs dazu. Der amerikanische Brunch ist oft großzügiger und vielfältiger: Pancakes, Waffeln, Bagels, Avocado Toast oder herzhafte Eierspeisen stehen hier gerne auf dem Tisch.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1349907_image" /></div> <BR />Frankreich bringt seine typische Leichtigkeit ein – mit knusprigen Croissants, Baguette, Käse, feinen Tartes und Café au lait. In Italien darf natürlich der perfekte Cappuccino nicht fehlen, dazu kommen Cornetti, Focaccia, Mozzarella und kleine herzhafte Spezialitäten. <BR /><BR />In China zeigt sich besonders deutlich, wie wandelbar der Brunch ist. Vor allem in den großen Städten verbindet er die Klassiker Kaffee, Croissants oder Eggs Benedict mit traditionellen asiatischen Gerichten wie Dim Sum, gedämpften Teigtaschen oder Nudelsuppen. In der orientalischen Küche sorgen Hummus, Shakshuka, frisches Fladenbrot und verschiedene Dips für würzige Vielfalt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1349910_image" /></div> <BR /><BR />Und auch Südtirol hat sich den Brunch zueigen gemacht – und seine ganz persönliche Note hinzugefügt. Verständlich, denn viele traditionelle Südtiroler Produkte passen einfach hervorragend zu dieser vielfältigen Art des Genießens. <BR /><BR />So finden sich hierzulande neben hausgemachten Marmeladen, Honig, frischem Obst und regionalen Säften auch Schüttelbrot, würziger Bergkäse, Speck und Kaminwurzen ihren Platz am Brunch-Tisch. Dazu ein Kaffee, ein Glas Südtiroler Sekt oder ein leichter Wein – und schon entsteht eine Kombination aus alpiner Tradition und moderner Genusskultur.<h3> Sommerzeit ist Brunchzeit</h3>Eines ist klar: Am besten schmeckt der Brunch nicht drinnen, sondern draußen: Eine Terrasse mit Blick auf die Berge, ein schattiger Garten, eine Almwiese oder ein Platz am See machen aus der Kombination von Frühstück und Mittagessen ein besonderes Erlebnis. Gerade Südtirol bietet viele Möglichkeiten für einen Brunch: nach einer Sonnenaufgangswanderung, als gemütliche Pause während einer Radtour oder als Picknick mit regionalen Köstlichkeiten.<BR /><BR />Um einen Brunch selbst zuzubereiten, braucht es nur wenige, aber hochwertige Zutaten: frisches Brot vom Bäcker, Käse und Speck aus der Region, saisonales Obst, hausgemachte Aufstriche, einen guten Kaffee oder ein Glas Sekt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1349913_image" /></div> <BR />Mehr als 130 Jahre, nachdem Guy Beringer erstmals in einem englischen Magazin über die Vorteile eines „Brunch“ geschrieben hat – und damit das Kofferwort endgültig etablierte – hat das späte Frühstück nichts von seiner Faszination verloren.<BR /><BR /> Im Gegenteil: Es entwickelt sich ständig weiter, greift neue kulinarische Trends auf und bleibt doch seinem ursprünglichen Gedanken treu – gutes Essen, gute Gesellschaft und die Freiheit, sich dafür Zeit zu nehmen. Vielleicht ist genau das sein größtes Erfolgsrezept.