Freitag, 20. Oktober 2017

Bürgermeister von Amatrice kandidiert mit Berlusconi bei Regionalwahl

Von den Trümmern der Erdbebenstadt Amatrice in die römische Politik. Der Bürgermeister der im August 2016 von einem schweren Erdstoß zerstörten Gemeinde Amatrice, Sergio Pirozzi, will für den Posten als Präsident der Region Latium mit der Hauptstadt Rom kandidieren.

Darf sich nach wie vor über viel Gefolgschaft freuen: Silvio Berlusconi
Darf sich nach wie vor über viel Gefolgschaft freuen: Silvio Berlusconi - Foto: © LaPresse

Der 52-jährige Pirozzi geht mit einer eigenen Wahlliste, die von mehreren Rechtsparteien – darunter der Forza Italia um Ex-Premier Silvio Berlusconi – unterstützt werden soll, in die Regionalwahl in der mittelitalienischen Region, wie italienische Medien am Freitag berichteten. Die Regionalwahlen sind für kommendes Frühjahr geplant.

Pirozzi fordert damit den amtierenden Präsidenten der Region, Nicola Zingaretti, heraus. Der Mitte-Links-Politiker der Demokratischen Partei (PD) strebt eine Wiederwahl an.

Vor dem Erdbeben war der stämmige Mann mit Glatze und Dreitagebart Fußballtrainer in unteren Ligen. Seit der fast völligen Zerstörung von Amatrice durch das schwere Erdbeben im August 2016, dessen Bilder um die ganze Welt gingen, hat er auf seinen Job verzichtet, um seinen Bürgern beizustehen. Seine Erfahrung als Coach kamen ihm dabei zugute. Als Trainer sei er es gewohnt, schnelle Entscheidungen zu fällen, meinte er selbst.

"Mannschaft motivieren"

„Als Coach ist man es gewöhnt, eine Mannschaft zu motivieren. Man muss seinen Mitbürgern klar machen, dass nur das 'Wir' und nicht das 'Ich' zählt. Als Trainer muss man als erster ein Beispiel abgeben, sonst ist man nicht glaubwürdig. Ich habe Amatrice nie verlassen. Ich habe auf meinen Beruf verzichtet, den ich sehr liebe, um hierzubleiben und für die Wiederauferstehung meiner Gemeinde zu arbeiten“, berichtete Pirozzi, der gern einen Pullover mit der Aufschrift „Amatrice“, rot auf blau, trägt. Damit Amatrice nicht in Vergessenheit gerät, wie er sagt.

In diesen zwölf Monaten, die sein Leben auf den Kopf stellten, hat Pirozzi Schutt weggeräumt, Zeltlager für Obdachlose organisiert, die prominentesten Politiker der Welt empfangen und mit der Regierung in Rom für den Wiederaufbau verhandelt.

„Es ist wie im Krieg. Die Zerstörung hat die Perspektive der Menschen gewandelt. Als Überlebender ändert man seine Lebenseinstellung“, sagte Pirozzi. Jetzt will er seine Erfahrung in den Dienst einer breiteren Gemeinschaft stellen. Seine durch sein Krisenmanagement erworbenen Popularität will er dafür nutzen.

apa/dpa

stol